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Flipcar will Alternative zu Fahrzeuglogistikern werden

| Autor: Martin Achter

Einzelne Fahrzeuge von A nach B bringen – für Händler ist das immer wieder eine Herausforderung: Das Bremer Start-up Flipcar will in diesem Feld neue Wege gehen und sich Autohäusern als Alternative zu Fahrzeuglogistikern anbieten. Es setzt die Überführungen auf besondere Weise um.

Händler und Privatleute, die von A nach B reisen wollen, für Überführungsfahrten zusammenbringen – das ist die Idee des Start-ups Flipcar.
Händler und Privatleute, die von A nach B reisen wollen, für Überführungsfahrten zusammenbringen – das ist die Idee des Start-ups Flipcar.
(Bild: Achter/»kfz-betrieb«)

Flipcar, ein Start-up aus Bremen, möchte Autohäusern erleichtern, einzelne Fahrzeuge auch über weite Entfernungen kurzfristig von A nach B zu bringen. „Wir sind aktuell in Gesprächen mit einer Reihe größerer Händlergruppen“, sagte Flipcar-Gründer und -Geschäftsführer Sven Gunkel im Gespräch mit „kfz-betrieb“. Flipcar arbeite bereits mit verschiedenen Autovermietern zusammen und wolle jetzt auf den Handel zugehen.

Die Geschäftsidee: Einzelne Logistikfahrten wie Überführungen von Unternehmen aus dem Automobilsektor – zum Beispiel Vermieter, Leasinggesellschaften oder Autohändler – an Privatleute vermitteln. Das soll über eine Smartphone-App geschehen, über die Unternehmen ihre Fahrten anbieten und Nutzer diese buchen können.

Anbieter wie Autohäuser können solche Fahrten per Software-Schnittstelle oder als Datensatz in Dateiform an Flipcar übermitteln. Dort werden die Daten übernommen und in das Buchungssystem eingepflegt.

Händler geben an, von wo nach wo sie ein Fahrzeug überführen möchten; beispielsweise von einem Standort des Unternehmens zu einem anderen. Privatleute können dann die entsprechenden Fahrzeuge buchen, um selbst von A nach B zu gelangen – und damit gleichzeitig die Logistikfahrt des Händlers abzuwickeln.

Eine Fahrt, ein Euro

Gegenüber Privatleuten präsentiert sich Flipcar als Alternative zu Autovermietungen, Mitfahrgelegenheiten und Fernbussen. Das Versprechen: Jede Fahrt kostet den Verbraucher nur einen Euro. Aus Verbrauchersicht ist das preislich auf den ersten Blick natürlich ein interessantes Angebot.

Händlern kostet eine Überführung per Flipcar einen „Betrag im unteren zweistelligen Euro-Bereich“, sagt Gründer Gunkel. „Wir wollen Händlern Überführungen zu überschaubaren Kosten ermöglichen.“

Autohäuser übergeben den privaten Fahrern, nachdem diese sich ausgewiesen haben, die Fahrzeuge mit vollem Tank; Nachtanken bei längeren Strecken erfolgt dann auf Kosten der Verbraucher.

Die Fahrten versichert das Start-up per Vollkasko über ein Versicherungsunternehmen – mit oder ohne Selbstbehalt. Die Fahrer hinterlegen in der Regel auch per Kreditkarte eine Kaution. Sie müssen außerdem mindestens 21 Jahre alt sein und ihre Fahrerlaubnis seit einem Jahr besitzen. Über die Versicherung will Flipcar die Risiken für Partner aus der Automobilwirtschaft absichern.

Flipcar ist im Mai 2019 mit zwei Investoren an den Start gegangen. Zunächst hat das Start-up sein Konzept mit dem Vermieter Buchbinder getestet, der zu Europcar gehört. Auch mit Europcar selbst sowie mit Avis arbeitet Flipcar mittlerweile zusammen. Daneben gibt es nach Aussagen von Gründer Gunkel Gespräche über Kooperationen mit anderen Vermietern, Herstellern, Leasinganbietern und Verkehrsclubs. Auch eine Reihe von Fahrzeugabonnement-Anbietern wolle künftig Autos mit Flipcar überführen.

Konzept in der „Höhle der Löwen“ vorgestellt

Flipcar stellte sein Konzept Ende 2019 auch bei der Firmengründer-Show „Die Höhle der Löwen“ im Fernsehsender Vox vor. Dort konnte sich das Unternehmen allerdings nicht mit Investoren auf eine Beteiligung verständigen.

Nichtsdestotrotz treibt das Start-up seine Pläne voran und will sich jetzt neuen Partnern wie dem Automobilhandel nähern. Dort sieht Gründer Gunkel Potenzial: „Käufer wollen Autos heute immer schneller direkt in Besitz nehmen, der Transport auf fremder Achse ist für den Handel aber nicht immer die schnellste Option. Hier wollen wir eine Lösung anbieten.“

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Über den Autor

 Martin Achter

Martin Achter

Redakteur Management & Handel bei »kfz-betrieb«