Flagship-Stores ersetzen in Metropolen die Handelsbetriebe

Autor / Redakteur: Stefan Grundhoff; press-inform / Stephan Richter

Immer mehr Autofirmen kehren dem Händlermodell den Rücken. Wer „in“ sein will, eröffnet Luxusläden mit ganz eigenen Markenwelten. Die Autos selbst sind kaum mehr als schmückendes Beiwerk.

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(Foto: press-inform)

Die Anschrift L1-20, Parkview Green No.9 Dongdaqiao Road im Chaoyang Distrikt der chinesischen Hauptstadt Peking zeigt, wohin die Reise in den nächsten Jahren gehen dürfte. Hier hat der Elektrohersteller Tesla seinen neuen Verkaufsraum eröffnet. Im direkten Umfeld von Luxusschuhherstellern, Bekleidungsmarken und Szenecafés bieten perfekt gestylte Verkaufsberater Fahrzeuge an – immer ein iPad in der Hand und dem Kunden die Wünsche von den Augen ablesend. Designermöbel und ein Cappuccino gehören ebenso dazu wie Voss-Wasser oder eine digitale Imagebroschüre.

Für den amerikanischen Hersteller von Elektromobilen war China bisher ein großer weißer Fleck. Ostermontag kam Tesla-Firmenchef Elon Musk aus Kalifornien nach Peking und brachte aufmerksamkeitsträchtig das erste Model S für China mit. Feierlich präsentiert in dem schick verglasten Schauraum, der sich in einer Luxusmall im Herzen von Peking befindet.

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Musk und Tesla sind der Konkurrenz diesmal keinen Schritt voraus: Andere Firmen haben die Idee, eine imageträchtige Marke in einem Umfeld, weit abseits einer Automobilmeile zu präsentieren, längst erfolgreich in die Tat umgesetzt. Ähnliche Luxusshops gibt es von Mercedes-AMG, BMW oder dem Mercedes-Tuner Brabus. Auch Citroën trumpft auf und vermarktet seine Modelle in China im gehobenen Ambiente allein unter dem DS-Label.

Autos warten auf der Parketage

Bei AMG im Pekinger Botschaftsviertel sind „sehen“ und „erleben“ nur wenige Meter entfernt. „Wir haben hier eine Fläche von 381 Quadratmetern“, erläutert Verkaufsleiter Conrad Yan, „die Kunden können sich an der großen Powerwall ihren Traumwagen konfigurieren und müssen dann nur mit dem Aufzug nach unten fahren.“ Auf der hell erleuchteten Parketage stehen aktuelle AMG-Modelle für leistungsstarke Spritztouren bereit. Das junge Publikum schaut nicht aufs Geld und gönnt sich gerne eines der leistungsstarken AMG-Modelle von E- oder S-Klasse oder gleich das klassische G-Modell, sagt Yan, dessen Kunden ein Durchschnittsalter zwischen Mitte 20 und Mitte 30 vorweisen. Älter wäre kaum jemand, betont Yan.

Was sich in einem Land wie China immer mehr durchsetzt, gibt es in anderen Ländern längst. Zum Autoeinkauf der anderen Art geht es in den Westen der Zehn-Millionen-Stadt Moskau in die edlen Viertel der Ausfallstraße Rubljowka. Lamborghini verkauft hier seine sündhaft teuren Edelboliden in zwei Boutiquen der Luxusfirma Mercury, die unter anderem auch Hersteller vertritt wie Bentley, Maserati, Ferrari oder Luxus-Modefirmen wie Dolce & Gabbana in Russland.

Der Realität entrückt

Und damit unterscheiden sich die Präsenzen der Hersteller in den weltweiten Metropolen deutlich vom Hauptteil aller Betriebe in Europa: Es sind kleine oder größere Themenwelten, die das Image der Marke und einen entsprechenden Auftritt in den Mittelpunkt stellen. Die Produkte sind eher im Hintergrund, und die Hersteller wollen mit dem Angebot auch keinesfalls jedermann ansprechen.

Vielmehr geht es ihnen um Kunden, denen das Umfeld von Mode und Luxusmarken wichtig ist. Genau das ist der Dreh des neuen Shopsystems. Wer Geld hat und in sein will, kauft sein Auto nicht von irgendeinem Autohändler vor den Toren der Stadt. „Man“ kauft Autos wie schicke Schuhe, ein edles Sakko, das neueste iPhone oder ein Designerkleid – es ist eine andere Welt.

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