Neuwagen Gewerbe- und Elektrozulassungen legen kräftig zu

Autor: Andreas Grimm

Die Aufwärtsentwicklung am Neuwagenmarkt hat sich im Juni fortgesetzt. Im Gewerbekunden- wie im Privatkundengeschäft kletterten die Zulassungszahlen. Trotzdem ist das Halbleiterproblem sichtbar.

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Im Februar hat Volkswagen über 650.000 Autos an den Mann oder die Frau gebracht.
Im Februar hat Volkswagen über 650.000 Autos an den Mann oder die Frau gebracht.
(Bild: VW)

Die gewerblichen Neuzulassungen bleiben das Zugpferd des Neuwagenmarktes. Wie aus einer Analyse der Zulassungsdaten des Kraftfahrt-Bundesamts durch die Marktforschung Dataforce hervorgeht, stiegen die Erstanmeldungen in diesem Vertriebskanal im Juni wie schon in den Vormonaten überdurchschnittlich stark. Doch auch das Privatkundengeschäft lief passabel.

Konkret wurden im Juni 74.469 Neufahrzeuge auf Firmenkunden und Gewerbetreibende zugelassen. Das waren 31,1 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Zum Vergleich: Die gesamten Neuzulassungen legten im vergangenen Monat um 24,5 Prozent zu. Dank des deutlichen Anstiegs hat der gewerbliche Absatzkanal inzwischen fast wieder das Vorkrisenvolumen erreicht. Im Juni 2019 waren über diesen Kanal rund 77.500 Einheiten erstmals zugelassen worden.

In diesem Absatzkanal tritt zugleich der Trend zu E-Fahrzeugen deutlich sichtbar zu Tage. Nach Angaben von Dataforce entfielen 31,3 Prozent der Neuzulassungen auf Elektrofahrzeuge (BEV und PHEV). Damit übertraf der Elektro-Anteil den bisherigen Höchststand vom Dezember 2020. Damals sorgten Sondereffekte wie das Auslaufen des verminderten Mehrwertsteuersatzes für zusätzliche Nachfrage von Käufern.

Die Entwicklung hin zu alternativen Antrieben geht zu Lasten von Diesel-Fahrzeugen. Der Anteil der Selbstzünder in Flotten sank von 50,5 Prozent im Juni 2020 auf 36,0 Prozent im abgelaufenen Monat.

Leicht überdurchschnittlich entwickelte sich im Juni zudem das Privatkundengeschäft – obwohl dieser Kundenkreis in seinem Konsumverhalten noch gebremst wird. 90.555 Neuzulassungen von privat bedeuten einen Anstieg um 25,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Auch hier hilft der Vergleich mit dem Juni 2019 bei der Einordnung: Vor zwei Jahren hatten Privatkunden noch für 116.500 Neuzulassungen gesorgt. „Die aufgestaute Nachfrage ist da, braucht aber nach Öffnung der Autohäuser etwas länger, um sich in den Zulassungszahlen wiederzufinden“, analysiert Dataforce die Lage.

Ebenfalls mehr oder weniger im Rahmen der Marktentwicklung zugelegt haben die Eigenzulassungen der Händler. Über diesen Kanal flossen im Juni 54.482 Pkw neu in den Markt. Das waren 25,6 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, aber ein gutes Fünftel weniger als im Juni vor zwei Jahren. Gleichzeitig übten sich die Hersteller und Importeure in Zurückhaltung hinsichtlich der Eigenzulassungen. Sie brachten 16.621 Fahrzeuge in den Markt – 4,2 Prozent mehr als vor Jahresfrist.

In diesem Wert spiegelt sich der Halbleitermangel in der Industrie wider. Solange die Produktion nicht nachkommt, hat die Industrie wenig Interesse an einer Verkaufsförderung über Kurzzulassungen. Daraus lässt sich möglicherweise auch die vergleichsweise schwache Entwicklung der Neuzulassungen der Vermieter erklären. Sie orderten im Juni 38.025 Fahrzeuge, das waren 18,4 Prozent mehr als vor Jahresfrist.

Transportermarkt wächst langsamer

Im Transportermarkt, in dem Dataforce die Neuzulassungen von leichten Nutzfahrzeugen und Pkw-Utilities zusammenfasst, ist die Entwicklung etwas anders. Grundsätzlich liegen die ermittelten 49.371 Neuzulassungen im Juni auf dem Niveau des Jahres 2019 (damals 49.739 Einheiten). Im Vergleich zum Juni 2020 fällt der Zuwachs mit 15,1 Prozent aber weniger stark aus als im Gesamtmarkt.

Dominanter Vertriebskanal ist im Transportermarkt das gewerbliche Geschäft. Hier legten die Neuzulassungen um 18,1 Prozent auf 21.427 Einheiten zu. Zweitstärkstes Segment ist der Privatmarkt mit einem Plus von 27,1 Prozent. Ein dritter Wachstumstreiber sind die Autovermieter (+ 38,9 %). Dagegen gingen die Eigenzulassungen sowohl der Hersteller (-17,9 %) als auch des Handels (-13,2 %) deutlich zurück. Auch hier dürften die Halbleiter-Engpässe dazu geführt haben, dass keine Notwendigkeit oder auch keine Ware für diese Art der Verkaufsförderung zur Verfügung stand.

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Über den Autor

 Andreas Grimm

Andreas Grimm

Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«