Druckluftwerkzeuge Fünf Tipps für die systematische Fehlersuche

Autor Jakob Schreiner

Druckluftwerkzeuge sind nur dann wirklich nützlich, wenn sie langfristig ihre volle Leistung bringen. Werkzeugexperte Rodcraft gibt einige Tipps, wie man einen Leistungsverlust diagnostiziert und der Fehlerursache auf die Schliche kommt.

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Oft ist das Druckluftsystem mit Kompressor, Leitungen und Dichtungen für eine nicht einwandfrei Funktion von Schlagschrauber und Co. verantwortlich.
Oft ist das Druckluftsystem mit Kompressor, Leitungen und Dichtungen für eine nicht einwandfrei Funktion von Schlagschrauber und Co. verantwortlich.
(Bild: Rodcraft)

Die Fehlersuche beschränkt sich in einer Werkstatt nicht zwangsläufig auf das Fahrzeug auf der Bühne. Auch wenn der Schlagschrauber, die Luftratsche oder der Exzenterschleifer streikt oder nicht wie gewünscht funktioniert, muss sich der Mechaniker auf die Suche nach der Fehlerursache begeben.

Der Druckluftwerkzeug-Spezialist Rodcraft hat fünf Tipps parat, wie man die Suche systematisch betreibt. Dabei gilt grundsätzlich, dass der Fehler nicht ausschließlich beim Werkzeug selbst zu suchen ist, sondern das ganze Druckkluftsystem einwandfrei funktionieren muss. Auch der passende Wartungsstand spielt eine entscheidende Rolle, möchte man Fehler vermeiden, wissen die Experten.

Prüfung der Druckluftversorgung

In vielen Fällen ist die Druckluftversorgung das Problem, wenn Werkzeuge nicht das tun, wofür sie angeschafft wurden. Eine fehlerhafte Druckversorgung kann unterschiedliche Gründe haben: Als Erstes sollte man den Kompressor kontrollieren und prüfen, ob dieser ausreichend Druck aufbauen kann. Dabei reicht ein Blick auf das Manometer nicht aus. Denn beispielsweise kann das Fördervolumen oder das Kesselvolumen des Kompressors zu gering sein, wenn eine Werkstatt diverse Druckluftwerkzeuge gleichzeitig betreibt. Dadurch wird dann jedes einzelne Werkzeug mit zu wenig Druckluft versorgt.

Eine simple Addition der Luftmengen, die die angeschlossenen Werkzeuge benötigen, kann schnell Aufschluss bringen. Darüber hinaus verursachen zu geringe Leitungsquerschnitte oder zu lange Leitungen schnell spürbare Druckluftprobleme. Denn selbst wenn genügend Druckluft produziert wird, können geringe Leitungsquerschnitte den Luftstrom reduzieren. Ebenso kann der natürliche Druckabfall pro Leitungsmeter Ursache für das Problem sein. Man sollte daher mit einem Luftmengenmessgerät die tatsächlichen Luftmengen in den Leitungen messen und mit der benötigten Luftmenge der Werkzeuge vergleichen.

Druckluftverlust durch defekte Leitungen

Defekte Leitungen und Schläuche sind häufig Ursache für ungenügenden Druck und spürbare Leistungseinbußen von Werkzeugen. Vielfach ist eine Leckage deutlich hörbar, wenn Luft aus einer Leitungsverbindung oder aus einem Leitungsriss strömt. Insbesondere die flexiblen Schläuche und die Steckverbindungen zwischen Werkzeug und fest installierter Leitung sind hohen mechanischen Belastungen ausgesetzt. Sollte ein Leck nicht hörbar sein, lohnt es sich, unterschiedliche Leitungs- oder Schlauchabschnitte separat mit einem Manometer auf einen Druckverlust hin zu prüfen.

Saubere Luft für ein langes Leben

Ein Druckluftwerkzeug kann seine volle Leistung und Lebensdauer nur dann erreichen, wenn es unter möglichst optimalen Bedingungen betrieben wird. Eine zentrale Bedeutung hat hier die Druckluftaufbereitung mit Filter, Wasserabscheider und Druckluft-Öler. Diverse Werkzeuge benötigen einen Ölanteil in der Druckluft, um durch die Schmierung auch langfristig ihre volle Leistung zu liefern. Andere sind auf besonders trockene Luft angewiesen.

Was aber kein Werkzeug auf Dauer schadlos erträgt, sind Schmutzpartikel oder Kondenswasser aus dem Kompressor in der Druckluft. Schmutz und Staub führen zu einem hohen Verschleiß der präzisen Mechanik, und Feuchtigkeit kann Korrosionsschäden im Druckluftmotor verursachen. Darum ist eine Wartungseinheit in der Druckluftzufuhr ein Muss für eine lange, hohe Werkzeug-Performance.

Wenn der O-Ring ein U-Ring ist

Mechanische Defekte an Verschleißteilen im Druckluftsystem sind normal. Davon betroffen sind insbesondere Dichtungen und O-Ringe. Gerade an Kupplungen und Steckverbindungen schlagen Verschleiß und Alterungsprozess besonders gerne zu. Ein verschlissener oder sogar gerissener O-Ring findet sich meist an beweglichen Teilen oder an oft genutzten Steckverbindungen. Dieser Defekt ist durch ausströmende Luft deutlich hörbar und schnell mit einer neuen Dichtung behoben. Übrigens haben Kupplungen mit O-Ringen aus Nitril eine deutlich höhere Lebensdauer als mit Standarddichtungen.

Streik des Werkzeugs

Ist sichergestellt, dass die Druckluftversorgung in Ordnung ist, bleibt bei einem Leistungsverlust nur noch die Diagnose des Druckluftwerkzeugs. Auch hier gilt es, systematisch vorzugehen. Im ersten Schritt sollte geprüft werden, ob es genügend Öl bekommt: Eine Wartungseinheit versorgt den Druckluftmotor kontinuierlich mit der benötigten Menge an Öl und schützt diesen vor Verschleiß und Korrosion. Das oft empfohlene tägliche Tröpfchen Öl in den Druckluftanschluss ist übrigens eine gefährliche Variante, da die Druckluft bei häufigem Gebrauch des Werkzeugs die minimale Ölmenge im Nu wieder ausgeblasen hat.

Ebenso ist es wichtig, gemäß Wartungsplan diverse Teile regelmäßig zu fetten, beispielsweise Schlagwerke. Können diese Fehlerquellen inklusive Undichtigkeiten am Druckluftanschluss des Werkzeugs ausgeschlossen werden, lassen äußere Beschädigungen eventuell auf einen Defekt der inneren Mechanik schließen. Das Zerlegen und Warten des Werkzeugs ist dann unumgänglich. Hier sollte ein autorisierter Servicebetrieb für schnelle Hilfe sorgen.

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