Elektromobilität Ford E-Transit: Erst Flottentest, dann Verkaufsstart

Autor / Redakteur: Andreas Grimm / Andreas Grimm

Mit dem elektrifizierten Transit will sich Marktführer Ford scheinbar keine Blöße geben. Das Modell ist eigentlich verfügbar, wird aber zunächst nur an ausgewählte Kunden geliefert. Ford will damit Praxis-Erfahrungen sammeln. Zu lange sollte der Hersteller nicht mehr warten.

Der Ford E-Transit soll die Betriebskosten der Unternehmen deutlich reduzieren. Mit einer Reichweite von 350 Kilometern ist er für die meisten Anwendungen wohl alltagstauglich.
Der Ford E-Transit soll die Betriebskosten der Unternehmen deutlich reduzieren. Mit einer Reichweite von 350 Kilometern ist er für die meisten Anwendungen wohl alltagstauglich.
(Bild: Ford)

Die Elektromobilität erhält im Segment der Nutzfahrzeuge prominenten Zuwachs. Ford bringt seinen Transit 2022 in Europa auch als Elektrovariante in den Verkauf. Es ist eine überfällige Reaktion auf den wachsenden Lieferverkehr, der in Zukunft nach Möglichkeit klimaneutral stattfinden soll. Noch ist das E-Segment bei den Nutzfahrzeugen verhalten ausgeprägt, doch die stürmische Entwicklung der elektrifizierten Pkw wird auch im Nutzfahrzeugsegment kommen. Insbesondere wenn die Betriebskosten wirklich sinken wie angekündigt: Laut Ford ist beim E-Transit eine Ersparnis bis 40 Prozent gegenüber den Diesel-Modellen drin.

Verantwortlich für die Ersparnis sind unter anderem die geringeren Wartungskosten. Den Anschaffungspreis für das E-Modell nennt der Hersteller noch nicht, er dürfte aber deutlich über dem der Dieselvarianten liegen. Die Garantie für die Batterie und die elektrischen Hoch-Volt-Komponenten wird voraussichtlich acht Jahre oder 160.000 Kilometern betragen.

Ford E-Transit: Günstigere Betriebskosten ab 2022
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Ford, mit dem Transit im Segment Marktführer in Europa, ist mit dem E-Modell spät dran –VW Crafter, Opel Vivaro und Mercedes E-Sprinter sind schon elektrisch unterwegs. Dennoch lassen sich die Amerikaner Zeit und rollen den in der Türkei produzierten Elektro-Transporter erst Anfang 2022 auf den Markt. Man will die Zeit nutzen, um mit einer Testflotte bei ausgewählten Kunden zusätzliche Erfahrungen zu sammeln, die dann in die endgültige Serienversion einfließen sollen.

Für das Unternehmen ist der elektrifizierte Transit ein weiterer Schritt auf dem Weg, bis zum Jahr 2050 CO2-neutral zu werden. Für die elektrische Version spendierten die Entwickler dem Fahrzeug eine neue Hinterachse mit unabhängiger Radaufhängung, die die aktuelle Konstruktion mit Blattfedern ablöst. Die 67 Kilowattstunden starken Lithiumionen-Akkus wurden im Unterboden platziert, so dass die neue Antriebsform den Laderaum nicht negativ beeinflusst.

Als Antrieb wählten die Techniker einen 269 PS (198 kW) starken Elektromotor, der ein Drehmoment von 430 Newtonmetern an die Hinterachse bringt. Ein Allradantrieb ist nicht geplant. Ford verspricht eine Reichweite von 350 Kilometern. Damit ist der E-Transit nach Angaben des Unternehmens der leistungsstärkste Vertreter in seinem Segment. Eine preiswertere Version mit einer schwächeren Batterie ist nicht vorgesehen.

Mobile Stromquelle für Handwerker

Erstmals in Europa besitzt ein Transporter zudem eine mobile 2,3 kWh starke Stromquelle, die Handwerker bei ihren Einsätzen nutzen können. Über das Display neben dem Lenkrad können sie dabei verfolgen, wieviel Energie sie dabei verbrauchen. Und die Gewerbetreibenden können weiterhin flexibel den für sie passenden Transit wählen: drei Radstände, zwei Höhen und drei Aufbauvarianten sind verfügbar.

Auch der Fahrer hat die Wahl: Ihm stehen drei Fahreinstellungen (normal, rutschig und eco) zur Verfügung, außerdem kann er über einen Wählschalter die Rekuperation einstellen, so dass sich der Transit mit einem Pedal fahren lässt und zusätzliche Reichweite gewonnen wird. Um das Klima an Bord zu verbessern, lässt sich der Transit während des Ladevorgangs je nach Witterungsverhältnissen vortemperieren oder kühlen.

Verschiedene Ladeoptionen

Für die unvermeidliche Sitzung an der Ladesäule bietet Ford seinen Kunden verschiedene Lösungen an. Über ein Onboard-Ladegerät mit einer Kapazität von 11,3 kW lässt sich die Batterie über Nacht in 8,2 Stunden vollständig aufladen. Zusätzlich stehen noch Wallbox-Lösungen in der Optionsliste, und die Schnellladefunktion mit Gleichstrom (bis 115 kW) packt in 34 Minuten bis zu 80 Prozent Energie in die Batterie.

Dank der platzsparend platzierten Batterie steht auch beim E-Transit ein Laderaum von bis 15,1 Kubikmetern zur Verfügung, der dem aktuellen Wert der Kastenwagenversion entspricht. Die europäischen Kunden können aus insgesamt 25 Konfigurationsmöglichkeiten wählen, und dabei reicht die Palette vom Kastenwagen, über den Kastenwagen mit Doppelkabine bis zum Fahrgestell. Zudem können die Einbauten aus einem Diesel-Transit problemlos in die Elektrovariante übernommen werden. Die Nutzlast soll beim Kastenwagen bis zu 1,6 Tonnen und bei den Fahrgestellen bis zu 1,9 Tonnen erreichen. Das maximale zulässige Gesamtgewicht liegt bei 4,25 Tonnen.

Sync hält Einzug ins Nutzfahrzeugsegment

Der elektrische Transit kommt als erstes europäisches Nutzfahrzeug der Marke mit der vierten Generation des sprachgesteuerten Kommunikations- und Unterhaltungssystem Sync auf den Markt, das über einen 12-Zoll-Monitor gesteuert wird. Außerdem wird der Transit Assistenzsysteme wie einen intelligenten Tempomat mit Verkehrsschilderkennung und einen Pre-Collision-Assist sowie den Toter-Winkel-Assistenten plus vier Kameras besitzen, die eine 360-Grad-Rundumsicht ermöglichen. Über Preise schweigen sich die Ford-Verantwortlichen noch aus. Bis zum Serienstart in knappe zwei Jahren bleibt noch viel Zeit zum Rechnen.

Der elektrische Transit ist Teil der Elektrifizierungsoffensive, die sich Ford insgesamt 11,5 Milliarden Dollar kosten lässt. Der neue Mustang Mach-E steht Anfang kommenden Jahres bei den europäischen Händlern, und in den USA kommt Mitte 2022 der vollelektrische Pick-up F-150 auf den Markt.

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