Der Wert der Oldies

Kfz-Werkstätten können bei Wertanalysen mit ihrer Oldtimerkompetenz unterstützen

09.04.2009 | Redakteur: Konrad Wenz

Das Geschäft rund um die Restaurierung und Reparatur von Klassikern hat sich europaweit zum Milliardenmarkt entwickelt. Ein Problem dabei ist immer wieder, technische Informationen und Daten zum Liebhaberstück zu beschaffen.

Anfang 2007 stellte die Stuttgarter Überwachungsorganisation GTÜ eine neue Datenbank ins Internet: Der Oldtimerservice ist ein interessantes Instrument mit Tausenden von Nachweisen rund um „Historische Fahrzeuge“. Mit dem online verfügbaren Oldtimer- und Expertenservice schafften die Stuttgarter die entsprechende Wissensbasis zur Feststellung der Originalität, der Historie und des Werts eines Klassikers.

Individuelle Werte

Um ein Fahrzeug aus dem Klassikerbereich zu bewerten, bedarf es objektiver und kompetenter Hilfe eines unabhängigen und qualifizierten Kfz-Sachverständigen. Diese werden zwar in allen Prüforganisationen speziell ausgebildet und für Klassiker qualifiziert. Doch bei der Bereitstellung von Wissen außerhalb der Prüforganisationen hat der Lernprozess erst eingesetzt (siehe auch »kfz-betrieb« Nr. 217/2008, S. 20: „Wertvoll durch Gutachten“).

Eine Ausnahme bildet die GTÜ-Wissensbasis, die über das Portal www.gtue-oldtimerservice.de für jeden zugänglich und nach kostenloser Registrierung intensiv nutzbar ist. Jedes Liebhaber- und Sammlerfahrzeug (Youngtimer) und jeder Oldtimer hat seinen eigenen, individuellen Wert, der nur von Kfz-Sachverständigen ermittelt werden kann. Die Rechtsgrundlage kennt hier drei wesentliche Bestimmungen:

? FZV in §2 regelt die Begriffsbestimmungen zum Oldtimer.

? StVZO in §23 regelt die Einstufung des Oldtimers als historisches Fahrzeug (Oldtimergutachten zur Erlangung des H-Kennzeichens).

? Seit 1997 haben sich die im Verkehrsblatt des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (VkBI, 1997, Heft 15) veröffentlichten „Richtlinien für die Begutachtung von Oldtimerfahrzeugen“ allgemeingültig durchgesetzt.

Dieser Kanon an Bestimmungen und Definitionen sollte in jeder Kfz-Fachwerkstatt bekannt sein, die das Marktsegment „Klassische Fahrzeuge“ erfolgreich betreiben will. Hinzu kommt das Wissen um die historischen Fahrzeuge, denn nicht jeder Kfz-Sachverständige ist in allen Marken und Modellen zu Hause. Ein wesentliches Kriterium für die Bewertung eines klassischen Fahrzeugs ist der Pflege- und Erhaltungszustand.

In Deutschland haben sich hier sogenannte Erhaltungs- oder Zustandsnoten herausgebildet. Sie reichen von „Note 1: Makelloser Zustand“ bis „Note 5: Restaurationsbedürftig, nicht fahrbereit, fehlende Teile“. Der Marktwert beziffert den gegenwärtigen Wert des Fahrzeugs am Markt. Es handelt sich hierbei um den Durchschnittspreis am Privatmarkt, also jenen Preis, den das Fahrzeug zum Zeitpunkt der Wertermittlung bei einem An- oder Verkauf erzielen kann.

Hilfreiche Instrumente

Bei seltener gehandelten Fahrzeugen und bei Fahrzeugen, die schwerpunktmäßig gewerblich vertrieben werden, fließen auch der Handel (als Nettobetrag), die internationalen Auktionsergebnisse (ohne Mehrwertsteuer) sowie die internationale Marktsituation in den Marktwert mit ein. Der Marktwert ist somit in jedem Fall mehrwertsteuerneutral.

Für den Part der Wertermittlung stehen im GTÜ-Oldtimerservice die Marktwertanalysen zur Verfügung. Die Besonderheit dieser Analysen: Sie reichen über mehrere Jahre und bilden auf einer Seite nicht nur die Marktwerte, sondern in den meisten Fällen auch die Auktionspreise ab. Der Datenbanknutzer kann daher die Markttendenzen leichter ermitteln, da sich der Markt für klassische Fahrzeuge zum internationalen Geschäft entwickelt hat und durchaus Schwankungen unterliegt. Zudem erscheinen vielen Fachleuten die nationalen Wertermittlungen im internationalen Vergleich zu hoch. Der Blick über den deutschen Tellerrand wird zunehmend wichtiger.

Vernünftige Marktanalysen – zumindest mit Blick auf den europäischen Markt – sind also wichtig. Im deutschen Sprachraum haben sich die beiden Bewertungssysteme „Classic Data“ und „Olditax“ durchgesetzt. Sie werden aber im internationalen Vergleich mit ihren abgebildeten Marktwerten als zu hoch eingestuft. Auch in den zwei führenden Fachmagazinen „Oldtimer Markt“ und „Motor Klassik“ sind die Fahrzeuge hoch eingestuft. Auffallend ist, dass die Anzeigenteile beider Fachpublikationen in den meisten Fällen moderatere Marktpreise aufrufen.

Mehrwert für den Kunden

Das wohl umfangreichste Marktbewertungssystem kommt aus Frankreich – kurz „La Cote“, die Bewertung, genannt. Der „La Cote de l’automobile de collection“ erscheint jährlich und wird von den beiden Organisationen C.S.N.E.A.M.I. (Chambre syndicate nationale des experts en automobile et matériels industriels) und ANEA (Alliance nationale des experts en automobile) getragen und durch die Editions LVA in Paris veröffentlicht (www.lva-auto.fr). Das Werk umfasst rund 250 Automobilmarken und bewertet über 10.500 Modelle sowie 3.000 Auktionen mit rund 1.000 Fahrzeugabbildungen. Der über 700 Seiten umfassende „La Cote“ listet zudem alle internationalen Korrespondenz- und Expertenbüros sowie die teilnehmenden Auktionshäuser.

Für Kfz-Fachwerkstätten besteht durchaus die Chance der Neukundengewinnung durch aktive Dienstleistungen und unterstützende Tätigkeiten in Zusammenarbeit mit den Kfz-Sachverständigen. Denn jedes Gutachten zur Feststellung der Originalität muss belegbares Fachwissen über Identität und Herkunft der Baugruppen des Old-/Youngtimers nachweisen. Letztendlich fließt dieses Fachwissen auch bei der Wertermittlung ein und wird durch die Zustandsbewertung komplettiert.

Bislang waren die Kunden bei der Beschaffung der Nachweise meist auf sich gestellt. Gutachtertätigkeit und Wertermittlung sind im Segment der klassischen Fahrzeuge nicht zu trennen. Sie bedingen einander und bauen aufeinander auf. Herbert F. Schulze

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