Elektro-Pickup General Motors stoppt Beteiligung an Nikola

Autor: Andreas Grimm

Vor drei Monaten hatte die angekündigte Verbindung des Traditionsautobauers GM und des Start-ups Nikola für Begeisterung gesorgt. Seither stehen Betrugsvorwürfe im Raum. Nun zieht General Motors die Notbremse ohne Nikoka ganz fallen zu lassen.

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GM muss sich wohl weiter selbst um die Entwicklung der Elektromobilität kümmern. Der Einstieg bei Nikola ist geplatzt.
GM muss sich wohl weiter selbst um die Entwicklung der Elektromobilität kümmern. Der Einstieg bei Nikola ist geplatzt.
(Bild: GM)

General Motors hat seine Pläne gestoppt, sich am E-Auto-Startup Nikola zu beteiligen und gemeinsam den mit Brennstoffzelle betriebenen Pick-up Badger zu bauen. Die bisherigen Pläne wurden stattdessen durch ein unverbindliche Absichtserklärung ersetzt, man werde die Hydrotec-Brennstoffzellensysteme für die Nokola-Lkw liefern.

Anfang September hatte General Motors angekündigt, gut 10 Prozent an Nikola erwerben zu wollen. Kurz darauf waren Berichte aufgetaucht, dass Nikola weit davon entfernt sei, eine konkurrenzfähige Elektrofahrzeug-Technologie zu besitzen. Vielmehr habe das Start-up mit den übertriebenen Darstellungen versucht, Anleger zu finden.

Unternehmensgründer Trevor Milton hatte als Reaktion auf die Berichte sein Amt als Vorstandschef aufgegeben. Eine substanzielle Widerlegung der Vorwürfe habe bislang nicht stattgefunden, berichtet nun das Elektromobilitätsportal „Electrek“. Auch die Forschungsfortschritte beim Bau eines Brennstoffzellen-Lkw waren demnach deutlich zu positiv dargestellt.

Nach eingehender Prüfung der Sachlage und mutmaßlich auch der technischen Kompetenz bei Nikola, hat GM nun die Notbremse gezogen. Die unverbindliche neuen Absichtserklärung zur Brennstoffzellen-Lieferung ersetze die Ankündigung der Beteiligung vom September, heißt es nun in einem offiziellen Statement. Konkret betont GM, dass die neue Absichtserklärung die zuvor in Betracht gezogene GM-Beteiligung an Nikola nicht mehr enthält. Und weiter: „Nikola erstattet alle zuvor eingereichten Bestellungen für den Nikola Badger.“

Gleichwohl würde GM sein Hydrotec-Brennstoffzellensystem „gemäß den von beiden Unternehmen einvernehmlich festgelegten Spezifikationen entwickeln“, heißt es in einer Mitteilung aus Detroit. GM und Nikola wollen zudem den Leistungsumfang erörtern, den GM für die Integration des Brennstoffzellensystems in die Fahrzeuge von Nikola erbringen müsste.

Nikola galt bis in den September hinein als ernst zu nehmender Konkurrent zu Tesla bei der Entwicklung elektrischer Pick-up-Trucks und Lkw. Das Unternehmen sorgte Mitte des Jahres mit ambitionierten Wachstumsplänen für Begehrlichkeiten an der Börse. Zwischenzeitlich wurde Nikola von Anlegern sogar höher bewertet als der Ford-Konzern, obwohl die Firma bislang noch kein einziges marktreifes Produkt im Angebot hat.

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 Andreas Grimm

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Fachredakteur Management & Handel, Redaktion »kfz-betrieb«