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Gales: Europas Automarkt droht Markensterben

Redakteur: Christoph Baeuchle

Europas Krise trifft die Automobilindustrie hart: Für 2013 rechnet Jean-Marc Gales mit einem Absatzrückgang in Europa um rund 5 Prozent. Der Clepa-Chef befürchtet weitere Werkschließungen und das Verschwinden diverser Marken.

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Jean-Marc Gales, CEO beim europäischen Zulieferverband Clepa.
Jean-Marc Gales, CEO beim europäischen Zulieferverband Clepa.
(Foto: Clepa)

Der europäische Automarkt steht vor einer schwierigen Phase: „In den nächsten Jahren werden wir hier kein Wachstum haben. Vielmehr gehen wir für 2013 eher von einem leichten Rückgang in Höhe von vier bis fünf Prozent aus“, sagte Jean-Marc Gales, CEO des europäischen Zulieferverbandes Clepa, gegenüber der »Automobil Industrie«, einem Schwesternblatt der Fachzeitschrift »kfz-betrieb«.

Gales, der seit Anfang April den Zulieferverband führt und zuvor beim französischen Autobauer PSA Peugeot Citroën im Vorstand war, rechnet mit einer fortschreitenden Konsolidierung. „Die Hersteller werden noch deutlich mehr Werke schließen müssen“, sagte Gales mit Blick auf die angekündigten Schließungen von Ford und PSA. „Denn um Geld zu verdienen, müssen sie ihre Werke zu 80 Prozent und mehr auslasten.“ Davon sind zahlreiche Hersteller derzeit weit entfernt.

Aus Sicht des Ex-PSA-Vorstands führt die Krise nicht nur zum Abbau von Überkapazitäten, sondern auch zum Verschwinden von Automobilmarken. US-Hersteller haben in den vergangenen Jahren Marken wie Oldsmobile und Saturn vom Markt genommen. „Dies werden wir auch in Europa in den nächsten Jahren erleben“, ist der Clepa-CEO überzeugt. „Man darf nicht immer nur auf die Kosten für die Entwicklung schauen, sondern muss auch die Aufwendungen für das Marketing einer Marke betrachten. Beide Investitionen sind in etwa gleich hoch.“

Für die erwartete Konsolidierung sieht Gales die europäische Zulieferindustrie gut vorbereitet. „Die Anpassungen der Strukturen ist in Europa unumgänglich, darauf müssen sich die Zulieferer einstellen.“ Zwar steige der Druck auf die Lieferanten in den Preisrunden. „Aber dies ist für die Zulieferer nichts Neues.“

Um in der Wachstumsbranche weltweit auf den vordersten Rängen zu bleiben, ist aus Gales Sicht vor allem eines wichtig: „Entscheidend ist, die Entwicklungskompetenzen und den damit verbundenen Vorsprung zu halten. Zu den Innovationen tragen etwa 70 Prozent der Zulieferer bei. Im Durchschnitt investiert ein guter Zulieferer vier bis fünf Prozent seines Umsatzes in Forschung und Entwicklung.“

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