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Finnischer Händler macht Autohaus zum Büro-Arbeitsplatz

| Autor / Redakteur: Timo Schulz / Christoph Baeuchle

Autohäuser und Zukunft? Das geht. Die finnische Handelsgruppe Veho zeigt dies an verschiedenen Projekten und ihrem Flughafen-Standort. Das Angebot spricht die Kunden über verschiedene Lebens- und Arbeitsbedürfnisse an.

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Die finnische Handelsgruppe VEHO ist Generalimporteur für Mercedes. Auf der Position ruht sich VEHO nicht aus, sondern probiert immer wieder neue Möglichkeiten der Kundenansprache.
Die finnische Handelsgruppe VEHO ist Generalimporteur für Mercedes. Auf der Position ruht sich VEHO nicht aus, sondern probiert immer wieder neue Möglichkeiten der Kundenansprache.
(Bild: VEHO)

In Deutschland ist Veho nur wenigen Branchenkennern ein Begriff, in Skandinavien ist der finnische Händler dagegen eine große Nummer. Die Autohausgruppe hat sich nicht nur als Mercedes-Händler einen Namen gemacht, sondern auch mit Zukunftsprojekten wie „Whim“, bei dem Veho „Mobility as a Service“ anbietet, und „Go by Veho“, ein auf die Kundenbedürfnisse speziell zugeschnittenes Vermietkonzept (siehe die »kfz-betrieb«-Ausgabe 29/30, S. 56 – zum Heftarchiv (für angemeldete Abonnenten).

Dass bei Veho keine Traditionalisten am Werk sind, zeigt der zweieinhalb Jahre alte Flagship-Store in unmittelbarer Nähe zum Flughafen von Helsinki. Hier hat Veho ungewöhnliche Konzepte umgesetzt. Im ersten Stock, mit uneingeschränktem Blick auf die Ausstellungsfläche, befindet sich eine moderne Kantine, die sowohl von Kunden als auch vom Personal genutzt wird.

Gleich nebenan stellt der Händler gut ausgestattete Büroraume bereit – nicht für die Mitarbeiter, sondern für die Kunden. Wartet ein Kunde auf sein Fahrzeug, kann er einen solchen Arbeitsplatz nutzen. Working Spaces lautet das Stichwort. Diese Art von temporären Arbeitsplätzen ist an internationalen Flughäfen schon seit Jahren üblich, in Autohäusern sind sie jedoch die Ausnahme.

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Veho nutzt das Konzept für sich: Wenn der Kunde schon Zeit für den Service opfern muss, dann hat er in dem Autohaus wenigstens die Gelegenheit, diese Zeit sinnvoll zu nutzen. Muss oder will der Kunde arbeiten, findet er hier die entsprechenden Rahmenbedingungen. Zentral ist zudem ein Café positioniert, dessen Einrichtung eher an eine Starbucks-Filiale erinnert als an ein Autohaus. Hier können sowohl Mitarbeiter in ihrer Pause als auch Kunden verweilen.

Unten in der Ausstellungshalle bietet sich das gewohnte Bild neuartiger Autohäuser: Alles ist sehr hell und freundlich gestaltet, zwar erfolgt eine thematische Gliederung der einzelnen Bereiche, die Übergänge verlaufen jedoch nahtlos. Werkstattannahme und Ausstellungsfläche sind durch eine riesige Glaswand getrennt und geben den Blick frei auf die Fahrzeuge in der Dialogannahme.

„Ermutigende Konzepte“ für den Wandel im Handel

Sicherlich ist die Gruppe in einer Sonderstellung. Das 1939 gegründete Unternehmen, das Autohäuser in Finnland, Schweden und Estland betreibt, ist heute Generalimporteur für die Marke Mercedes-Benz und zusätzlich seit zehn Jahren als Hauptfranchisenehmer für Sixt tätig.

Antje Woltermann, Cecra-Vizepräsidentin und zuständig für den europäischen Automobilhandel, äußerte sich während einer vom europäischen Dachverband des Kfz-Gewerbes organisierten Informationsreise von dem finnischen Unternehmen dennoch beeindruckt: „Das Beispiel Veho zeigt, wie ein Autohaus sein traditionelles Geschäftsfeld an den bevorstehenden Wandel im Mobilitätsdenken der Menschen anpassen kann.“

Für den stationären Handel sei das Veho Konzept ermutigend, da es zeige, wie sich die „alte und neue Welt“ der Mobilität durchaus erfolgreich miteinander kombinieren lassen. „Nicht nur die Hersteller sind in der Lage, auf zukünftige Veränderungen im Mobilitätsverhalten zu reagieren, auch der Handel ist es.“

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