Durchstarten 2021 „Freie Händler sind Opportunisten“

Autor: Silvia Lulei

Marco Belfanti ist Präsident des Verbandes E.A.I.V.T., der freie Automobilhändler weltweit vertritt. Er befürchtet, dass Hersteller und Politik immer stärker Einfluss auf den Automobilmarkt nehmen werden. Im Interview verrät er aber auch, warum er sich um echte Unternehmer dennoch keine Sorgen macht.

E.A.I.V.T.-Präsident Marco Belfanti sieht in jedem Wandel eine Chance.
E.A.I.V.T.-Präsident Marco Belfanti sieht in jedem Wandel eine Chance.
(Bild: EAIVT)

Redaktion: Wie würden Sie das allgemeine Stimmungsbild im internationalen Automobilhandel beschreiben?

Marco Belfanti: Sicher gibt es große nationale Unterschiede. So ist der Neuwagenmarkt in Spanien zum Beispiel fast um die Hälfte eingebrochen, aber die meisten anderen Märkte bewegten sich so um minus 20 bis minus 30 Prozent. Das schwierige Jahr 2020 war für die unabhängigen Autohändler und die Mitglieder unserer European Association of Independent Vehicle Traders (E.A.I.V.T.) letztendlich aber gar nicht so schlecht. Der Grund dafür ist, dass viele seit Jahren online arbeiten und dass die Händler auch viele Fahrzeuge am Lager hatten, die nach dem Lockdown im Frühjahr sofort verfügbar waren. Bei den jungen Gebrauchtwagen war es so, dass viele Mietwagenflotten ihre Fahrzeuge nicht oder viel weniger brauchten; so ergaben sich auch da für den freien Handel gute Möglichkeiten.

Welche Herausforderungen haben Sie bei den Unternehmen, die Mitglied im E.A.I.V.T. sind, im Zusammenhang mit der Coronakrise beobachtet?

Die E.A.I.V.T.-Mitglieder sind alle Unternehmer mit großer Erfahrung im Autohandel – und Opportunisten. Wenn sich ein Problem ergibt, suchen sie sofort nach Lösungen und finden diese auch meistens. Wasser, das bergab fließt, findet immer seinen Weg. Auch wenn es oben am Berg noch nicht weiß, welchen Weg es nehmen wird. Hier liegt meiner Meinung nach der größte Unterschied zu vielen Fabrikatshändlern, die verlernt haben, selber zu denken und nur noch nach den Vorgaben der Hersteller und Importeure funktionieren. Ich kann das ganz gut beurteilen; denn ich war selbst 20 Jahre lang Fabrikatshändler, und viele meiner geschätzten Händlerkollegen sind es immer noch. Die Denk- und Arbeitsweise von Marken- und freien Händlern ist sehr verschieden.

Über den Autor

 Silvia Lulei

Silvia Lulei

Fachredakteurin Kfz-Gewerbe, Vogel Communications Group