16. Berliner Automobildialog Für die individuelle Mobilität braucht es ein Miteinander

Von Nick Luhmann

Neue Konzepte und Ideen für individuelle Mobilität auf der einen und die harte Realität noch mangelnder Alternativen zum Pkw auf der anderen Seite: Zwischen diesen Polen bewegte sich die Diskussionen beim 16. Berliner Automobildialog des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK).

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Diskutierten in Berlin über die individuelle Mobilität (v.l.): Michael Reink, Christian Funke, Tom Drechsler und Dr. Christoph Konrad.
Diskutierten in Berlin über die individuelle Mobilität (v.l.): Michael Reink, Christian Funke, Tom Drechsler und Dr. Christoph Konrad.
(Bild: ProMotor)

Eingeladen zum Automobildialog, das am Donnerstag im DBB-Forum der Hauptstadt stattfand, hatten Christoph Konrad und Alex Jan Erdmann vom ZDK-Hauptstadtbüro. In seinem Grußwort per Live-Schalte betonte Oliver Luksic, Bundestagsabgeordneter und Chefverhandler Verkehrspolitik der FDP bei den Koalitionsgesprächen, die Bedeutung des Automobils als ein Stück persönlicher Freiheit und als wichtigen Wirtschaftsfaktor.

Besonders im urbanen Raum sei es unabdingbar, ein Miteinander der verschiedenen Verkehrsträger durch digitale Vernetzung und intermodale Abstimmung zu organisieren. Nicht zuletzt die Corona-Pandemie habe gezeigt, welch hohen Stellenwert die individuelle Mobilität für die Menschen habe. Die FDP lehne eine Politik ab, die auf die Verdrängung des Automobils setze.

„Auto Bild“-Chefredakteur Tom Drechsler sagte, er sehe eine Verkehrswende in Deutschland noch lange nicht. „Wir lassen alles auf die vorhandenen Straßen, und es funktioniert nicht.“ Es gebe neue Verkehrsmittel, etwa E-Scooter, es würden Pop-up-Radwege vom Straßenraum abgeknapst, und gleichzeitig gebe es den Trend, außerhalb der Städte zu wohnen.

Das Auto ist oftmals alternativlos

Das Pendeln sei aber vielfach nur mit dem Auto möglich, weil eine Anbindung der Wohngebiete durch den öffentlichen Personennahverkehr nicht mitgedacht werde. Und schließlich seien Berufstätige, etwa im Schichtbetrieb, meistens auf das Auto angewiesen, weil es keine Alternative gebe. Ein Ziel müsse daher sein, ein funktionierendes Miteinander aller Verkehrsteilnehmer möglich zu machen.

Für den Einzelhandel betonte Michael Reink vom Handelsverband Deutschland, dass es möglich sein müsse, die Innenstädte mit allen Verkehrsmitteln zu erreichen. Das gelte sowohl für den Liefer- als auch für den Kundenverkehr. Schlechte Erreichbarkeit könne Innenstadtbesuche verhindern.

Denn das Bummeln und Einkaufen sei der Hauptantrieb für die Kundinnen und Kunden, in die Städte zu fahren. Das Auto gehöre unverzichtbar dazu. Das sei gerade nach den Zeiten der Corona-Lockdowns, die etwa der Leitbranche Textil im Jahr 2020 Umsatzrückgänge von 23 Prozent beschert hätten, für die Einzelhändler besonders wichtig, von denen viele angeschlagen seien.

Christian Funke, Geschäftsführer von Pro Mobilität e.V., wies auf eine Hauptaufgabe seines Verbands hin, sich für eine gut ausgebaute, sichere Infrastruktur für Wirtschaft sowie die Bürgerinnen und Bürger einzusetzen. Rund drei Viertel der Personenkilometer würden mit dem Automobil absolviert.

Technologieoffenheit ist erforderlich

Unstrittig sei, den eingeleiteten Wandel bei den klimaverträglichen Antriebstechnologien fortzusetzen. Hier sei das Gebot der Technologieoffenheit ganz wichtig. Denn die Interessen der Kunden müssten im Mittelpunkt stehen.

In seinem Schlusswort unterstützte ZDK-Hauptgeschäftsführer Axel Koblitz diesen Aspekt durch die Verbandsforderung an die Politik beim Thema Klimaschutz: „Gebt gern herausfordernde Ziele vor, aber nicht den Weg, um diese Ziele zu erreichen.“

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