Gefahren: Hyundai i20 – kleiner Schönling

Autor: Andreas Wehner

Hyundai hat die dritte Generation des Kleinwagens i20 an den Start gebracht. Die sieht nicht nur gut aus, sondern bietet auch technisch einige interessante Details.

Firmen zum Thema

Die Preisliste des Hyundai i20 beginnt knapp unter 14.000 Euro.
Die Preisliste des Hyundai i20 beginnt knapp unter 14.000 Euro.
(Bild: Wehner/»kfz-betrieb«)

Kleinwagen gelten im Allgemeinen jetzt nicht unbedingt als die schönsten Fahrzeuge unter der Sonne. Praktisch und günstig sollen sie sein, die Optik ist oft zweitrangig. Dass ein gutes Aussehen jedoch auch im B-Segment kein Widerspruch zu Praktikabilität und Alltagstauglichkeit sein muss, zeigt der neue Hyundai i20, der jetzt in dritter Generation an den Start geht.

Optisch auffällig ist vor allem das Heck mit seinen pfeilförmigen Leuchten, die von einem Lichtband verbunden werden. Auf der linken Seite ist der Tankdeckel von der Leuchte eingefasst und fällt somit weniger auf. Von vorne gefällt die lang gestreckte, konturierte Motorhaube, die den i20 fast muskulös wirken lässt. Die Scheinwerfer schließen direkt an den Kaskadengrill an und sorgen für einen selbstbewussten Gesichtsausdruck.

Hyundai i20: Kleiner Schönling
Bildergalerie mit 12 Bildern

Fasst man das alles zusammen, muss man allerdings einen Zungenbrecher bewältigen: „Sensuous Sportiness“ nennt Hyundai seine neue Designphilosophie. (Schaffen Sie es, das auszusprechen, ohne zu lispeln?) Sei’s drum, es kommt ja schließlich auf die Optik an, nicht auf die Aussprache.

Im Alltagsbetrieb bedeutet das durchaus sportliche Design jedoch auch, dass durch die flache Heckscheibe und die massiven C-Säulen die Sicht nach hinten etwas eingeschränkt ist. Dafür bietet der i20 gefühlt viel Platz. Als durchschnittlich großer Erwachsener sitzt man sogar hinten bequem, so lange sich nur zwei Insassen die Rückbank teilen. In den Gepäckraum passen laut Datenblatt 352 Liter. Die Varianten mit 48-Volt-Hybridsystem bieten allerdings ganze 90 Liter weniger. Bei umgelegter Rückbank liegt die maximale Kapazität bei 1.165 Litern (1.075 l bei 48-Volt-Modellen).

Motorseitig bietet Hyundai zum Einstieg einen 1,2-Liter großen Vierzylinder-Saugbenziner mit 62 kW/84 PS und Fünfgang-Schaltgetriebe. Als Alternative gibt es einen 1,0-Liter-Dreizylinder-Turbo, den die Koreaner in zwei Leistungsstufen und wahlweise als 48-Volt-Mildhybrid im Programm haben. Die schwächere Version leistet 74 kW/100 PS, die stärkere kommt auf 88 kW/120 PS.

„Segeln“ auch mit Schaltgetriebe

Letztere testeten wir in Kombination mit dem siebenstufigen Doppelkupplungsgetriebe. Das arbeitet unaufgeregt und ruckfrei, aber an der einen oder anderen Stelle etwas zögerlich. An der Motorleistung gibt es nichts zu mäkeln. Für den typischen Kleinwagenfahrer dürfte die 100-PS-Variante sogar locker ausreichen. Sie war für die Testrunde mit dem neuen Sechsgang-Schaltgetriebe mit elektronisch geregelter Kupplung ausgestattet. Das ermöglicht in bestimmten Fahrsituationen das „Segeln“ mit abgeschaltetem Motor. Nimmt man beispielsweise vor einer Kurve den Fuß zum Ausrollen vom Gas, schaltet das System den Motor ab – und automatisch wieder ein, wenn er wieder benötigt wird. Das klappt hervorragend und spart je nach Fahrsituation laut Hersteller bis zu 1 Liter Sprit auf 100 Kilometer.

Beeindruckend ist die Zahl der Assistenten und Elektronik-Features, die Hyundai in dieser Klasse anbietet. So gibt es einen Abstandstempomaten, der die Daten aus dem Navi nutzt, um zum Beispiel das Tempo vor Kurven automatisch zu reduzieren. Gleichzeitig bleibt das Auto bis 180 km/h automatisch in der Mitte der Fahrspur. Beim Spurwechsel hilft ein Totwinkelassistent, beim Ausparken ein Querverkehrswarner. Auf Wunsch parkt der i20 auch teilautonom ein.

Auch der aus den größeren Modellen bekannte 10,25-Zoll-Touchscreen ist ebenso erhältlich wie das gleich große, volldigitale Kombiinstrument. Für den Sound sorgt auf Wunsch ein Bose-System mit acht Lautsprechern.

Hyundai i20: Kleiner Schönling
Bildergalerie mit 12 Bildern

Der Konnektivitätsdienst „Bluelink“ bietet die Möglichkeit, verschiedene Fahrzeuginformationen vom Smartphone aus abzurufen und einige Funktionen sogar zu steuern. Erstmals können Fahrer bis zu zwei Hauptkonten und ein Gastkonto anlegen, mit denen sich individuelle Fahrzeugpräferenzen in der Cloud speichern und auch in anderen Hyundai-Fahrzeugen abrufen lassen. Praktisch ist zudem die „Letzte-Meile-Navigation“, die es dem Fahrer ermöglicht, ein nur zu Fuß erreichbares Ziel nach dem Abstellen des Autos mithilfe des Smartphones zu finden – die Navigationsdaten liefert das Auto.

Preise starten unter 14.000 Euro

Allerdings sind die meisten dieser Features nur in höheren Ausstattungsvarianten oder in einem Zusatzpaket enthalten. Man muss also durchaus gewillt sein, das nötige Kleingeld beim Händler zu lassen. Denn in Vollausstattung kommt der i20 mehr als doppelt so teuer wie das (inklusive 16 Prozent Mehrwertsteuer) 13.637,31 Euro teure Einstiegsmodell. Das macht im Übrigen seinem Namen „Pure“ alle Ehre und kommt ganz puristisch weder mit Radio noch mit Klimaanlage. Immerhin sind die Fensterheber vorn elektrisch, zudem sind ein Spurhalte-, ein Notbrems- und ein Lichtassistent verbaut.

Allerdings rechnet Hyundai beim Basismodell auch mit keiner großen Nachfrage. Nur fünf Prozent der i20-Verkäufe dürften nach Einschätzung der Verantwortlichen auf den „Pure“ entfallen. Knapp ein Drittel der Käufer wird sich wohl für die nächsthöhere Variante „Select“ entscheiden, die für mindestens 16.074,29 Euro zu haben ist und neben Klimaanlage und Digitalradio auch ein Lederlenkrad, beheizbare Außenspiegel und elektrische Fensterheber an Bord hat.

Mehr als die Hälfte der künftigen i20-Fahrer wird vermutlich mit der „Trend“-Ausstattung (ab 18.803,70 Euro) unterwegs sein. Sie bietet unter anderem das digitale Kombiinstrument, einen 8-Zoll-Infotainment-Touchscreen, Apple Carplay und Android Auto, eine Rückfahrkamera, eine Heizung für Vordersitze und Lenkrad sowie einen Spurfolgeassistenten und einen autonomen Notbremsassistenten, der nicht nur Fußgänger, sondern auch Radfahrer erkennt.

Beim Top-Modell „Prime“ (ab 21.728,07 Euro) rechnet Hyundai mit einem Käuferanteil von 15 Prozent. An Bord sind unter anderem Voll-LED-Scheinwerfer, ein Smart-Key-System, eine Einparkhilfe vorn, beheizte Rücksitze und eine Klimaautomatik.

N-Version steht in den Startlöchern

Der Hyundai i20 feierte seine offizielle Premiere im Handel bereits am 10. Oktober. Im Frühjahr 2021 legt Hyundai zudem die sportliche Ausstattungsvariante „N-Line“ nach. Doch das ist noch nicht alles. Auch ein echter Sportler steht schon in den Startlöchern: der i20 N. Was eine Klasse höher gut funktioniert hat, soll auch im Kleinwagensegment neue Kunden anlocken. Details zu dem über 200 PS starken Fahrzeug will Hyundai in Kürze bekannt geben.

(ID:46923031)

Über den Autor

 Andreas Wehner

Andreas Wehner

Redakteur Newsdesk Automotive