Gefahren: Citroën Ami – Auto-Reduktion

Autor: Jens Rehberg

Bisher hatte nur Renault mit dem Twizzy etwas zu bieten, für das E-Autos eigentlich vor allem anderen stehen sollten: Ein radikal reduziertes Konzept für die Stadt. Jetzt kommt PSA mit dem Ami – der zumindest beheizt ist.

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Citroën hat den Ami Anfang September in Berlin der Presse vorgestellt.
Citroën hat den Ami Anfang September in Berlin der Presse vorgestellt.
(Bild: Rehberg / »kfz-betrieb«)

Eigentlich nerven Microcars. Sie sind langsam und nicht selten so hässlich, dass es einem den Atem verschlägt. Und da der Markt in den meisten europäischen Märkten lächerlich klein ist, mussten die Schmieden der exotischen Leicht-Kraftwagen auch nicht fürchten, dass ihr übersichtliches Geschäft von einem großen Autobauer plattgewalzt wird.

Doch die Welt hat sich weiter gedreht und immer mehr junge Leute, die als Kind schon kein Sportwagenquartett mehr zur Hand hatten, meinen es ernst mit der CO2-Neutralität.

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Damit PSA mit einem batteriebetriebenen vierrädrigen Leicht-Kfz Geld verdienen kann, muss billigst eingekauft, maximal effizient produziert und möglichst ohne Margenteilung verkauft werden. Trotzdem muss es schon irgendwie cool sein. Voilà, l‘„Ami“ (dt.: Freund).

Aus gerade mal 250 Teilen montiert Citroën den 2,41 Meter kurzen Winzling (Smart minus 30 Zentimeter) zusammen. Front und Heck sind identisch, der Stahlrahmen ist mit Plastik verkleidet, es gibt keinen Innenspiegel und keine Blinkerrückstellung, kein Radio, keine Dämmung und klimatisieren tun die beiden Klappfenster. Dafür wiegt der Mini-Stromer keine 500 Kilogramm.

Was allerdings auch mit fehlender Sicherheit erkauft wird. Bei einer Homologation in der Kleinst-Klasse 6Le, in der die maximale Geschwindigkeit auf 45 km/h begrenzt ist, spielen Sicherheitsstandards eine untergeordnete Rolle. So hat auch der Ami kein ABS, kein ESP und schon gar keine Airbags. Lediglich ein Dreipunktgurt hält den Fahrer bei einem Aufprall hoffentlich innerhalb eines nackten Stahlrohrrahmens, der dem Fahrzeug die notwendige Stabilität verleiht.

 

PSA pusht den Direktvertrieb

Weil das in Deutschland traditionell weniger gut ankommt als bei unseren südlicher beheimateten EU-Nachbarn, wird sich auch dieses Microcar hierzulande schwer tun. Die jährlichen Neuzulassungen von Leicht-Kfz bewegen sich in Deutschland nach Expertenschätzungen im niedrigen vierstelligen Bereich (das KBA zählt nicht mit).

Daher dürfte der Sturm der Entrüstung bei den PSA-Händlern auch nicht besonders heftig ausfallen, wenn der Importeur sich hierzulande gerade um Vertriebspartner im Konsumgüterhandel bemüht. Wie ein Sprecher des Importeurs anlässlich der Präsentation des Ami in Berlin erläuterte, verkauft die Handelskette Fnac Darty, deren Schwerpunkt auf Musik und Unterhaltungselektronik liegt, in Frankreich den Ami aus einem modellspezifisch gestalteten Verkaufsbereich heraus. Außerdem pusht PSA den Direktvertrieb – 65 Prozent der über 1.000 bisherigen Bestellungen in Frankreich liefen über den Online-Verkauf des Herstellers. Allerdings hätten sich auch nur rund 100 französische Citroën-Vertriebspartner – vorwiegend in größeren Städten – den Ami in den Schauraum gestellt. Zudem, so der Sprecher, sei der Bestellstart noch während der akuten Pandemiephase gewesen, was den hohen Anteil des Online-Kanals sicherlich befördert hat.

Preise für den deutschen Markt oder gar ein Verkaufsziel für das kommende Jahr – der Ami soll im ersten Quartal in den Handel kommen – wollten die Importeursvertreter nicht nennen. Die Preisstruktur werde sich aber an das französische Modell anlehnen. Dort kostet der Ami nach Elektro-Förderprämie noch 6.000 Euro. In Deutschland gibt es für 6Le-Fahrzeuge keine Förderung.

Bunte Individualisierungspakete heben den Basispreis um bis zu 1.400 Euro an. Französische Kunden können auch 2.640 Euro anzahlen und den Mini-Stromer in der Basis-Ausführung danach vier Jahre lang für 20 Euro im Monat leasen. Wer die Anzahlung auf 100 Euro reduzieren will, dessen Rate steigt auf 78 Euro.

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