Führende Motorentechniker appellieren an die Vernunft

„Wer auf den Verbrenner verzichtet, schadet der Umwelt und dem Klima“

| Autor: Jens Meiners

(Bild: Tom Kirkpatrick/BMW)

Der Verbrennungsmotor steht unter Beschuss – die öffentliche Diskussion wird allerdings zunehmend von falschen, emotionalen und eindeutig interessengeleiteten Aussagen geprägt. Über die Wissenschaftliche Gesellschaft für Kraftfahrzeug- und Motorentechnik (WKM) melden sich jetzt 25 Top-Experten zu Wort. Die Wissenschaftler stellen in ihrem Positionspapier drei Thesen auf, die wie folgt verkürzt werden können:

  • Erstens kann der Verbrennungsmotor als Motor von Mobilität und Verkehr durch die E-Mobilität wohl ergänzt, nicht aber ersetzt werden.
  • Zweitens ist das Thema Emissionen mit den aktuellen und kommenden Technologien vollständig gelöst; der Verbrennungsmotor kann in Zukunft völlig umweltneutral betrieben werden.
  • Und drittens erinnern die Wissenschaftler an die einzigartige Eigenschaft des Verbrennungsmotors, die unterschiedlichen Kraftstoffe – mit hervorragenden Lagerungseigenschaften – flexibel und effizient nutzen zu können.

Die drei Kernthesen werden durch zehn Erläuterungen ergänzt, mit denen auf die Themen Stickoxid und Feinstaub, die kommende Zertifizierung mit Realemissionen (RDE) und auch die illegale Motorsteuerung, wie sie von Volkswagen eingesetzt wurde, eingegangen wird. Die kommenden RDE-Messungen werden ausdrücklich begrüßt; es geht den Professoren keineswegs um die Rechtfertigung irgendwelcher Schummeleien. Betont wird aber auch: Die Diskrepanz zwischen Zertifizierungswert und Realemission ist seit 20 Jahren bekannt. Der Missstand sei mit der RDE-Zertifizierung ab September 2017 endgültig behoben. Gleichzeitig seien die Themen Stickoxid und Feinstaub sowohl beim Diesel als auch beim Ottomotor vollständig gelöst – und zwar auch im RDE-Zyklus.

Die Zukunftsfähigkeit des Verbrennungsmotors

Die Verbotsdiskussion um den Verbrennungsmotor müsse deshalb endlich aufhören. Die Berichterstattung über Diesel- und Ottomotoren sei teilweise unredlich und von falschen Aussagen geprägt. Quintessenz: Wer auf den Verbrenner verzichtet, schadet der Umwelt und dem Klima. Den Professoren geht es um die Zukunftsfähigkeit des Verbrennungsmotors. Doch die Politik beschäftige sich weiterhin mit den bereits im Markt befindlichen Euro-5-Autos sowie den Euro-6-Modellen, die noch nicht gemäß RDE zertifiziert seien.

Hier stehen allerdings Nachrüstlösungen im Raum. Nach Ansicht von Experten ist eine Nachrüstung von Euro-5-Autos mit der SCR-Technik allerdings kaum sinnvoll; die Entwicklung entsprechender Systeme wäre nicht nur exorbitant teuer, sondern würde auch mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Bis dahin sind die entsprechenden Auto nur noch eine Minderheit im Markt. Software-Lösungen sind zwar denkbar, doch es gilt dabei, die Wirksamkeit der Partikelfilter im Auge zu behalten.

Möglicherweise tragen die Argumente der Experten dazu bei, die Diskussion um den Verbrennungsmotor zu versachlichen. Das letzte Wort ist noch lange nicht gesprochen.

Die Ausarbeitung der WKM finden Sie auf der Website der Organisation zum Download.

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