Elektromobilität Förderanträge zur „Ladeinfrastruktur vor Ort“ können jetzt gestellt werden

Autor: Doris Pfaff

Ab sofort können kleine und mittlere Unternehmen Förderanträge für öffentliche Ladestationen bei der BAV stellen. Auch markengebundene Betriebe können davon profitieren, wenn sie mit ihren Ladeangeboten über die Forderungen ihrer Hersteller hinausgehen.

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Wenn Betriebe öffentliche Ladesäulen errichten, müssen sie die Flächen mit entsprechenden Piktogrammen kennzeichnen.
Wenn Betriebe öffentliche Ladesäulen errichten, müssen sie die Flächen mit entsprechenden Piktogrammen kennzeichnen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Mit dem Programm „Ladeinfrastruktur vor Ort“ hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) einen neuen Förderaufruf veröffentlicht. Zuständig ist die Bundesanstalt für Verwaltungsdienstleistungen (BAV)

Die wichtigsten Informationen dazu hat der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) zusammengetragen.

Wer ist förderfähig?

Antragsberechtigt sind kleine und mittelgroße Unternehmen (auch kommunale Unternehmen) nach EU-Definition und Gebietskörperschaften, die den maximalen Fördergesamtbetrag von 200.000 Euro (De-minimis) innerhalb des laufenden und der letzten zwei Kalenderjahre nicht übersteigen.

Was wird gefördert und in welcher Höhe?

  • Kauf und Installation von Normalladeinfrastruktur (AC & DC bis 22 kW) mit bis zu 80 Prozent der Gesamtkosten, max. 4.000 Euro pro Ladepunkt
  • Kauf und Installation von Schnellladeinfrastruktur (DC) von 22 kW bis maximal 50 kW bis zu 80 Prozent der Gesamtkosten, max. 16.000 Euro pro Ladepunkt
  • Herstellung, Erweiterung oder Aufrüstung des Netzanschlusses ...
  • … im Niederspannungsnetz in Höhe von 80 Prozent der Gesamtkosten, max. 10.000 Euro Förderung pro Standort.
  • … im Mittelspannungsnetz in Höhe von 80 Prozent der Gesamtkosten, max. 100.000 Euro Förderung pro Standort.

Was sind die wichtigsten Förderbedingungen?

Die Förderbeträge beziehen sich auf eine öffentliche Ladeinfrastruktur, die an allen Tagen rund um die Uhr zugänglich sein muss. Ist der Ladepunkt nur beschränkt zugänglich (Öffnungszeiten mindestens zwölf Stunden an sechs Tagen), reduziert sich die Förderung um 50 Prozent.

  • 1. Die geplanten Ladepunkte müssen der Ladesäulenverordnung entsprechen und ein vertragsbasiertes Laden, Roaming und Ad-hoc-Laden ermöglichen.
  • 2. Verpflichtend ist Strom aus erneuerbaren Energien: Entweder über einen entsprechenden Ökostromvertrag oder aus Eigenerzeugung vor Ort.
  • 3. Die Mindestbetriebsdauer beträgt sechs Jahre, wobei der Betrieb auch durch Dritte erfolgen darf. Der Zuwendungsempfänger muss über den gesamten Zeitraum Eigentümer bleiben. Während der Mindestbetriebsdauer muss der Eigentümer halbjährlich einen Bericht an die NOW GmbH über die Online-Plattform OBELIS übermitteln.
  • 4. Die Stellplätze müssen durch entsprechende Bodenmarkierungen gekennzeichnet werden.

Die Förderung erfolgt über die BAV und kann seit dem 12. April 2021 über das elektronische Antragsportal Easy-Online beantragt werden. Innerhalb von zwei Wochen nach der elektronischen Antragstellung müssen die Unterlagen zusätzlich in schriftlicher Form und rechtsverbindlich unterschrieben eingereicht werden. Der Förderaufruf endet mit Ausschöpfung der Bundesmittel (300 Mio. Euro) oder spätestens zum 31.12.2021. Die beantragte Maßnahme muss bis zum 31.12.2022 realisiert werden.

Die NOW GmbH bietet am 15. April um 10 Uhr ein Online-Seminar zum aktuellen Förderaufruf an, in dem die Inhalte des neuen Förderaufrufs detailliert präsentiert und Fragen beantwortet werden. Interessenten können sich hier registrieren.

Subsidiaritätsprinzip: Besonderheiten für fabrikatsgebundene Betriebe

Anträge von fabrikatsgebundenen Autohäusern und Werkstätten, die gemäß Händler-/Werkstättenvertrag zur Errichtung von Ladeinfrastruktur verpflichtet sind, wurden in der Vergangenheit mit Verweis auf eine Verletzung des Subsidiaritätsprinzips abgelehnt. Wenn die Herstellervorgaben jedoch weniger streng sind als die Förderkriterien (z. B. höhere Zugänglichkeit oder Leistungsstärke der Ladepunkte), bestehen laut ZDK trotzdem Chancen auf Fördermittel. Die BAV prüft den Förderanspruch dann noch einmal im Einzelfall. Der ZDK stellt Mitgliedern eine Argumentationsvorlage zur Verfügung, die bei der BAV eingereicht werden kann.

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Über den Autor

 Doris Pfaff

Doris Pfaff

Redakteurin bei »kfz-betrieb«, Ressort Verbände & Politik