Gefahren: ZF-Neungangautomatik

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Die Neungangautomatik steht nicht in direkter Konkurrenz zu der Version mit acht Stufen. Letztere gibt es seit kurzem in Oberklassemodellen wie dem BMW X5, Jaguar XF, Audi A8 und Porsche Panamera. Den neunten Gang bekommen hingegen nur deutlich kleinere Modelle. Ausgelegt ist die Technik für Fahrzeuge mit Frontantrieb und Quermotor, so wie den VW Golf und zahlreiche andere Autos von der Mittelklasse abwärts. Die Wahl für das Testauto fiel auf den Mini, da unter seiner Motorhaube der Platz extrem knapp ist. Passt das neue Getriebe dort hinein, dürfte es auch bei den meisten anderen Modellen kein Problem geben.

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Dass ausgerechnet die kleinen Klassen das Prestigeplus erreichen, ist aber eher Zufall. So war das Entwicklungsziel von ZF nicht eine maximale Gangzahl, sondern optimale Effizienz. Die Maximierung der Spreizung funktioniert zwar in der Theorie super, in der Praxis werden Getriebe durch zusätzliche Gänge aber groß, schwer und unökonomisch. Die Neungangtechnik soll in dieser Hinsicht den besten Kompromiss bieten.

Wo das neue Getriebe Premiere feiern wird, sagt ZF noch nicht. Allerdings ist es mehr oder weniger klar, dass Chrysler den ersten Zugriff haben wird. Die bisher nicht gerade für Hightech bekannten Amerikaner schlagen damit den deutschen Herstellern ganz nebenbei ein Schnippchen. Die allerdings setzen in den kleinen Klassen zurzeit vor allem auf Doppelkupplungsgetriebe, die technisch eher mit der Handschaltung als mit der klassischen Wandlerautomatik verwandt sind. Hier sind bislang sieben Gänge das Maß der Dinge. Um aber auch da ein Stück vom Kuchen abzubekommen, bietet ZF die Neungangautomatik auch mit Kupplung statt Drehmomentwandler an. In Sachen Effizienz und Kosten gibt es zwar kaum Unterschiede, allerdings haben einige Hersteller Vorbehalte gegen den Wandler, der - mittlerweile zu Unrecht – als unsportlich gilt.

Manuelle Siebenganggetriebe gehen an den Start

Ob das Schaltstufen-Wachstum mit der Neungangautomatik an ihre Grenze gestoßen ist, kann bei ZF niemand wirklich sagen. Zumindest gilt es als unwahrscheinlich, dass in naher Zukunft Automaten mit zehn oder mehr Gängen sinnvoll einsetzbar werden. Anderswo gibt es allerdings noch Spielraum: bei den manuellen Getrieben. So kommt die neue Generation des Porsche 911 im Herbst erstmals mit einer Handschaltung auf den Markt, die sieben Vorwärtsgänge bietet. Dabei handelt es sich quasi um eine abgespeckte Variante des bekannten PDK-Doppelkupplungsgetriebes. Auch dort soll der Verbrauch von einem langen letzten Gang profitieren. Ob der Normalfahrer die sieben Gänge dann noch sinnvoll sortieren kann, muss sich allerdings erst noch zeigen.

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