Genfer Luxuskarossen: Hauptsache teuer

Autor / Redakteur: sp-x / Dipl.-Päd. Gerd Steiler

Noble Karossen gehören zum Genfer Autosalon wie das Fondue zur Schweiz. Auch dieses Jahr geizt die spannende Messe nicht mit Offerten im sechsstelligen Euro-Bereich.

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Preisliche Speerspitze ist der neue Rolls Royce Wraith mit glatt 245.000 Euro.
Preisliche Speerspitze ist der neue Rolls Royce Wraith mit glatt 245.000 Euro.
(Foto: Rolls-Royce)

Die Gegend um den Genfer See ist schon ein besonderes Pflaster. Die Grundstücke entlang des Ufers kosten ein Vermögen, und laut Statistik belegt der Kanton Genf Platz zwei im Ranking der reichsten Schweizer Gliedstaaten. Da passen die luxuriösen Autos auf dem Parkett des traditionsreichen Genfer Autosalons, für die Preise jenseits der 100.000-Euro-Marke aufgerufen werden, natürlich perfekt ins distinguierte Umfeld.

Preisliche Speerspitze (von den ganz exklusiven Supersportlern einmal abgesehen) dürfte der neue Rolls Royce Wraith mit glatt 245.000 Euro sein. Zuletzt bedeutete der Modellname eine Verlängerung des Radstands, es handelte sich in den Siebzigern nämlich um die Langversion der berühmten Limousine Silver Shadow. Heute geht die Bezeichnung Wraith mit einer Verkürzung des Radstands einher – die wuchtige Neuerscheinung ist ein Coupé. Eines mit interessanten technischen Highlights wie einem Getriebe, das GPS-Daten und damit Straßen-Informationen nutzt, um die Schaltstrategie zu verbessern.

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Zahllose Assistenzsysteme unterstützen den Fahrer dabei, den 2,4-Tonner zu bewegen. Und der bewegt sich bei entsprechendem Gasfuß recht fix, was angesichts 465 kW/632 PS auch kein Wunder ist. Mit einer Außenlänge von 5,26 m lässt sich der Brite auf freier Bahn deutlich angenehmer dirigieren. Ein ausladender Innenraum mit schierem Überfluss an Naturmaterialien wie Holz und Leder setzen dem neuen Wraith die Krone auf.

Edle Briten

Die beansprucht natürlich auch der taufrische Bentley Flying Spur in der Disziplin hochkarätige Limousinen, bei dem die Modell-Bezeichnung „Continental“ ab sofort den Zweitürern vorbehalten bleibt. Mit jetzt 460 kW/625 PS liegt die große Limousine gar 15 PS über der früheren Speed-Version und meldet damit laut und deutlich Anspruch auf die linke Autobahnspur an. Üppige Fauteuils bieten den Passagieren maximalen Komfort, die Beinfreiheit im Fond ist geradezu verschwenderisch. Große Bildschirme in den Vordersitzlehnen erlauben entspanntes Internetsurfen während der Fahrt. Der Grundpreis ist mit 191.590 Euro High-Society-fähig.

Mit etwas Glück bleibt der dritte Brite im Bunde, der modifizierte Aston Martin Rapide S, knapp unter 200.000 Euro. Einen exakten Endpreis nennt die feine Schmiede aus Gaydon noch nicht, allerdings soll sich der Kurs am abgelösten Modell orientieren. Mit einem riesigen Kühlergrill macht der sportlich ausgelegte Viertürer auf sich aufmerksam und zeigt sich deutlich erstarkt. Die Leistung stieg um satte 82 PS auf nunmehr 410 kW/558 PS und soll endlich die Beschleunigungsschwäche im oberen Geschwindigkeitsbereich ausmerzen.

Weiß-Blaue Verführung

Solche Probleme kennen weder Audi RS6 Avant noch BMW M6 Gran Coupé. Beide liefern exakt 412 kW/560 PS an die Hinterräder respektive an alle vier Räder beim Audi. Auch in puncto Hubraum liegen die Kandidaten nicht weit auseinander; glatte vier Liter Volumen gibt es beim RS6, während der BMW-V8 4,4 Liter bereitstellt. Turbolader sind in beiden Fällen mit von der Partie, schließlich verfolgen die Ingenieure das Ziel, den Verbrauch so weit wie möglich herunterzubrechen. Und wenn schon nicht aus finanziell motivierten Gründen, dann wegen der CO2-Warnung aus Brüssel.

Mit 107.900 Euro muss der Normalverdiener für den Audi geringfügig kürzer sparen als für den BMW (128.800 Euro). Während bei der Offerte aus Ingolstadt neben höchster Performance und Souveränität beim Antrieb auch noch der praktische Nutzen eine Rolle spielt – Gepäckraumvolumen bei umgeklappten Sitzen über 1.600 Liter –, soll das M6 Gran Coupé eher die Feingeister der Performance-Liebhaber ansprechen. Nützlichkeit hindert den Audi keineswegs daran, bei Verzicht der elektronischen Begrenzung 305 km/h schnell zu werden. Für 250 Sachen reicht es allerdings in jedem Fall – das gilt für beide Bayern.

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