Forscher: Tempolimit löst Verkehrs-Probleme nicht

Autor / Redakteur: dpa / Andreas Grimm

In der Verkehrsfrage ergänzt nun auch noch das Tempolimit die emotional geführte Diskussion. Entscheidend sind für Stauforscher Michael Schreckenberg aber die Fakten. Und die sprechen nicht für ein Tempolimit.

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Stauforscher Michael Schreckenberg sieht keinen Sinn in Tempolimits.
Stauforscher Michael Schreckenberg sieht keinen Sinn in Tempolimits.
(Bild: Uni Duisburg-Essen)

Der Stauforscher Michael Schreckenberg hat sich gegen Tempolimits auf Autobahnen ausgesprochen. „Ein Tempolimit ist nicht zielführend“, sagte der Verkehrsexperte von der Universität Duisburg-Essen der Deutschen Presse-Agentur. „Ich halte geregelte Geschwindigkeitsbeschränkungen für gerechtfertigt, wenn der Verkehr dichter wird – durch variable Anzeigen. Das gibt es bereits auf vielen Strecken.“

Am vergangenen Freitag waren Überlegungen einer von der Regierung eingesetzten Arbeitsgruppe zu mehr Klimaschutz im Verkehr bekannt geworden – darunter ein Tempolimit von 130 Kilometern pro Stunde auf Autobahnen. Es handelt sich allerdings um einen ersten Vorschlag, „mit dem in keiner Weise Vorfestlegungen verbunden sind“, wie es in dem Papier heißt. Dennoch folgte eine heftige Debatte.

Für Schreckenberg ist angesichts der wenigen ausgebauten Strecken, die es noch gibt, und der besseren Fahrzeugtechnik, ein Tempolimit für übertrieben und nicht angemessen. Es gebe drei Argumente, die man für ein Tempolimit anführe, und alle seien zu widerlegen. Punkt eins ist die Vermeidung von Staus durch ein Tempolimit. „Das ist aber Quatsch. Die Entstehung von Staus ist nicht primär davon abhängig, ob ich 120 oder 160 fahre.“

Das zweite Argument ist der geringere CO2-Ausstoß. Doch auch dieses Argument ist nicht haltbar, „da sich die Fahrzeugtechnik und damit der Kraftstoffverbrauch verbessert haben“. Das dritte ist die Verkehrssicherheit. „Aber ob ich mit Tempo 100 oder 160 vor den Baum fahre - ich bin in beiden Fällen tot“, sagt Schreckenbach drastisch.

Schreckenberg: Smartphones sind große Gefahrenquelle

Eines der größten Risiken für die Verkehrssicherheit sei heutzutage die Ablenkung von Fahrern etwa durch Smartphones. „Hier muss die Politik ansetzen, um die Unfallzahlen zu senken.“ Beim Klimaschutz im Verkehr sei das größte Problem, dass der öffentliche Personenverkehr sträflich vernachlässigt werde. Sinnvoll sei ein Nulltarif, der den Staat geschätzt 13 Milliarden Euro pro Jahr koste. „Der öffentliche Verkehr muss gestärkt werden. Nicht nur viele Bahnhöfe sind in einem miserablen Zustand.“

Michael Schreckenbach ist Inhaber des Lehrstuhls für Physik von Transport und Verkehr an der Universität Duisburg-Essen. Seit mehr als 10 Jahren arbeitet er an Modellierung, Simulation und Optimierung von Transportsystemen in großen Netzwerken, besonders Straßenverkehr, und dem Einfluss von menschlichem Verhalten darauf.

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