Geely-Konzern kauft Proton und Lotus

Autor: Andreas Grimm

Wirtschaftlich gesehen ist der malaiische Autobauer Proton zunächst ein Verlustbringer. Langfristig und strategisch dürfte sich der Kauf aber auszahlen – auch wegen der Leichtbaukompetenz der britischen Tochter.

(Bild: AndyWee 2014)

Die europäischen Autobauer haben in Südostasien das Nachsehen. Nachdem auch Renault und der PSA-Konzern Interesse an einem Einstieg beim Autobauer Proton geäußert hatten, müssen sie nun dem chinesischen Konkurrenten Geely den Vortritt lassen. Wie das malaiische Unternehmen am Mittwoch mitteilte, wird die Zhejiang Geely Holding Group 49,9 Prozent der Proton-Anteile vom Mischkonzern DRB-Hicom übernehmen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass Geely sich durch den Deal den vollen Zugriff auf den britischen Sportwagenhersteller Lotus sichert. Damit ist die Geely-Gruppe nun auch in diesem exklusiven Segment unterwegs. Lotus gehörte bereits seit 1996 zu Proton. In den letzten Jahren wurde die Sportwagenschmiede unter der Führung des früheren PSA-Markenchefs Jean-Marc Gales umstrukturiert und verschlankt.

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Nach einer gewissen Absatzerholung sanken die Verkäufe im Jahr 2016 allerdings wieder. Die Übernahme durch Geely könne helfen „der Marke neues Leben einzuhauchen“, schreibt die „Financial Times“. Interessant für Geely könnte im Gegenzug die Leichtbaukompetenz von Lotus werden, die konzernweit hilfreich sein könnte, die CO2-Ziele schneller zu erreichen.

Der Anteilsverkauf durch DRB-Hicom, der bis Juli endgültig abgeschlossen werden soll, sichere Proton den Zugang zur Automobiltechnik im Geely-Konzern, insbesondere zu Plattformen und dem Antriebsstrang, heißt es weiter in der Meldung des malaiischen Autobauers. Gleichzeitig solle die Verbindung Proton den Zugang zu den Märkten öffnen, die Geely bereits bedient. Geely ist vorwiegend in China aktiv, zum Konzern gehören aber auch die Marke Volvo sowie die London Taxi Company. Daneben entwickelt Geely derzeit die Marke Lynk & Co. Zum Kaufpreis äußerten sich die beteiligten Unternehmen nicht. Geely wiederum bekommt durch den Deal einen besseren Zugriff auf die Märkte in Südostasien, die bisher stark von japanischen Autobauern dominiert wurden.

„Wiederbelebung der Marke Proton“

Die Maßnahme solle die „Wiederbelebung der Marke Proton sicherstellen“, sagte Syed Faisal, Marketingchef von DRB-Hicom, dem bisherigen Alleineigentümer von Proton. Der Mischkonzern hatte den Autobauer erst vor fünf Jahren für rund 400 Millionen US-Dollar vom malaiischen Staat übernommen, konnte ihn aber nicht auf wirtschaftlich gesunde Beine stellen.

Proton war in den 1990er Jahren auch in Europa aktiv, konnte sich aber nicht durchsetzen. Inzwischen ist die Marke komplett aus Europa verschwunden. Doch auch weltweit gingen die Verkäufe zurück. Die Kapazität der beiden malaysischen Proton-Werke mit jährlich 400.000 Fahrzeugen sei in den letzten Monaten kaum ausgeschöpft worden, berichtet die „Neue Züricher Zeitung“.

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Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«