Frankreich fordert Ablösung von Ghosn bei Renault

Regierung wendet sich von inhaftiertem Manager ab

| Autor: dpa/cs

Ein Termin für den Prozess gegen Carlos Ghosn steht weiterhin nicht fest.
Ein Termin für den Prozess gegen Carlos Ghosn steht weiterhin nicht fest. (Bild: Renault)

Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire fordert eine Nachfolge für den in Japan inhaftierten Auto-Manager Carlos Ghosn bei Renault. „Wir möchten, dass der Aufsichtsrat eine neue nachhaltige Unternehmensführung für Renault bestimmt“, sagte Le Maire am Mittwochabend im Gespräch mit dem Sender LCI. Es müsse eine neue Etappe geben, wenn Ghosn dauerhaft verhindert sei.

Die französische Regierung, mit 15 Prozent größter Renault-Anteilseigner, wolle die Einberufung des Verwaltungsrates in dieser Sache in den nächsten Tagen, so Le Maire. Bislang hatte die Regierung in der Affäre zu Ghosn gehalten.

Am Donnerstag fügte sich dann Renault selbst. Der amtierende Renault-Verwaltungsratschef Philippe Lagayette teilte in Boulogne-Billancourt bei Paris mit, man suche die „beste Lösung für die künftige Führung der Gruppe“, ohne Ghosns Namen konkret zu nennen. Wann der Verwaltungsrat von Renault tagen wird, blieb unklar. Lagayette berichtete, das Top-Gremium werde entscheiden, wenn die nötigen Elemente dafür vorlägen. Die Tageszeitung „Le Figaro“ hatte von einem möglichen Treffen an diesem Sonntag berichtet – der Hersteller bestätigte den Bericht aber nicht. Schon länger wird darüber spekuliert, dass der bisherige Chef des Zulieferers Michelin, Dominique Sénard, den Präsidentenposten im Renault-Verwaltungsrat übernehmen könnte.

Ghosn ist bei Renault offiziell immer noch Konzernchef. Das operative Geschäft führt aber schon seit längerem sein bisheriger Stellvertreter Thierry Bolloré. Letzterer könnte seinen Posten auch in Zukunft behalten. Nissan und Mitsubishi hatten Ghosn nur wenige Tage nach seiner Festnahme als Verwaltungsratschef gefeuert.

Weiter kein Prozesstermin

Ghosns Anwalt bemühte sich unterdessen weiter um ein Ende der seit zwei Monaten andauernden Untersuchungshaft – allerdings vergebens. Ein Gericht in Japan wies den Einspruch gegen die Inhaftierung am Donnerstag ab. Ghosn und seine kürzlich auf Kaution freigelassene frühere rechte Hand bei Nissan, Greg Kelly, waren am 19. November wegen Verstoßes gegen Börsenauflagen festgenommen worden. Bis zu einem Prozess könnten Monate vergehen.

Die Staatsanwaltschaft hatte kürzlich neue Anklage gegen den 64-Jährigen wegen schweren Vertrauensbruchs und Verstoßes gegen Unternehmensgesetze erhoben. Ghosn ist Architekt der Autoallianz aus Renault, Nissan und Mitsubishi. Er hatte Nissan einst vor einer drohenden Pleite gerettet.

Kommentare werden geladen....

Ihr Kommentar zum Thema

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45693113 / Wirtschaft)

Plus-Fachartikel

Toyota: „Ein relevanter Player“

Toyota: „Ein relevanter Player“

Die japanische Marke gibt im Nutzfahrzeuggeschäft Gas. Flottenchef Mario Köhler erklärt, warum der Hersteller eine eigene Nutzfahrzeugmarke ins Leben ruft und im Handel spezialisierte Light-Vehicle-Center installieren will. lesen

Nutzfahrzeugfinanzierung: Den Bedarf genau kennen

Nutzfahrzeugfinanzierung: Den Bedarf genau kennen

Transporterleasing ist nicht gleich Transporterleasing, weiß Christian Schüßler, Commercial Director von Arval Deutschland. Es braucht individuelle Angebote, um die Nutzfahrzeugkunden zu erreichen. lesen