Gegen den Spritdurst: Ford Mondeo Hybrid

Autor / Redakteur: Wolfgang Pester / Thomas Günnel

Die Elektrifizierung des Pkws muss nicht teuer sein. Dieser Toyota-Erkenntnis folgt auch Ford. In Europa ist der Mondeo mit Hybridantrieb aber wenig gefragt. Warum eigentlich?

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Der Ford Mondeo Hybrid zeigt gute Fahrleistungen bei geringem Verbrauch.
Der Ford Mondeo Hybrid zeigt gute Fahrleistungen bei geringem Verbrauch.
(Foto: Ford)

Der neue Mondeo mit Hybridantrieb bremst mit Benzin- und Elektromotor sparsame Diesel-Pkw beim Verbrauch aus, wie ein Fahrtest zeigt. Darüber hinaus ist er mit Duo-Antrieb nicht teurer als etwa der leistungsgleiche sparsamste Selbstzünder im neuen Mondeo. Doch der Mondeo Hybrid überrascht selbst im Verbrauchsvergleich mit wesentlich teureren Plug-in-Hybrid-Autos. Sein Alltagsverbrauch kommt dem Plug-in-Hybrid sehr nahe – von dem Daimler-Chef Dieter Zetsche sagt, dass er bis auf Weiteres „die beste Antriebslösung ist“, jedenfalls für Premiumautos.

In Räumlichkeit und den Abmessungen vergleichbar mit der Mercedes E-Klasse, beweist das Modell als Hybrid ohne Auflademöglichkeit an der Steckdose, welch geringer Verbrauch heute machbar ist. Neu ist der Hybridantrieb im Mondeo für Europa. In den USA startete das Schwestermodell Fusion mit der ersten Generation der Benzin-Elektromotor-Einheit bereits im April 2009 auf den Markt. Dort hat er sich etabliert und ist auch als Fusion Plug-in-Hybrid Energi erhältlich. Mittlerweile ist Ford in den USA zweitgrößten Anbieter von Hybridautos.

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Hybrid versus Dieselmotor

Vom neuen Fusion/Mondeo, der in Nordamerika schon seit 2013 rollt, und seinem Vorgänger wurden bis Ende Oktober dieses Jahres mehr als 180.000 Hybridmodelle verkauft – darunter über 25.000 Energi Plug-in-Hybride. In Europa nutzen bisher wenige Käufer die Qualitäten des Mondeo Hybrid. Von der im spanischen Valencia gebauten größten Ford-Limousine wurden seit dem Start im Februar bis Ende Oktober 2015 laut Ford gut 900 Hybridfahrzeuge in Europa neu zugelassen – davon 122 in Deutschland.

Die bisher noch geringe Kundenakzeptanz dürfte nicht am Duo-Antrieb liegen. Doch in einem Markt, wo im Mittelklassesegment der Kombi eine starke Präsenz hat und in Deutschland dominiert, hat es der Mondeo Hybrid schwer sich durchzusetzen, weil es ihn ausschließlich als viertürige Limousine gibt. Hinzu kommt die Dominanz des Dieselmotors beim Mondeo mit einem Anteil von weit mehr als 70 Prozent, wie Ford-Marketing-Direktor Reinhard Zillessen erklärt.

Der Preis kann beim Absatz keine Rolle spielen. Denn die Mondeo-Variante mit 2,0-l-Benzin-Hybrid mit 140 kW/187 PS gibt es in der hohen Ausstattungslinie Titanium ab 35.200 Euro. Bei gleicher Titanium-Basisausstattung mit Sechsgang-Schaltgetriebe kostet die fünftürige Dieselvariante mit 132 kW/180 PS als Mondeo 2.0 TDCi Econetic 34.700 Euro. Will der Kunde eine Automatik wie im Hybrid steigt der Basispreis auf 36.700 Euro. Deshalb konkurriert intern der Hybrid direkt mit dem Turbodiesel.

Der neue Mondeo überzeugt außen wie innen mit einer tadellosen Verarbeitung. Die Hybridversion hat ein gut gestaltetes Interieur, das durch Alu-Applikationen wertiger wirkt, und ein übersichtliches Cockpit. Serienmäßig ist der Teilzeitstromer sehr reichhaltig ausgestattet – übrigens mit beheizbarer Frontscheibe einschließlich Scheibenwaschdüsen, die Ford seit nunmehr 30 Jahren anbietet.

Umfangreiche Ausstattung

Das Hybrid-Testfahrzeug verfügte zusätzlich über das Business-Paket II (1.650 Euro) unter anderem mit dem Betriebssystem Ford Sync 2 und großem Touchscreen, Audio-/Navigationssystem, Rückfahrkamera sowie Einparkassistent für Quer- und Längsparklücken. Etwas Eingewöhnungszeit ist von Nöten für die Fülle der Informations- und Entertainmentmöglichkeiten, doch generell lässt sich alles gut handhaben. Platz gibt es in Hülle und Fülle. Und das sowohl in der ersten, wie in der zweiten Reihe. Nimmt eine dritte Person auf dem schmalen mittleren Fondsitz platz, wird es eher eng als kuschelig. Die manuell einstellbaren vorderen Sportsitze – gibt es optional elektrisch – sind gut konturiert, angenehm gepolstert und bieten stabilen Seitenhalt, die hinteren Sitze stehen dem nicht nach.

Fahrwerk und Fahrkomfort überzeugen. Wohl könnte eine Luftfederung das sehr ruhige und komfortable Fahren des Mondeo Hybrid noch weiter erhöhen, sie ist aber nicht notwendig. Das Design-Paket II (optional, 1.350 Euro) im Testwagen betrifft hauptsächlich die LED-Technik: adaptive LED-Scheinwerfer mit blendfreier automatischer Leuchtweitenreglung, die in die Kurven mitschwenkt, sowie ein separates Abbiegelicht. Mit dem Fernlichtassistenten (Serienausstattung) führt das zu einer angenehmen wie sehr guten Fahrbahnausleuchtung.

Beim Benzinmotor des Hybridantriebs setzt Ford auf den klassischen Saugmotor statt wie Wettbewerber in Europa auf den Direkteinspritzer. Beim Vierzylinder mit 2,0 Liter Hubraum wird der Kraftstoff jeweils kurz vor dem Einlassventil ins Saugrohr eingespritzt (Multi Point Injection). Ebenso arbeitet der Ford-Saugmotor mit variabler Ventilsteuerung der Einlass- und Auslassventile. Mit der Konzeption erreicht der Saugmotor die Nennleistung von 103 kW/140 PS bei 6.000 U/min.

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Die Antriebskraftverteilung des Mondeo Hybrid übernimmt ein Planetenradgetriebe mit Leistungsverzweigung. Für diese Konzeption wählten die Ford-Ingenieure in Dearborn, Michigan/USA, zwei Elektromotoren mit 88 kW/120 PS und 64 kW/87 PS, die im Planetenradgetriebe integriert sind. So ausgerüstet bietet der Mondeo Hybrid die maximal 140 kW/187 PS Systemleistung und 173 Nm Drehmoment bei 4.000 U/min. Das Planetenradgetriebe koppelt Benzinmotor und die große elektrische Maschine mit dem Antrieb der Vorderräder.

Die kleine E-Maschine ist nicht direkt mit dem Verbrennungsmotor verbunden. Sie dient als Generator, der ein Teil der mechanischen Leistung des Benziners in elektrischen Strom umwandelt, der in der 1,4-kWh-Lithium-Ionen-Batterie gespeichert wird. Der Generator unterstützt auch den Fahrzeugantrieb bei Bedarf. Und gemeinsam mit der großen E-Maschine wird Energie zurückgewonnen (Rekuperation), etwa beim Bremsen.

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Elektrisch bis 135 km/h

Über das Planetengetriebe stehen die Drehzahlen des Benzinmotors, der großen elektrischen Maschine sowie die Fahrzeuggeschwindigkeit in einem festen Verhältnis zueinander. Das elektronische Hybridantriebsmanagement kann die Drehzahl des Benzinmotors weitgehend frei wählen, damit er mit optimalem Wirkungsgrad läuft. So steuert die elektrische Maschine bei einem gegebenen Tempo die Drehzahl des Verbrennungsmotors. Das wirkt auf den Fahrer wie das charakteristische Verhalten eines stufenlosen Getriebes (CVT).

Die Limousine mit 1.670 Kilogramm Leergewicht beschleunigt von null auf 100 km/h in 9,2 Sekunden und ist agil auch aus höherer Geschwindigkeit bis 135 km/h, ab dann entfällt die Vortriebsunterstützung durch die Elektromotoren. Danach muss der Saugmotor alleine ran, was deutlich zu spüren ist. Die erreichbare Höchstgeschwindigkeit von 187 km/h ist vergleichsweise niedrig in der Leistungsklasse, wo der Turbodiesel im Mondeo 2.0 TDCi Econetic 215 km/h erreicht. Im Testbetrieb mit bis maximal 150 km/h auf der Autobahn war dies nicht relevant und im Stadt- und Pendlerverkehr machte der Mondeo Hybrid Spaß.

Antriebe sehr gut integriert

In der Limousine fährt es sich komfortabel, leise und fast vibrationsfrei. Der Benziner ist im Duo-Betrieb laufruhig und überzeugt im Stadtverkehr, wo er mit der zusätzlichen elektrischen Kraft einen bulligen Vortrieb bietet. Bei mehr sportlicher Fahrweise und bei Autobahnfahrten über 135 km/h neigt der Saugmotor etwas zum Brummen, auch wird er mit dem Planetenradgetriebe etwas lauter, aber nicht zum „Hochtöner“ wie vormals der Toyota Prius. Quasi perfekt ist die Kooperation von Verbrennungs- und Elektromotoren, sie arbeitet ruckfrei und unauffällig.

Neben den Standardfahrstufen gibt es die Stufe „L“, in der bei Bergabfahrten die Motordrehzahl erhöht wird und sich dadurch die Motorbremswirkung verbessert. Ebenso kann am Wählhebel per Tastendruck der „Gefälleassistent“ aktiviert werden. Bei Bergabfahrten bremst hier der Generator und erzeugt mehr Strom zur Batterieladung als beim üblichen Bremsvorgang. Übrigens gibt Ford an, dass der Hybrid mehr als 90 Prozent der Bremsenergie zum Laden der Batterie und somit für eine möglichst große Reichweite nutzt.

Überzeugender Verbrauch

Überzeugen kann der Mondeo Hybrid mit seinem geringen Benzinverbrauch: Ford gibt den Wert im EU-Testzyklus „kombiniert“ mit 4,2 l/100 km an, entsprechend 99 g CO2/km. Im Alltagsverkehr des Testeinsatzes begnügte sich die Limousine bei 25 Prozent Autobahnfahrtanteil mit durchschnittlich 5,0 Litern je 100 Kilometer, das sind 118 g CO2/km.

Der Mindestverbrauch betrug 4,3 Liter in der Stadt, der Maximalverbrauch 6,6 Liter auf der Autobahn. Im Mittel glänzte der Duo-Antrieb bei Stadtfahrten mit 4,6 Litern und bei Autobahnfahrten mit 6,0 Litern. Der Durchschnittswert von 5,0 Litern kann sich mit getesteten teureren Plug-in-Hybrid-Modellen messen, deren Äquivalentverbrauch mit dem berücksichtigten Strom aus der Steckdose von 4,4 Litern bis 4,7 Liter reicht. Der Mondeo Hybrid besitzt serienmäßig eine gute Ausstattung. Der Testwagen enthielt zusätzlich die Pakete „Business II“ und „Design II“. Damit und mit den weiteren optionalen Ergänzungen – Gurtairbags im Fond, Diebstahlalarmanlage, Totwinkelassistent, elektrische Lenksäuleneinstellung und Metalliclackierung – kommt die große Limousine mit dem Duo-Antrieb auf einen Listenpreis von 40.405 Euro.

Eigentlich hat der Mondeo Hybrid alles, was das Autoherz begehrt. Das müssen jetzt nur noch die Käufer verstehen ...

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