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Für 620 Millionen Euro: VW schließt 200.000 Diesel-Vergleiche

Autor: Christoph Seyerlein

Mit rund 200.000 deutschen Kunden hat sich Volkswagen in der Diesel-Affäre auf einen Vergleich geeinigt. Das kostet den Konzern etwa 620 Millionen Euro. Diese Summe dürfte in den kommenden Wochen allerdings noch steigen.

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Rund 21.000 Vergleichsgesuche sind bei VW noch in der Prüfung.
Rund 21.000 Vergleichsgesuche sind bei VW noch in der Prüfung.
(Bild: Volkswagen)

Mit rund 200.000 von der Diesel-Affäre betroffenen Kunden schließt Volkswagen am heutigen Montag einen Vergleich. Das gab der Hersteller bekannt. Die Konditionen werden sich am mit dem Verbraucherschützer-Verband Vzbv ausgehandelten Rahmen orientieren. Damit zahlt VW vorerst rund 620 Millionen Euro Entschädigung. Das Geld soll ab dem 5. Mai fließen, je nach Fall erhalten Betroffene zwischen 1.350 und 6.250 Euro. Ursprünglich hatten die Wolfsburger bis zu 830 Millionen Euro eingeplant, um die Rechtsstreitigkeiten beizulegen.

Die jetzt ausgezahlte Summe dürfte allerdings noch steigen: Etwa 21.000 Fälle sind darüber hinaus noch in Prüfung. Jene Kunden will VW benachrichtigen, sobald ein Ergebnis vorliegt.

In den Tagen nach Ostern habe es laut Vzbv jedoch Beschwerden über Abwicklungsprobleme gegeben. Die Ombudsstelle habe ihre Arbeit aufgenommen und werde zügig über die besonders zu prüfenden Fälle entscheiden, hieß es. Eine erste Zwischenbilanz dazu soll es in den kommenden Wochen geben. Neuregistrierungen und das Nachreichen fehlender Unterlagen seien wegen des großes Interesses nun bis zum 30. April möglich.

VW sieht „faires Vergleichsangebot“ bestätigt

Hiltrud Werner, Rechtsvorständin des Autobauers, teilte am Montag mit: „Die hohe Zahl der heute geschlossenen Vergleiche zeigt, dass das Vergleichsangebot von unseren Kundinnen und Kunden als fair empfunden wurde und der Weg zum individuellen Vergleichsabschluss gut funktioniert hat.“

Das Onlineportal bleibe zudem noch verfügbar, um auch den vielen Tausenden einen Vergleich zu ermöglichen, die sich erst kurz vor dem Stichtag für den Vergleich entschieden hätten. „Wir wollen, dass alle, die vergleichsberechtigt sind, den Vergleich auch abschließen können“, so Werner. VW erwarte, dass sich die Vergleichszahl noch erhöhe, ergänzte Chefjustiziar Manfred Döss.

Vzbv-Chef Klaus Müller zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis: „Es ist das erste Mal, dass Verbraucher sich in einem Massenverfahren dieser Größenordnung gemeinsam gegen einen Betrug zur Wehr setzen konnten.“

Der Vzbv sprach sich allerdings nach den Erfahrungen mit dem VW-Musterprozess für eine Reform der erstmals genutzten Verbraucherklage aus. Das Instrument müsse einfacher und verbraucherfreundlicher werden. Zwar sei der Vergleich ein Erfolg. „Gleichzeitig bleiben Hunderttausende Verbraucher außen vor“, hieß es. Müller hatte VW aufgefordert, sein Angebot auf alle Kunden auszuweiten. Dem folgte der Autobauer aber nicht.

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Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«