Gefahren: Porsche 718 Boxster/Cayman GTS 4.0

Autor / Redakteur: sp-x / Andreas Wehner

Sportlich, sportlicher, GTS – das ist die Steigerungsrate bei den Porsche-Sportwagen, und die neuen GTS-Varianten von 718 Boxster und 718 Cayman bilden da keine Ausnahme. Ihr spezielles Antriebskonzept ist mittlerweile zu einer Rarität geworden.

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Der Porsche Cayman GTS hat als einer der letzten seiner Art einen Saugmotor.
Der Porsche Cayman GTS hat als einer der letzten seiner Art einen Saugmotor.
(Bild: Porsche)

Es gibt so Autos, über die will man gar nicht so viel wissen – man will sie einfach nur fahren. Für den neuen Porsche 718 Cayman GTS 4.0 gilt das im Grundsatz auch, nur eine Spur modifiziert: Weil man etwas Entscheidendes über den Wagen weiß, muss man ihn unbedingt einmal fahren.

Es wartet die Rennstrecke von Estoril, wo früher der Große Preis von Portugal ausgetragen wurde. Formel 1 ist der neue Porsche nun nicht gerade, aber er geht vom technischen Grundkonzept in die Richtung: Mittelmotor, die reine Lehre des Motorsports, jedenfalls in allen Formel-Serien. Wenn der Motor nicht vorn sitzt und nicht ganz hinten, wie im Porsche 911, sondern zwischen Vordersitzen und Hinterachse, dann ist extrem dynamisches Handling ein Teil des Produktversprechens. Und im Cayman GTS 4.0 kommt noch eine weitere Verheißung dazu: Der Motor scheint direkt aus der guten alten Zeit zu kommen.

Porsche 718 Boxster/Cayman GTS 4.0: Die letzten ihrer Art
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Sechs Zylinder im Boxer-Prinzip, also je drei einander gegenüber liegend, dazu vier Liter Hubraum und vor allem: kein Turbolader. Kein Turbolader, wie bei praktisch jedem modernen Sportwagen – auch die Mehrzahl der schnittigen Porsche-Modelle fährt mit Turbo. Der Cayman GTS nicht. Bei diesem Modell hat sich Porsche noch einmal, vielleicht ein letztes Mal, für den Saugmotor entschieden, auch wenn das dem Benzinverbrauch wenig zuträglich ist. Ein mutiger Schritt, schließlich gelten die CO2-Grenzwerte ja auch für die Porsche-Flotte. Der Kohlendioxidausstoß des Cayman GTS 4.0 und der identisch ausgerüsteten Roadster-Variante Boxster GTS 4.0 erklimmt eine Höhe, die etwas jenseits der politischen Korrektheit liegt: 246 Gramm pro Kilometer, Effizienzklasse G. Man könnte auch sagen: Setzen, sechs.

Wenn, ja wenn es nicht so unglaublich schön wäre, diesen Motor zu starten, seinem sonoren Leerlaufklang zu lauschen und dieses durch nichts verzögerte Ansprechverhalten zu genießen. Was bedeutet schon ein Normverbrauch von 10,8 l/100 km, wenn jeder Millimeter, den der rechte Fuß sich vorwärtsbewegt, mit sofortiger und heftig spürbarer Beschleunigung quittiert wird? Und ist es nicht auf eine herrliche Weise altmodisch, das maximale Drehmoment von 420 Newtonmetern erst nach dem Orgeln auf 5.000 Umdrehungen zu erreichen? Damit hat der Cayman GTS auf dem Papier kaum mehr Kraft als ein braver Zweiliter-Turbodiesel, aber am Ende des Drehzahlbandes, bei 7.000 Touren, stehen eben auch 400 PS Leistung an und nicht bloß 150.

Kein Vernunftauto

Natürlich ist das unvernünftig, aber es hat ja auch keiner behauptet, dieser Wagen sei dafür da, die Kinder zur Schule zu bringen. Er ist ein Spielzeug. „So ein Auto kauft man, wenn man sich für etwas belohnen will“, sagt Frank-Steffen Walliser, der Chefingenieur für alle Porsche-Sportwagen, „man erfüllt sich damit einen Traum.“

293 Kilometer pro Stunde ist dieser spezielle Traum schnell, und am Ende der sehr langen Zielgeraden von Estoril hat man so 230, 240 Sachen auf dem Tacho. Es bleibt aber nicht viel Zeit, das genauer abzulesen, denn jetzt will hart gebremst und in den dritten Gang gewechselt werden. Die Bremsen waren immer eine Stärke von Porsche, sie sind es auch hier, die Sechsgangschaltung macht einen exakten Job, während die Motorelektronik das Herunterschalten mit automatisch eingeleiteten Zwischengasstößen begleitet.

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