Goodyear-Reifen produziert Strom

Konzeptstudien geben Ausblick auf künftige Reifenfunktionen

| Autor: Jan Rosenow

Goodyear BH03: Der Reifen, der Strom produziert.
Goodyear BH03: Der Reifen, der Strom produziert. (Foto: GDTG)

Trotz allen Fortschritts in den letzten Jahren sind Reifen bis heute passive Objekte, die nichts tun, als Kraft zu übertragen. Zwei Konzeptstudien, die der Reifenhersteller Goodyear auf dem Genfer Autosalon präsentiert hat, weisen aber nun in eine mögliche Zukunft, in der Reifen elektrische Energie erzeugen und ihre Form aktiv verändern können.

Unter der Bezeichnung BH03 gab es in Genf einen Gummi zu sehen, dem spezielle thermo- und piezoelektrische Materialien die Fähigkeit geben, aus der Wärme und den Verformungen, die im Fahrbetrieb auftreten, Strom zu produzieren. Wie viel Energie dabei entsteht, hat Goodyear nicht verraten – viel mehr als einige Hundert Watt dürften es aber kaum werden. Der Traum vom elektrischen Perpetuum Mobile bleibt also unerfüllt. Aber immerhin könnte die Reifenenergie dazu dienen, die Nebenverbraucher von Elektrofahrzeugen zu speisen und damit die Batterie zu entlasten. Außerdem sollen die Strom erzeugenden Werkstoffe ein „3D-Netz“ bilden, das den Reifen im Pannenfall stützt – ein möglicher Ersatz für die heute übliche Runflat-Technik mit verstärkter Seitenwand.

Serienproduktion ist nicht geplant

Goodyear hat nicht vor, den BH03 in Serie zu produzieren, hieß es bei der Präsentation. Damit erübrigen sich auch Fragen nach den Kosten des aktiven Materials.

Das gleiche gilt für die zweite Genfer Goodyear-Innovation „Triple Tube“. Sie löst ein sehr viel alltagsnäheres Reifenproblem und gibt den Autoherstellern zudem neue Freiheitsgrade bei der Fahrzeugabstimmung und der aktiven Sicherheit.

Der richtige Reifendruck ist für das Fahrverhalten und den Kraftstoffverbrauch bekanntlich von großer Bedeutung – diese Erkenntnis hat uns in letzter Zeit etwa das Reifendruckkontrollsystem beschert. Viel besser wäre es aber doch, wenn der Reifen oder das Auto den benötigten Fülldruck selbstständig bereitstellen könnte – dann ließe er sich auch viel schneller an unterschiedliche Beladung und Fahrweisen einstellen.

Die Goodyear-Entwickler sind diese Aufgabe mit einer reifeninternen Pumpe und drei individuellen Luftkammern bzw. -schläuchen angegangen. Damit lässt sich nicht nur der Reifendruck, sondern auch die Reifenkontur variieren – je nachdem, ob der Fahrer gerade eine Kurvenhatz oder eine Autobahntour absolviert. Auch die Pannensicherheit profitiert von den „Triple Tubes“, denn normalerweise würde bei einem Durchstich nur eine Kammer zerstört und der Pneu bliebe tragfähig.

Auch der „Triple Tube“ ist natürlich ein reines Gedankenexperiment und dürfte keinen Weg in die Serienproduktion finden. Doch die Idee der internen Pumpe – die Goodyear bereits auf dem Genfer Salon im Jahr 2012 vorgestellt hat – ist äußerst vielversprechend und sollte unbedingt weiterverfolgt werden.

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