Ford Focus: Der mit dem Golf tanzt

Autor / Redakteur: Benjamin Bessinger/SP-X / Gerd Steiler

Nach VW und Opel erneuert jetzt auch Ford seinen Bestseller in der Kompaktklasse: Ab März gibt es einen frischen Focus. Zwar zielen die Kölner nicht auf den ersten Platz der Zulassungen, doch zumindest bei Handling und Fahrspaß soll dem Neuen keiner etwas vormachen.

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Eine Landstraße im Hinterland der Cote d’Azur. Eine Kurve folgt der nächsten, und in immer engeren Serpentinen schraubt sich die Route Nationale hinauf in die Seealpen. Keine Viertelstunde, schon fühlt man sich wie Rauno Aaltonen, als er im Mini die legendäre Rallye Monte Carlo gewann. Die Reifen quietschen, der Motor orgelt, der Puls rast und immer schneller jagt der Testwagen durch das Karussell mit Kiefernduft.

Dabei geht es hier gar nicht um einen Sportwagen und auch nicht um eine potente Rakete für die Westentasche. Das ist vielmehr die erste Ausfahrt mit einem Auto, das verglichen mit dem Glanz von Nizza und Cannes in etwa so glamourös ist wie Warnemünde oder Sankt Peter Ording: dem neuen Ford Focus.

Fahrdynamik ist „Paradedisziplin“

Doch die Kölner haben das hügelige Hinterland nicht umsonst für die Jungfernfahrt gewählt. Denn wenn der Hoffnungsträger nach einem Jahr des Vorgeplänkels im März endlich gegen den neuen Opel Astra und den vor zwei Jahren gründlich überholten VW Golf an den Start geht, dann ist es vor allem Fahrdynamik, mit der er punkten soll. „Das war schon immer die Paradedisziplin des Focus“, sagt Chefingenieur Helmut Reder, „und jetzt haben wir noch einmal gründlich nachgelegt.“

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So stramm und sportlich wie bei VW allenfalls die GTI-Version schneidet der Focus deshalb durch die Kurven, klebt förmlich am Asphalt und macht jede Landstraße zur Lustmeile. Er ist handlich und agil, tänzelt leichtfüßig auch um enge Radien und vermittelt dem Fahrer jederzeit ein gutes Gefühl für die Straße. „Das verdanken wir unter anderem unserer neuen elektrischen Servolenkung“, sagt Reder und stöhnt noch immer, wenn er an die langwierige Abstimmung denkt.

„Immerhin gibt es 250 Parameter, die wir miteinander in Einklang bringen mussten.“ Dazu gehört auch das so genannte Torque Vectoring System, das serienmäßig eingebaut ist. Es sorgt elektronisch für mehr Drehmoment am äußeren Rad der Antriebsachse und bringt den Focus so noch schneller um die Ecke. Doch nach bald drei Jahren auf dem Prüfstand und Teststrecken in aller Welt kann Reder damit zufrieden sein – und das breite Grinsen im Gesicht der Tester gibt ihm Recht.

Die pure Lebenslust

Während Ford beim Fahrwerk bekannte Qualitäten nur verbessern musste, hatten die Kölner in vielen anderen Disziplinen einen ordentlichen Nachholbedarf. Zum Beispiel beim Design: „Beim Vorgänger haben uns viele Mutlosigkeit vorgeworfen, das wollten wir nicht auf uns sitzen lassen“, sagt Reder und lenkt den Blick auf einen schnittigen Fünftürer, der bei nahezu unverändertem Format deutlich bulliger, kräftiger und kantiger geworden ist. Schon außen eine lebenslustige Alternative zur Blech gewordenen Nüchternheit des Golfs, wird der Innenraum vollends zur Kampfansage an den Konkurrenten aus Wolfsburg.

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