Gefahren: Rolls-Royce Cullinan – Krösus fürs Grobe

Mit Luxus ins Gelände

| Autor: sp-x

Der Rolls-Royce Cullinan kostet mindestens 315.000 Euro.
Der Rolls-Royce Cullinan kostet mindestens 315.000 Euro. (Bild: Rolls-Royce)

Ist das Euer Ernst? Diesen schmutzigen Feldweg soll ich nehmen? Mit einem Rolls-Royce? Wo die Briten bislang peinlichst genau darauf geachtet haben, dass ja kein Körnchen Staub den prallen Glanz ihrer protzigen Karossen trüben kann, schicken sie ihre Premierengäste jetzt ins Abseits. Und das mit voller Absicht. Denn hier und heute geht es nicht um eine neue Version von Phantom oder Ghost, sondern um den Cullinan – das ersten SUV im Zeichen der Spirit of Ecstasy.

Nachdem sich die britische Luxusmarke (viel zu) lange dem Trend verweigert und so Modellen wie dem Range Rover oder dem Bentley Bentayga reichlich Luft gelassen hat, zieht die noble BMW-Tochter zum Jahresende endlich nach und setzt dem SUV mit dem Cullinan die Krone auf. Das gilt bei 5,34 Metern Länge, 3,30 Metern Radstand und 1,83 Metern Höhe für die Proportionen genauso wie für die Präsenz des Designs mit dem wuchtigen Grill am Bug und dem skurrilen Bürzel am Heck – und das gilt erst recht für den Preis, der bei 315.000 Euro beginnt und damit selbst im Luxussegment unerreicht ist.

So ungewohnt das Terrain für den Cullinan ist, so tapfer schlägt er sich auf den neuen Wegen. Mit dem ersten Allradantrieb in über 100 Jahren, einer Luftfederung, die den Wagen bei Bedarf um vier Zentimeter weiter aufbockt, und vor allem mit schier unendlichem Vortrieb schiebt sich der Gigant aus Goodwood durchs Gelände und ist sich weder für Matsch noch Modder zu schade. Und wer sich dabei nicht auf die Offroad-Automatik verlassen will, kann aus sechs weiteren Geländeprogrammen für Schnee, Sand, Schotter und Co wählen. Es scheint so, als meinten es die Briten wirklich ernst mit dem Abenteuer-Auto für den Geldadel.

Alltagsauto? Ja sicher!

Aber der Cullinan eignet sich nicht nur fürs Abenteuer, sondern mehr als jeder andere Rolls-Royce vor allem für den Alltag. Nicht umsonst gibt es zum ersten Mal bei den Briten so etwas wie einen ernsthaften Kofferraum mit geteilter Klappe und niedriger Ladekante, eine umklappbare Rückbank, mit der man das Ladevolumen auf knapp zwei Kubikmeter erweitern kann und sogar eine Anhängerkupplung.

Rolls-Royce wäre allerdings nicht Rolls-Royce, wenn es nicht auch ein paar eher snobistische Sonderausstattungen gäbe. Nicht nur, dass die Briten für mehrere tausend Euro einem Picknick-Koffer ins Heck stellen. Nein, sie haben auch sogenannte „Recreation Modules“ entwickelt, die als elektrische Schubladen für Freizeitgegenstände wir Angelruten, Jagdwaffen oder Kamera-Ausrüstungen maßgeschneidert wurden. Und wer endlich mal ein Pferderennen mit Stil verfolgen will, der lässt aus dem unteren Teil der Heckklappen auf Knopfdruck die beiden Klappsessel der „Viewing Suite“ heraussurren.

Gewohnter Rolls-Royce-Charme

Zwar betritt Rolls-Royce mit dem Cullinan buchstäblich Neuland. Doch den Kunden wird das Auto ausgesprochen vertraut vorkommen. Vorne, weil das Cockpit genauso charmant antiquiert ist wie bei allen anderen Rolls-Royce-Modellen und man um die animierten Instrumente und den mittlerweile zu kleinen Touchscreen mehr Lack und Leder findet als in jedem anderen Auto – und dazu noch lieb gewordene Schrullen wie die Orgelzüge an den Lüfterdüsen oder die Rändelräder für die Klimaregelung. Und hinten, weil schon die normale Rückbank ein wunderbar bequemes Sofa ist, vor dem auf Knopfdruck Picknicktische samt integriertem Tabletcomputer ausfahren.

Wer noch einmal den Gegenwert eines Kleinwagens drauf packt, bekommt dort stattdessen zwei luxuriöse „Executive Seats“ mit Barfach in der Mitte und einer Trennscheibe zum Kofferraum, damit beim Laden weder Lärm noch Wind in die Wohlfühlzone dringen. Während Rolls-Royce den Cullinan eigentlich als Auto für Selbstfahrer sieht, wird er so dann doch zur Chauffeurs-Limousine mit erweitertem Aktionsradius.

Inhalt des Artikels:

Kommentare werden geladen....

Ihr Kommentar zum Thema

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45539616 / Neuwagen)

Plus-Fachartikel

Unternehmensfinanzierung: Finanzen neu justieren

Unternehmensfinanzierung: Finanzen neu justieren

Wer seinen Händlervertrag verliert, muss häufig auch seine Kredite neu regeln, da ihm dann auch meist der Zugang zur Herstellerbank fehlt. Der Unternehmensberater Carl-Dietrich Sander gibt Tipps, wie man mit einer solchen Situation umgehen sollte. lesen

Vertrag weg – was nun?

Vertrag weg – was nun?

Immer wieder passiert es: Der Hersteller kündigt seinem langjährigen Partner den Vertrag, oder der Kfz-Betrieb lehnt es ab, die steigenden Standardanforderungen zu erfüllen. Es folgt der mühsame und steinige Weg in die unternehmerische Freiheit. lesen