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Frauen reagieren nicht auf Frauenautos

| Autor / Redakteur: Isabella Finsterwalder / Silvia Lulei

Puls Marktforschung hat im Auftrag von Mobile.de 1.000 Autoverkäufer zum Thema „Frauen und Auto“ interviewt. Dabei stellten die Marktforscher fest, dass Frauen stärker zu Finanzierung tendieren.

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( Archiv: Vogel Business Media )

Es scheint, als ob Frauen eine vielversprechende Zielgruppe für Automobilhändler sind. Nicht nur, weil Frauen heute schon 75% der Autokaufentscheidungen beeinflussen, sie prägen künftig auch, wie und zu welchen Konditionen ein Auto gekauft wird. Dr. Konrad Weßner vom Marktforschungsinstitut Puls ist sicher, dass der Hersteller und Händler, der am besten bei Frauen punktet, die Nase vorn haben wird.

Weßners zielsichere Einschätzung basiert auf den Ergebnissen einer aktuellen Befragung, für die Puls im Auftrag von mobile.de 1.000 Autokäufer interviewte. Dabei stellten die Marktforscher fest, dass Frauen stärker zu Finanzierung tendieren. Kaufanreize wie eine kostenlose Haftpflicht- und/oder Vollkaskoversicherung wirkten überdies bei weiblichen Kunden stärker als bei männlichen. Und: Frauen haben auf der Suche nach ihrem Wunschauto das Internet fest in ihr Leben integriert.

Internet spielt wichtige Rolle bei der Fahrzeugsuche

Die aktuelle Befragung hat ergeben, dass für 70 % der Frauen die einfache Handhabung und die Verständlichkeit der Suchfunktionen besonders wichtig sind. Frauen wollen möglichst viele Bilder ihres Wunschautos im Inserat anschauen können. „Bei ihnen“, erklärt mobile.de-Marketingchefin Vanessa Dill, „muss der erste Eindruck einfach stimmen.“ Von den 1,2 Millionen mobile.de-Nutzerinnen inserieren mehr als 20 % selbst Fahrzeuge.

Frauen schätzen vor allem Services, die sie in der Kauf- bzw. Verkaufvorbereitung unterstützen und ihnen das nötige Rüstzeug, wie beispielsweise den Durchschnitts-preisrechner zur Ermittlung des aktuellen Marktpreises, an die Hand geben. Überdies, so Dill, entwickelten Frauen eine weitaus stärkere Bindung zu ihrem Fahrzeug. Das eigene Auto vermittelt 72 % dieser Zielgruppe das Gefühl von Freiheit. 65 % der Frauen geben sogar an, ihr Auto zu lieben. Jede vierte Frau gibt ihrem Auto einen Kosenamen.

Die weibliche Klientel ist an neuen Antriebstechniken und Sicherheitsausstattung interessiert, ergänzt Doreen Schlicht, PR-Chefin bei mobile.de. Daher tendieren sie auch eher zu alternativen Antrieben. Beim Thema Sicherheit verhalten sich Käuferinnen ambivalent. Obwohl dieses Thema für sie Priorität hat, fühlen sie sich zu wenig informiert über ABS, ESP, Brems-assistenz oder Traktionskontrolle. Weßner ist überzeugt, dass derjenige punktet, der Frauen diese technischen Features verständlich erklären und deren Nutzen emotionalisieren kann.

Die besseren Kunden für ein Autohaus

Frauen wollen sich sicher fühlen, erläutert Dr. Karin Müller, Diplompsychologin und Geschäftsführerin der TÜV Rheinland Verkehrs- und Betriebspsychologie GmbH. Im Grunde genommen seien Frauen auch die besseren Kundinnen im Autohaus: Sie hätten, so Müller, eine deutliche höhere Markenbindung als Männer, jedoch bis dato eine nur geringe Bindung an ihren Automobilhändler. Diesen Aspekt müssten die Händler künftig viel stärker berücksichtigen.

Weßner empfiehlt den Händlern, auf Frauen einzugehen, ohne Frauenfreundlichkeit vordergründig zu kommunizieren. Denn das klappt noch nicht so, wie es die Kundinnen erwarten. Frauen kritisieren, dass Reparaturen und erforderliche Werkstattleistungen zu wenig und unverständlich erläutert und Fragen nicht ernst genommen würden. Die Folge: Frauen haben zu wenig Vertrauen in die Werkstätten.

Persönliche Bedürfnisse sind entscheidend

Maria Greger und Luciana Silvares, Designerinnen von Mazda Motor Europe, sind sich einig: „Es gibt kein Frauenauto!“ Vielmehr wird ein Auto entsprechend der persönlichen Lifestylepräferenzen und individuellen Bedürfnissen gekauft – egal ob von einer Frau oder einem Mann. Frauen reagieren nicht auf Frauenautos, weiß Weßner: „Das verachten sie genauso wie Best Agers den Seniorenteller.“

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