GM: Raus aus Russland

Ausstieg kostet bis zu 600 Millionen US-Dollar

| Autor: Jens Rehberg

Die Schließung der GM-Fertigung in Sankt Petersburg betrifft rund 1.000 Mitarbeiter.
Die Schließung der GM-Fertigung in Sankt Petersburg betrifft rund 1.000 Mitarbeiter. (Grafik: kfz-betrieb)

General Motors (GM) zieht in Russland die Reißleine und verabschiedet sich mit seinen Volumenmarken Chevrolet und Opel aus dem Krisenmarkt. Wie der Hersteller am Mittwoch in Detroit mitteilte, soll das GM-Werk in Sankt Petersburg mit rund 1.000 Mitarbeitern bereits zur Jahresmitte zumachen. „Wir mussten entschiedene Maßnahmen in Russland ergreifen, um unser Geschäft zu schützen“, begründete Opel-Chef Karl-Thomas Neumann in Rüsselsheim die Entscheidung der Konzernmutter. Der Handel mit Opel- und Chevy-Modellen in Russland soll zum Jahresende eingestellt werden. Auch die Auftragsfertigung von Chevrolet-Fahrzeugen bei GAZ wird noch dieses Jahr beendet.

Der Rückzug von Opel aus Russland könnte sich auch auf das deutsche Opel-Geschäft auswirken. Dem „Handelsblatt“ sagte Neumann, die rund 70.000 Einheiten, die der Hersteller ursprünglich 2015 in Russland hatte vermarkten wollen, sollen nun in anderen europäischen Märkten abgesetzt werden. Das könnte erhöhten Verkaufsdruck auch für das deutsche Vertriebsnetz bedeuten. Opel wollte sich am Mittwoch auf Anfrage von »kfz-betrieb« nicht festlegen, wieviele Einheiten konkret in Deutschland nun zusätzlich abgesetzt werden sollen.

Cadillac darf bleiben

Komplett aufgeben will GM den einstigen Hoffnungsmarkt Russland indes nicht – Premiummodelle von Cadillac sowie Corvettes, Camaros und Chevy Tahoes will der Konzern weiterhin dort anbieten. Und das Joint Venture GM-Avtovaz wird weiterhin die derzeitige Generation des Chevrolet Niva bauen und vermarkten.

Der weitgehende Ausstieg aus dem russischen Markt hat für GM nach eigenen Angaben voraussichtlich Netto-Sonderbelastungen von bis zu 600 Millionen US-Dollar zur Folge, die vorrangig im ersten Quartal 2015 anfallen. Diese Summe beinhalte Ausgaben für Verkaufsförderprogramme und für Ausgleichszahlungen sowie Belastungen für Vertragsauflösungen und Abfindungen. Etwa 200 Millionen Euro der Gesamtbelastungen seien nicht-zahlungswirksame Aufwendungen.

Der russische Automarkt war 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 10 Prozent auf ein Volumen von rund 2,5 Millionen Neuwagen zurückgegangen. Experten rechnen für das laufende Jahr mit einem Absturz auf 1,5 Millionen Einheiten.

Opel hatte im vergangenen Jahr in Russland 65.000 Einheiten verkauft – 20 Prozent weniger als 2013. Chevrolet hatte sogar 30 Prozent Volumen eingebüßt. Schon im Dezember hatte GM angesichts des Einbruchs beim russischen Rubel die Verkäufe in Russland vorrübergehend gestoppt.

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