Auto-Abo Finn Auto expandiert in die USA – warum der Schritt gewagt ist

Autor Christoph Seyerlein

Die USA sollen für Finn Auto noch in diesem Jahr der zweite Markt werden. Max-Josef Meier, Chef des Auto-Abo-Anbieters, sieht dort ein noch viel größeres Potenzial. Soll der Schritt zum Erfolg werden, müssen die Münchner allerdings manche Hürde nehmen, die sie aus Deutschland so nicht kennen.

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Im vierten Quartal will Finn Auto in den USA starten.
Im vierten Quartal will Finn Auto in den USA starten.
(Bild: Finn Auto)

Von München über den großen Teich: Das Auto-Abo-Start-up Finn Auto will noch im vierten Quartal 2021 mit seinem Angebot auch in den USA starten. Zunächst bringe man die Abos nach Pennsylvania und New Jersey, wie das Unternehmen mitteilte. Die neu gegründete Gesellschaft Finn of America Inc werde aber in New York City und Ann Arbour angesiedelt sein. Nach dem Launch will Finn zügig in weiteren US-Bundesstaaten im Nordosten aktiv werden.

Warum die USA? Finn-Chef Max-Josef Meier wittert dort großes Potenzial. Im Vergleich zum deutschen Markt sei der dortige etwa sechsmal so groß, meint er. Das liege zum einen am höheren Motorisierungsgrad in den USA.

Zudem gebe es im Abo-Umfeld wenig Konkurrenz. Bekanntester Name in Nordamerika auf jenem Feld ist fair.com. Einige große Namen hatten sich dagegen zuletzt nach ersten Versuchen aus dem Geschäft verabschiedet. Beispielsweise hatte Mercedes sein Angebot in den USA im vergangenen Sommer nach zwei Jahren wieder eingestellt. Die Nachfrage sie „okay, aber nicht fantastisch“ gewiesen, erklärte der Automobilhersteller damals. Auch BMW hat seinem Angebot vor Ort nach einigen Tests wieder den Stecker gezogen.

Finn hofft dennoch darauf, dass US-Kunden besonders offen für flexible Mobilitätsangebote sind. „Wir sind überzeugt, dass unser Geschäftsmodell in den USA noch besser funktioniert als in Deutschland“, zeigt sich Meier optimistisch. Nordamerika gilt beispielsweise als einer der führenden Märkte für Auto-Leasing.

Differenzierung zum Leasing könnte in den USA schwer werden

Genau darin könnte für Finn aber auch eine Schwierigkeit liegen. Denn Leasing in den USA ist mit den Angeboten hierzulande nicht zu vergleichen. US-Kunden bekommen beim Leasing deutlich flexiblere Möglichkeiten wie beispielsweise kürzere Laufzeiten. Ein Argument, mit dem eigentlich Abo-Anbieter punkten wollen. Dementsprechend werden die Münchner zusätzliche Angebote schnüren müssen, um Interessenten von sich zu überzeugen. Das könnte das Geschäft kostspieliger und weniger profitabel machen.

Bei Finn zeigt man sich überzeugt davon, passende Antworten auf solche Fragezeichen zu haben. Man werde das eigene Angebot auf die Konsumbedürfnisse in den USA abstimmen, heißt es. So wollen die Münchner vor Ort etwa Pick-Ups mit ins Portfolio aufnehmen. In Deutschland ist das nicht der Fall. Außerdem sollen die monatlichen All-Inclusive-Raten für US-Kunden beispielsweise auch Maut-Gebühren abdecken.

Auch in Europa will sich Finn Auto ausbreiten

Bei der Expansion in die USA wollen es die Münchner in absehbarer Zeit nicht belassen. Auch innerhalb Europas will sich das Start-up in den nächsten Jahren ausbreiten. Laut dem „Handelsblatt“ hat Finn bis 2023 acht bis zehn neue Märkte im Blick, darunter Frankreich, Italien oder Spanien.

Bezahlen will das Unternehmen seine Vorhaben aus eigenem Kapital. Doch auch weitere Finanzierungsrunden werden wohl nötig werden. Ende letzten Jahres hatten die Münchner 20 Millionen Euro von Investoren eingesammelt. Insgesamt soll Finn bislang mit 50 Millionen Euro finanziert sein. Bis Ende des Jahres soll wohl eine weitere Runde abgeschlossen werden.

In Deutschland hat Finn nach eigenen Angaben 2020 mehr als 1.000 Auto-Abos vermarktet. Für das laufende Jahr hat das Start-up die Ziele nach oben korrigiert: Statt der bislang anvisierten 5.000 sollen bis Jahresende 10.000 Verträge hierzulande abgeschlossen werden. Spätestens in fünf Jahren will Finn schwarze Zahlen schreiben. Dazu sollen auch Angebote, die über das Auto-Abo hinausgehen, beitragen: In Deutschland bietet das Unternehmen Rückläufer aus Abo-Geschäften als junge Gebrauchtwagen auch zum Verkauf.

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