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Flüchtlinge im Autohaus: Gekommen, um zu arbeiten

Autor / Redakteur: Julia Mauritz / Julia Mauritz

Drei Jahre sind seit dem großen Flüchtlingszustrom vergangen. Drei Jahre, in denen engagierte Autohäuser schon mehreren Geflohenen eine Ausbildung ermöglicht haben – manche erfolgreich, manche weniger. Ein Erfahrungsbericht.

Der Inder Dhurv Patidar (li.), auf dem Foto mit dem Monteur Andreas Keilwerth (re.), hatte erst kürzlich seine Ausbildung als Kfz-Mechatroniker bei Auto Saxe in Leipzig begonnen, als er abgeschoben wurde. Die Versuche von Geschäftsleiter Michael Franz (Mitte), die Abschiebung zu verhindern, waren erfolglos.
Der Inder Dhurv Patidar (li.), auf dem Foto mit dem Monteur Andreas Keilwerth (re.), hatte erst kürzlich seine Ausbildung als Kfz-Mechatroniker bei Auto Saxe in Leipzig begonnen, als er abgeschoben wurde. Die Versuche von Geschäftsleiter Michael Franz (Mitte), die Abschiebung zu verhindern, waren erfolglos.
(Bild: Auto Saxe)

Dhruv Lablai Patel war das, was man sich unter einem Traum-Azubi vorstellt: Der 24-Jährige hatte ein fertiges Ingenieurstudium in Indien absolviert, er sprach nach wenigen Monaten sehr gut Deutsch und war bestens integriert. „Ein intelligenter, wissbegieriger, fleißiger und loyaler junger Mann“, erinnert sich Michael Franz, Geschäftsleiter von Auto Saxe in Leipzig. Nach einer einjährigen Einstiegsqualifizierung im Betrieb der Wellergruppe hatte er wenige Wochen zuvor seine Ausbildung als Kfz-Mechatroniker begonnen, als an einem späten Vormittag im September 2017 die Polizei in die Werkstatt stürmte. Die Szene hat Michael Franz noch genau vor Augen: „Die Beamten kamen ohne Vorankündigung und behandelten unseren Auszubildenden wie einen Kriminellen. Er durfte sich nur unter Aufsicht umziehen und wurde sofort abtransportiert.“

Zurück blieben geschockte Mitarbeiter, weinende Azubis und ein ratloser Geschäftsleiter. Noch am selben Tag machte sich Michael Franz auf zum Leipziger Amt für Migration und Flüchtlinge und auch zur Ausländerbehörde, um Informationen zu den Hintergründen der Aktion zu erhalten – vorerst ohne Erfolg. Folglich entschied sich der Geschäftsleiter, die Sache öffentlich zu machen. Er wandte sich hilfesuchend an verschiedene Parteien – die Bundestagswahl stand damals unmittelbar bevor –, und die nahmen sich des Vorfalls dankend an. Es wurde eine Pressekonferenz im Autohaus veranstaltet, das mediale Echo war riesig – allein in die „Bild“-Zeitung schaffte es das Autohaus Saxe an drei Tagen hintereinander.