Fit für den Multimarkenservice

Partnerbetriebe der Werkstattsysteme müssen ihren Markt aktiv bearbeiten

01.02.2008 | Autor: Norbert Rubbel

Partner der Werkstattsysteme erhalten nicht nur ihre Ersatzteile vom freien Teilegroßhändler, sondern auch Servicestrategien für die Marktbearbeitung. Foto: Archiv
Partner der Werkstattsysteme erhalten nicht nur ihre Ersatzteile vom freien Teilegroßhändler, sondern auch Servicestrategien für die Marktbearbeitung. Foto: Archiv

Die Systemzentralen der Werkstattketten verfolgen ehrgeizige Ziele: Nach der Devise „eng binden und straff führen“ bauen sie ihre Partnernetze weiter aus und erhöhen die Anforderungen an ihre Partnerbetriebe, um sie für den Mehrmarkenservice zu qualifizieren. Nach Schätzungen der Marktbeobachter nutzen bereits rund 9 000 Unternehmen die Leistungsbausteine der Full-Service-Systeme Tendenz steigend.

Längst aber gehören den Werkstattsystemen nicht nur markenunabhängige Betriebe an. Auch immer mehr Vertragspartner der Automobilhersteller haben den Multimarkenservice für sich entdeckt und schließen sich den Systemen der freien Teilelieferanten und Kooperationen an.

Die Vorteile der fabrikatslosen Mehrmarkenbetriebe beschreiben die Autoren der Studie „Automotive Service Experience“ der Accenture GmbH: „Die Kunden von freien Autowerkstätten sind zufriedener als die von Vertragswerkstätten.“ Die befragten Autofahrer beurteilten das Preisniveau, die Reparatur- und Personalqualität sowie die Mobilitätsleistungen der Kfz-Betriebe. „Die Freien bekommen zwar nicht in allen Punkten bessere Noten. Bei der Bewertung der Serviceberatung liegen sie jedoch signifikant vor den Fabrikatsbetrieben“, betont Accenture-Geschäftsführer Andreas Baier und fügt hinzu: „Die markenunabhängigen Werkstätten kennen ihre Servicekunden und deren Bedürfnisse einfach besser.“

Zudem profitieren die freien Servicebetriebe vom Apothekenimage ihrer Markenkollegen und von der abnehmenden Werkstattloyalität der Autofahrer. „Immer mehr Besitzer von älteren Fahrzeugen kehren den Vertragswerkstätten den Rücken und suchen nach preiswerten Alternativen bei den freien Werkstattsystemen“, weiß Helmut Wolk von der Wolk & Partner Car Consult GmbH. Die Aussage von Wolk belegt der DAT-Report 2007: Wenn die Fahrzeuge zwischen vier und sechs Jahre alt sind, wechselt ein Drittel der Kunden von den Vertragspartnern der Automobilhersteller zu den fabrikatsunabhängigen Betrieben. „Das steigende Fahrzeugalter und die längere Haltedauer der Fahrzeuge forciert die Verlagerung der Wartungs- und Reparaturarbeiten in den freien Markt“, erläutert Eckhard Brandenburg, Senior Consultant bei der BBE Unternehmensberatung und Verfasser der Studie „Akzeptanzuntersuchung Werkstattsysteme“.

Weniger Betriebe

Marktbeobachter wie Baier, Wolk und Brandenburg analysieren aber auch die rückläufige Anzahl der Marktteilnehmer. Waren es im Jahr 2000 noch rund 23 350 markenunabhängige Betriebe so werden es 2010 voraussichtlich nur noch 17 500 sein, prognostiziert die BBE. Ein Grund für den Rückgang sei der ungebrochene Trend zum Hightech-Auto, der von den Servicebetrieben Wartungs- und Reparaturarbeiten auf hohem technischen Niveau erfordere. „Vor allem viele kleine Freie Werkstätten können die hohen Investitionen in teure Diagnosegeräte nicht mehr aufbringen und scheiden aus dem Markt aus“, vermutet Brandenburg. Es sei denn, sie nutzen die Leistungsbausteine einer Systemzentrale und qualifizieren sich für den Multimarkenservice.

Kunden akquirieren

Allein die technische Unterstützung reicht jedoch nicht mehr aus, um die Betriebe fit für die gestiegenen Anforderungen zu machen. „Dass die Werkstätten ihr technisches Know-how verbessern müssen, ist sicherlich absolut überlebensnotwendig. In der Prioritätenliste der Freien Werkstätten und Systemgeber sollte die aktive Marktbearbeitung jedoch an erster Stelle stehen“, rät der BBE-Consultant. Denn ohne die Sicherung der vorhandenen Kunden und die Neukundenakquisition würden die Werkstätten im zunehmenden Verdrängungswettbewerb nicht überleben.

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