Gewerkschafter sehen VW mindestens auf Tesla-Niveau

Autor / Redakteur: dpa / Andreas Grimm

Alle Welt redet derzeit von Tesla als supererfolgreichem E-Auto-Bauer. Doch zumindest der Volkswagenkonzern muss sich hinter den Kaliforniern nicht verstecken, glauben mehrere Gewerkschafter. Die Stückzahlen von Tesla könne VW ebenso erreichen.

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Der Modulare Elektrobaukausten ist ein zentrales Element für VW im Wettstreit mit Tesla. Im Bild zu sehen ist die Bodengruppe des Skoda Enyaq.
Der Modulare Elektrobaukausten ist ein zentrales Element für VW im Wettstreit mit Tesla. Im Bild zu sehen ist die Bodengruppe des Skoda Enyaq.
(Bild: Grimm/»kfz-betrieb«)

Die deutsche Autoindustrie muss sich nach Worten des IG-Metall-Vorsitzenden Jörg Hofmann beim Bau von Elektroautos nicht vor dem US-Hersteller Tesla verstecken. „Tesla muss uns nicht zeigen, wie Elektroautos gehen“, sagte Hofmann der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. „Während Tesla hochsubventioniert seine Fabrik in Brandenburg gerade erst baut, wird 200 Kilometer südlich im Zwickauer VW-Werk bereits E-Mobilität produziert, in deutlich höheren Stückzahlen.“

Die deutsche Autoindustrie sei in der Lage, nächstes Jahr 1,5 Millionen Elektrofahrzeuge zu produzieren. „Die interessante Frage ist: Unter welchen Bedingungen wird Tesla produzieren? Wie wir es in Deutschland kennen, oder endet die Demokratie am Werkstor – weil keine Mitbestimmung und keine Tarifverträge geduldet werden, weil Menschen unter prekären Bedingungen arbeiten, in Polen und Rumänien eingekauft werden?“ Er habe von den Fans des Tesla-Chefs Elon Musk in der deutschen Politik bisher wenig Kritisches zu Tesla gehört, fügte Hofmann hinzu.

Musk hatte am Donnerstag erstmals die Baustelle seiner geplanten Elektroautofabrik in Grünheide bei Berlin besucht. Tesla baut dort derzeit eine Elektroautofabrik, die ab Sommer 2021 rund 500.000 E-Autos im Jahr fertigen soll. Die komplette umweltrechtliche Genehmigung durch Brandenburg steht allerdings noch aus.

Auch Osterloh zeigt sich kämpferisch

Auch VW-Gesamtbetriebsratschefs Bernd Osterloh sendet kämpferische Aussagen Richtung Tesla. Er sehe gute Chancen, dass der Wolfsburger Autobauer Tesla hinsichtlich der Stückzahlen überholen kann. „Wenn Tesla drei Fabriken aufbaut, in denen man zwischen 300.000 und 500.000 Autos bauen kann, dann reden wir von einer Stückzahl zwischen 900.000 und 1,5 Millionen“, rechnete er im Gespräch mit der „Welt am Sonntag“ vor. „Dieses Ergebnis wollen wir 2023 auch erreichen, wahrscheinlich schon früher.“

Der Volkswagen-Konzern könnte beim Bau von E-Autos schneller vorankommen als geplant, prognostizierte Osterloh. VW habe mit dem Modularen Elektrobaukasten (MEB) einen großen Vorteil, da sich auf der Plattform beliebige Fahrzeuge aller Marken bauen lassen. Zuerst hatte VW den ID 3 als Elektro-Vorreiter auf dieser Plattform realisiert. Auch der jüngst vorgestellte Enyaq von Skoda steht auf der MEB-Plattform, ebenso der bald offiziell vorgestellte ID 4.

Osterloh zufolge könnten Elektroautos auch im Stammwerk Wolfsburg gebaut werden. „Es besteht natürlich die Möglichkeit, den Standort Wolfsburg auf Elektroautos umzurüsten“, sagte er. „Wenn die Stückzahlen der Verbrenner stark runtergehen, dann werden wir als Betriebsrat fordern, dass wir hier auch ein Batteriefahrzeug fertigen.“

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