Ford entwickelt Elektroauto in Köln – auf VW-Basis

VW und Ford erweitern ihre Zusammenarbeit

| Autor: Christoph Seyerlein

Volkswagen-Chef Herbert Diess (li.) und Ford-CEO Jim Hackett (re.) informierten am Freitag über die Ausweitung der Partnerschaft beider Unternehmen.
Volkswagen-Chef Herbert Diess (li.) und Ford-CEO Jim Hackett (re.) informierten am Freitag über die Ausweitung der Partnerschaft beider Unternehmen. (Bild: Ford)

Volkswagen und Ford weiten ihre strategische Kooperation wie erwartet aus. Die Autobauer gaben am Freitag in New York bekannt, künftig auch bei der Elektrifizierung und dem autonomen Fahren zusammenarbeiten zu wollen. Bislang hatten beide Parteien bereits im Nutzfahrzeugbereich gemeinsame Sache gemacht. Eine Fusion soll das aber nicht bedeuten. „Ford und Volkswagen bleiben weiter unabhängige Wettbewerber“, sagte Ford-Chef Jim Hackett.

Bei der Elektrifizierung kaufen sich die Amerikaner Know-how von Volkswagen ein. Konkret will Ford den Modularen Elektrifizierungs-Baukasten (MEB) der Wolfsburger als Basis für mindestens ein E-Auto nutzen. Jenes Modell wird in Köln-Merkenich entwickelt, ist für den europäischen Markt geplant und soll ab 2023 vom Band laufen. Auch ein zweites Auto auf MEB-Basis sei denkbar. Ford will innerhalb von sechs Jahren mehr als 600.000 E-Autos in Europa verkaufen, die auf dem VW-Baukasten aufsetzen. Weltweit investiert der Konzern 11,5 Milliarden Dollar in die Elektrifizierung, ein Teil davon fließt in die Nutzung des MEB.

Volkswagen-Chef Herbert Diess begrüßte das Investment des US-Autobauers. „In Zukunft werden immer mehr Kunden und auch die Umwelt von der wegweisenden E-Fahrzeug-Architektur des Volkswagen-Konzerns profitieren“, sagte er. Der MEB senke die Entwicklungskosten für Elektroautos und erlaube so eine „noch umfangreichere und schnellere weltweite Verbreitung.“ Das verbessere auch die Positionierung Volkswagens und Fords „durch eine bessere Kapitaleffizienz, weiteres Wachstum und gesteigerte Wettbewerbsfähigkeit“, so Diess.

Volkswagen steckt Milliarden in autonomes Fahren

Gleichzeitig gaben beide Hersteller bekannt, dass Volkswagen wie erwartet groß bei der Ford-Tochter Argo AI einsteigt. Die Wolfsburger investieren 2,6 Milliarden US-Dollar in den Spezialisten für autonome Systeme. Darin ist enthalten, dass VW seine eigene Tochtergesellschaft Autonomous Intelligent Driving (AID) mit einem Wert von 1,6 Milliarden Dollar einbringt. Künftig werden Volkswagen und Ford gleiche Anteile an Argo AI halten. Der Wert des Unternehmens steigt auf sieben Milliarden Dollar.

Ziel jener Zusammenarbeit ist es, das Self-Driving System (SDS) von Argo AI als erste Technologie für autonomes Fahren auf den Markt zu bringen, die gleichermaßen in Europa und den USA zum Einsatz kommen soll. Diess bezeichnete das SDS als „weltbeste Plattform für autonomes Fahren“, sie soll aus seiner Sicht „der globale Standard“ in jenem Bereich werden. Die Technologie ermöglicht vollautomatisiertes Fahren nach Level 4.

Aktuell testet Argo AI sein System in fünf US-Städten. Ford und VW wollen es perspektivisch unabhängig voneinander in Fahrzeugen nutzen und damit jeweils die eigenen Mobilitätsdienste ausbauen. Insbesondere im Ridesharing und bei Lieferdiensten könnte die Technik künftig zum Einsatz kommen.

Ford entwickelt mittelgroße Pick-ups für VW mit

Auch zur Nutzfahrzeug-Kooperation der beiden Hersteller gab es Neuigkeiten. Ford entwickelt demnach mittelgroße Pick-ups für beide Unternehmen. Sie sollen ab 2022 in Europa, Afrika, dem Mittleren Osten, Asien und Südamerika angeboten werden. Außerdem will Ford ebenfalls für beide Unternehmen ab 2022 größere Transporter für den europäischen Markt entwickeln. Volkswagen wird seinerseits einen City Van für beide Parteien in Europa einbringen.

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