Spar Depot goes Südafrika 2011

27.03.2014

Frankfurt oder Johannesburg ? Die Zukunft macht den Unterschied Unbemerkt von der deutschen Presse hat vom 8. bis 16. Oktober 2011 die 2. Johannesburg International Motor Show stattgefunden, Nachfolgerin der Auto Africa Motor Show. Untertitel „Beyond Imagination“. Und das trif...

Frankfurt oder Johannesburg ?

Die Zukunft macht den Unterschied

Unbemerkt von der deutschen Presse hat vom 8. bis 16. Oktober 2011 die 2. Johannesburg International Motor Show stattgefunden, Nachfolgerin der Auto Africa Motor Show. Untertitel „Beyond Imagination“. Und das trifft zu. Denn schaut man sich die Ausstellerliste an, liest es sich wie das who-is-who der auch uns in Deutschland bekannten Automobilproduzenten. Von A wie Alfa Romeo bis V wie Volvo. Plus all der anderen, regionalen und internationalen Fahrzeugmarken, die im deutschen Autoland keine Rolle spielen.

Was macht den Unterschied? Warum gönnt sich Audi in Südafrika einen Hallenplatz, nicht aber auf der IAA? Warum ist Nissan in Johannesburg vertreten, sogar mit einem Referenten in der parallel stattfindenden CarConference, nicht aber in Frankfurt? VW baut den größten Standplatz und feiert sein 60jähriges Bestehen in Südafrika. Tim Lee, President GM International Operations, gibt sich ein Stelldichein und referiert über die Entwicklung globaler und internationaler Marken und Autoproduktionen.

An der Besuchermenge und Ausstellerzahl kann es nicht liegen, Frankfurt verzeichnete 928.000 Besucher, Johannesburg 225.000. In Frankfurt zeigten sich gut über 1.000 Aussteller aller Größen, Johannesburg bot Platz für 220, darunter 36 Pkw Automobilhersteller. Während 12.000 Journalisten rund um die Welt über die IAA berichteten, muss man Informationen über die Johannesburg International Motor Show sehr mühsam suchen.

„Beyond Imagination“ meint etwas anderes. Nämlich die Tatsache, dass in einem solchen Markt – Südafrika hat rund 48,5 Mio. Einwohner – zum Teil recht ähnliche Verhältnisse herrschen wie in Deutschland. Nur dass dieser Markt für die Global Player unter den Automobilherstellern ein boomender ist; ein Markt, der ähnlich wie die asiatischen Märkte eine Zukunft hat. Eine Zukunft, die den Einfluss der europäischen, des deutschen Marktes gewaltig beschränken kann.

CarConference als Augenöffner

In der zeitgleich stattfindenden CarConference mit 10 hochrangigen Sprechern und rund 400 Teilnehmern fand man deutliche Worte. Zusätzlich standen in den Pausen standen die Sprecher zu Interviews bereit, eine Chance, die außer Elisabeth Bongartz kein anderer ausländischer Journalist nutzte, weil schlicht kein anderer da war.

Tim Lee präsentierte die klare Ausrichtung und die Markenprinzipien von GM auf Wachstumsmärkte. Deutschland ist – konsequent zu Ende gedacht – in diesem Szenario dann nicht mehr der Nabel der Welt in Sachen Autoentwicklung. Technischer Ideengeber ja, aber inwieweit passen dann die für die Welt gedachten Produkte noch in den deutschen Markt?

Die dahinter stehenden Daten und Fakten stellte David Powels dar, nicht nur NAAMSA President, sondern auch VW South Africa Managing Director.

Und hier konnten sich alle Zuhörer von dem Gedanken verabschieden, dass Südafrika noch das Land der unbegrenzten (Auto-)Möglichkeiten ist.

  • 60 Automarken und 1.309 Automodelle streiten um die Gunst der Autofahrer! Damit ist das Thema „Customer retention“, landläufig Kundenbindung und –rückgewinnung auch in einem Land längst überlebenswichtig, bei dem wir hier in Deutschland meist nur in der Kategorie Urlaub denken.
  • Während Europa und Nord Amerika sich 1970 zu je einem Drittel die Produktionswelt teilten, stellen sie heute gerade noch 33 % gemeinsam dar.
  • Die südafrikanische Regierung hat den Ausbau der Automobil- und Zulieferindustrie im Land so stark unterstützt, dass der Export in andere afrikanische und BRIC Staaten gesteigert werden konnte

Im Interview angesprochen auf die Volkswagen Markenpalette schüttelte David Powels den Kopf. Angesichts der Markenflut und des starken Drucks aus dem chinesischen Markt bleiben Seat und Skoda in Südafrika außen vor. VW forciert wie in Europa die Trennung von VW und Audi, der Terminal als neues Gebäudedesign wird eingeführt.  

Zu den Rednern der Car Conference zählten auch Xavier Gobille, Managing Director of Renault South Africa und Pierre Loing, Vice President Product Planning & Zero Emission BU Nissan International SA.

Wer wissen will, was die Europäer erwartet, der sollte sich die Shows und Konferenzen in den Wachstumsmärkten ansehen, die Global Player anhören und daraus den Schluss ziehen, dass Deutschland zu den "alten Ländern" gehört. Gut für Ideen, stabile Entwicklungskriterien, saubere Ingenieurskunst und sicheren Absatz. Aber nicht mehr unbedingt entscheidend für die internationale Rangliste.