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Frankreich fordert Ablösung von Ghosn bei Renault

| Autor / Redakteur: dpa/cs / Christoph Seyerlein

Bislang stand die französische Regierung in der Affäre um Carlos Ghosn hinter dem in Japan inhaftierten Manager. Nun vollzieht der mit 15 Prozent größte Renault-Anteilseigner eine Kehrtwende und fordert eine neue Führung für den Autobauer.

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Ein Termin für den Prozess gegen Carlos Ghosn steht weiterhin nicht fest.
Ein Termin für den Prozess gegen Carlos Ghosn steht weiterhin nicht fest.
(Bild: Renault)

Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire fordert eine Nachfolge für den in Japan inhaftierten Auto-Manager Carlos Ghosn bei Renault. „Wir möchten, dass der Aufsichtsrat eine neue nachhaltige Unternehmensführung für Renault bestimmt“, sagte Le Maire am Mittwochabend im Gespräch mit dem Sender LCI. Es müsse eine neue Etappe geben, wenn Ghosn dauerhaft verhindert sei.

Die französische Regierung, mit 15 Prozent größter Renault-Anteilseigner, wolle die Einberufung des Verwaltungsrates in dieser Sache in den nächsten Tagen, so Le Maire. Bislang hatte die Regierung in der Affäre zu Ghosn gehalten.

Am Donnerstag fügte sich dann Renault selbst. Der amtierende Renault-Verwaltungsratschef Philippe Lagayette teilte in Boulogne-Billancourt bei Paris mit, man suche die „beste Lösung für die künftige Führung der Gruppe“, ohne Ghosns Namen konkret zu nennen. Wann der Verwaltungsrat von Renault tagen wird, blieb unklar. Lagayette berichtete, das Top-Gremium werde entscheiden, wenn die nötigen Elemente dafür vorlägen. Die Tageszeitung „Le Figaro“ hatte von einem möglichen Treffen an diesem Sonntag berichtet – der Hersteller bestätigte den Bericht aber nicht. Schon länger wird darüber spekuliert, dass der bisherige Chef des Zulieferers Michelin, Dominique Sénard, den Präsidentenposten im Renault-Verwaltungsrat übernehmen könnte.

Ghosn ist bei Renault offiziell immer noch Konzernchef. Das operative Geschäft führt aber schon seit längerem sein bisheriger Stellvertreter Thierry Bolloré. Letzterer könnte seinen Posten auch in Zukunft behalten. Nissan und Mitsubishi hatten Ghosn nur wenige Tage nach seiner Festnahme als Verwaltungsratschef gefeuert.

Weiter kein Prozesstermin

Ghosns Anwalt bemühte sich unterdessen weiter um ein Ende der seit zwei Monaten andauernden Untersuchungshaft – allerdings vergebens. Ein Gericht in Japan wies den Einspruch gegen die Inhaftierung am Donnerstag ab. Ghosn und seine kürzlich auf Kaution freigelassene frühere rechte Hand bei Nissan, Greg Kelly, waren am 19. November wegen Verstoßes gegen Börsenauflagen festgenommen worden. Bis zu einem Prozess könnten Monate vergehen.

Die Staatsanwaltschaft hatte kürzlich neue Anklage gegen den 64-Jährigen wegen schweren Vertrauensbruchs und Verstoßes gegen Unternehmensgesetze erhoben. Ghosn ist Architekt der Autoallianz aus Renault, Nissan und Mitsubishi. Er hatte Nissan einst vor einer drohenden Pleite gerettet.

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