Geldwäsche: Kfz-Betrieben droht das „Prangerprinzip“

Interview mit Andreas Glotz, Experte für Geldwäscheprävention

| Autor: Christoph Baeuchle

Andreas Glotz, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Geldwäscheprävention.
Andreas Glotz, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Geldwäscheprävention. (Bild: Baeuchle)

Redaktion: Herr Glotz das neue Geldwäschegesetz, kurz GwG, trat vor knapp einem Jahr in Kraft. Damit gehen neue Haftungsfragen einher. Welche?

Andreas Glotz: Das ist ein außergewöhnlich problematisches Thema, das ist vielen Häusern überhaupt nicht bewusst. Die neue Rechtslage führt dazu, dass Inhaber und Geschäftsführer von Autohäusern bei Verstößen gegen das Geldwäschegesetz persönlich haftbar sind. Das geht sogar so weit, dass nach dem sogenanntes „Prangerprinzip“ die Aufsichtsbehörden zur Ergreifung einer schwerwiegenden Maßnahme verpflichtet sind.

Was heißt das?

Die Behörden veröffentlichen den Verstoß und den verantwortlichen Geschäftsführer auf ihren Internetseiten. In so einem Fall kann sich der Betrieb von jedem öffentlichen Auftrag verabschieden.

Warum das drastische Vorgehen?

Der Gesetzgeber ist der Ansicht: „Der Fisch stinkt vom Kopf“. Mit anderen Worten: Wenn sich die Geschäftsleitung nicht um das Thema kümmert, muss sie sich nicht wundern, wenn Ross und Reiter im Internet veröffentlicht werden.

Wo liegen die größten Fallstricke bei der Umsetzung?

Der schlimmste Fehler besteht darin, zu glauben, dass sich der Geldwäscheprozess allein auf die Entgegennahme von Bargeld beschränkt. Das ist grundfalsch und verkennt die Problematik der Geldwäsche vollkommen.

Können Sie uns das anhand eines Beispiels erläutern?

Der Kaufpreis eines Fahrzeugs beträgt 35.000 Euro. Man vereinbart eine Anzahlung von 9.999 Euro und die Überweisung der Differenz. Die Differenz wird dann aber von vier unterschiedlichen Konten aus dem Ausland und von Personen, die keinen erkennbaren Bezug zum Käufer haben, überwiesen. Kurz vor Fahrzeugabholung kommt es aus fadenscheinigen Gründen zum Wunsch nach Rückabwicklung des Vertrags und zur Aufforderung, den Kaufpreis auf ein weiteres unbekanntes Konto zu zahlen. Hier müssen alle Alarmglocken klingeln!

Aber so viele anonyme Personen im Rahmen des Kaufprozesses – das stinkt doch für jeden gleich bis zum Himmel.

Das ist in der Theorie leichter gesagt als in der Praxis umgesetzt. Die gelebte Funktionstrennung im Handelsbetrieb ist für eine effiziente Umsetzung des GwG das größte Hindernis. Im gewählten Beispiel müssen Verkauf, Kasse und Buchhaltung sehr eng zusammenarbeiten. Die Disposition kommt dann ins Spiel, wenn Halter und Versicherungsnehmer auch noch voneinander abweichen. Es reicht also nicht aus, kein Bargeld anzunehmen.

Was raten Sie Betrieben in solchen Fällen zu tun?

Da gibt’s nur eines: eine Verdachtsmeldung beim Zoll abzugeben. Zuständig ist die zur Generalzolldirektion gehörende „Financial Intelligence Unit“, kurz FIU. Auf diese prasselt zwar gerade ein Hagel öffentlicher Kritik ein, die teilweise auch selbst verschuldet ist. Andererseits kann ich aber auch aus persönlicher Erfahrung sagen, dass die FIU durchaus bemüht ist, Händlern zu helfen. Der Umstand, dass dies manchmal noch ein wenig unbeholfen wirkt, ist mit dem Sprichwort „aller Anfang ist schwer“ ganz gut umschrieben. Der eingeschlagene Weg scheint mir aber der richtige zu sein.

Unterstützung bei der Umsetzung des neuen Geldwäschegesetzes erhalten Autohäuser und Werkstätten bei der 2. Fachtagung für Geldwäscheprävention. Diese veranstaltet der ZDK gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Geldwäscheprävention und der Akademie Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe, kurz TAK. Diese hält weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung auf ihrer Website parat.

Kommentare werden geladen....

Ihr Kommentar zum Thema

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45228497 / Verbände)

Plus-Fachartikel

Nicht alle sagen Adieu zum Diesel

Nicht alle sagen Adieu zum Diesel

Hat der Dieselantrieb eine Zukunft oder nicht? Gespräche und offizielle Verkündungen auf dem Genfer Autosalon zeigten: Die Meinungen darüber gehen bei den Herstellern und Importeuren aktuell deutlich auseinander. lesen

Neue Mobilitätskonzepte: Ich carshippe jetzt

Neue Mobilitätskonzepte: Ich carshippe jetzt

Eine Monatsrate, die alle Mobilitätskosten abdeckt, flexible Laufzeiten und das richtige Auto für jeden Zweck: Premiumhersteller tüfteln mit Hochdruck an neuen Flatrates. Aber auch freie Anbieter drängen auf den Markt – was heißt das für den Handel? lesen