Genf: Autosalon zwischen Spaß und Vernunft

Autor / Redakteur: sp-x / Gerd Steiler

Die automobile Frühlingsschau gilt seit jeher als Stimmungsbarometer der internationalen Autobranche. Die Aussteller des Salons 2011 geben sich Mühe, emotionalen Fahrspaß und ökologischen Ernst zu versöhnen.

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( Archiv: Vogel Business Media )

Der Genfer Automobilsalon gibt sich gerne als grüne Messe. Ökokonzepte aller Art werden in einer eigenen Halle ausgestellt, und fast jeder Hersteller zeigt Modelle oder zumindest Konzepte mit Hybrid- oder Elektroantrieb. Gleichzeitig ist Genf auch die Messe der Sportwagen und Spaßmobile, von denen traditionell viele nie den Unbilden des Marktes ausgesetzt werden. Spielmobile wie der Rinspeed Bamboo zeigen den Spaß am Auto und bringen frische Ideen in die Frühlingsschau am Lac Léman.

Facettenreiches Angebot

Aber auch die großen Hersteller versuchen, emotionalen Spaß und ökologischen Ernst zu versöhnen. Nicht unbedingt in einem Auto, aber in vielen Facetten des Angebots. Zu den Stars der Messe gehört zweifellos die Alfa Romeo-Studie 4C. Der kleine Zweisitzer gibt ein deutliches Statement zur Zukunft von Alfa ab und zeigt, wie künftig Fahrspaß mit leichten und deshalb agilen Modellen umgesetzt werden kann. Ähnlich gestrickt ist auch der Toyota FT 86. Der Nachfolger des Celica soll mehr Emotionen für die traditionell eher nüchterne Marke erzeugen, die ansonsten in Genf auf Hybride und Hybridstudien setzt.

Zur Spaßfraktion zählt zweifellos auch das Golf Cabrio, das die Wolfsburger als Höhepunkt ihres Messeauftritts vorstellen. Aufmerksamkeit verdient auch die Bulli-Studie der Niedersachsen oder das Konzept eines kleinen, sehr dynamisch wirkenden SUV bei der Konzerntochter Seat. Wie man Dynamik und Ökologie verbindet, zeigt Porsche mit dem Panamera S Hybrid. Mit einem hervorragenden Verbrauchswert von 6,8 Litern ist der Viertürer ein deutliches Statement für Leistung und Umwelt.

BMW-i: Premiummarke gibt sich „grün“

Besonders „grün“ gibt sich BMW. Die Bayern haben ihre neue Marke BMW-i mit nach Genf gebracht, die künftig Elektrofahrzeugen und Hybriden vorbehalten ist. Als Vorbote gilt die Sportwagenstudie Vision Connected Drive. Den traditionellen Bedürfnissen der sportiven Kundschaft entspricht aber eher das 650i Cabrio, das hier seine Europa-Premiere feiert. Spannend ist zweifellos die Studie eines elektrischen Rolls-Royce, mit der die Briten die Akzeptanz dieses Antriebs bei ihren Kunden erforschen wollen.

Ein paar Meter weiter zeigt Mercedes die aufgefrischte C-Klasse, vor allem aber, wieder als Vertreter der Spaßfraktion, den neuen SLK. Auch das gleichfalls neue Coupé der C-Klasse zählt zu den vergnüglichen Autos auf dem Salon. Das gilt natürlich erst recht für den neuen Lamborghini Aventador. Als lupenreiner Vertreter der Supersportwagen blendet er das Thema Ökologie allerdings trotz um 20 Prozent reduzierter Verbrauchswerte weitgehend aus und bleibt damit auf einer Linie mit dem viersitzigen Ferrari FF oder dem Bentley Supersports Convertible.

Toyota: Autos der Vernunft

Die Lehre der reinen Vernunft vertritt Toyota mit dem Ausbau der Prius-Familie. In Genf steht der Prius + als praktische Ausbaustufe des Hybridmodells. Die übrigen japanischen Hersteller halten sich in diesem Jahr eher dezent zurück. Erwähnenswert sind der Honda Jazz Hybrid, die Impreza-Studie von Subaru oder der elektrische Nissan Esflow. Dagegen trumpfen die koreanischen Marken wie schon auf der Motor Show in Detroit auf. Hyundai hat neben dem ungewöhnlichen Sportcoupé Veloster den i40 mitgebracht - die neue Mittelklasse-Baureihe der Koreaner, die den in Europa nicht sehr glücklichen Sonata ablöst. Kia zeigt mit dem Kleinstwagen Picanto, dem Kleinwagen Rio und der Hybridversion der Mittelklasse-Limousine Optima gleich drei Neuheiten.

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Nicht als Hybrid wird es wohl den Opel Zafira geben. Eine Studie des Familienvans zeigt, wie das Serienmodell zur IAA im Herbst aussehen dürfte. Zur Vernunftfraktion zählt auch der Ford B-Max, von konventionellen Diesel- und Benzinmotoren angetrieben und mit Schiebetüren sowohl familien- als auch seniorenfreundlich. Schließlich werden nicht nur in der Schweiz die Kunden eher älter als jünger. Das alljährliche Familientreffen der Autobranche ist in diesem Jahr eben sowohl auf vernünftige ältere Kunden wie auf Spaß suchende jüngere Fans eingestellt.

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