Gut gerüstet für die Nachwuchswerbung

Autor / Redakteur: Edgar Schmidt / Edgar Schmidt

Der ZDK stellte auf dem 9. Bundes-Berufsbildungskongress das neu geordnete Berufsbild für die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker vor. Weitere Themen waren Ausbildungsmarketing sowie der richtige Umgang mit den Jugendlichen.

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ZDK-Geschäftsführerin Birgit Behrens hatte mit ihrer Mannschaft einen sehr informativen Bundesbildungskongress gestaltet.
ZDK-Geschäftsführerin Birgit Behrens hatte mit ihrer Mannschaft einen sehr informativen Bundesbildungskongress gestaltet.
(Foto: Schmidt)

Der Kfz-Mechatroniker ist und bleibt der beliebteste Ausbildungsberuf im Handwerk. Darauf wies Robert Rademacher, Präsident des Zentralverbands Deutsches Kfz-Gewerbe (ZDK), in seiner Eröffnungsrede auf dem 9. Bundes-Berufsbildungskongress des ZDK hin. Die „Faszination Auto“ scheine bei den Jugendlichen ungebrochen, wenn es um die Gestaltung ihrer individuellen Mobilität gehe – trotz des sich teilweise verändernden Bewusstseins der jungen Generation, stellte der ZDK-Präsident fest.

Obwohl zurzeit circa 90.000 junge Menschen in sechs Berufen des Kfz-Gewerbes ausgebildet würden, sei der demografische Wandel nicht aufzuhalten. Sinkende Schülerzahlen an Haupt- und Realschulen verkleinerten die Gruppe junger Menschen, um die sich viele Ausbildungsbranchen bemühten. Deshalb sei es besonders wichtig, intensiv für die Autoberufe zu werben.

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Für diese Aufgabe böte die Initiative „Autoberufe – Mach Deinen Weg“ bereits seit 30 Jahren vielfältige Instrumente; seit Neuestem auch mit der Azubi-Börse im Internet, die sowohl für die Betriebe als auch für die Bewerber ein zeitgemäßes Instrument sei, um geeigneten Nachwuchs beziehungsweise einen Ausbildungsplatz zu finden.

Der neue Kfz-Mechatroniker

Um den aktuellen Veränderungen in der Automobilbranche gerecht zu werden, hat der ZDK auch die Ausbildungsordnung für den Kfz-Mechatroniker neu gestaltet und inhaltlich angepasst.

Die wichtigsten Änderungen:

  • Die neue Ausbildungsverordnung für den Kfz-Mechatroniker tritt voraussichtlich zum 1. August 2013 in Kraft. Der ZDK erwartet die Veröffentlichung der Ausbildungsordnung Mitte Juni im Bundesgesetzblatt.
  • Die Erprobungsverordnung für die Ausbildung zum Kfz-Servicemechaniker läuft aus, in diesem Beruf können keine weiteren Ausbildungsverhältnisse abgeschlossen werden.
  • Die Ausbildung zum Mechaniker für Karosserieinstandhaltungstechnik wird zum 1. August ebenfalls aufgehoben, auch in diesem Beruf können deshalb keine neuen Ausbildungsverträge mehr abgeschlossen werden.
  • Der Kfz-Mechatroniker bekommt fünf statt bisher drei Schwerpunkte.

Die drei bekannten:

  • Pkw-Technik,
  • Nutzfahrzeugtechnik,
  • Motorradtechnik,

sowie zwei neue:

  • System- und Hochvolttechnik,
  • Karosserietechnik.

Neu ist außerdem, dass sich die Ausbildung nicht mehr in eine berufsfeldbreite Grundbildung für das erste Jahr und eine Fachbildung für das zweite, dritte und vierte Ausbildungsjahr gliedert. Die Inhalte teilen sich nun in eine Ausbildungsphase vor Teil 1 der gestreckten Abschlussprüfung (1. bis 18. Monat) und eine Phase nach Teil 1 der gestreckten Abschlussprüfung.

Ziel der neu strukturierten Inhalte ist es laut ZDK-Referent Joachim Syha, die Auszubildenden schon frühzeitig in den Arbeitsprozess des Kunden- bzw. Serviceauftrags heranzuführen. Neue Inhalte seien beispielsweise die Hochvolttechnik und die Arbeiten an einer Klimaanlage. Außerdem werden die Azubis künftig bereits in ihrer Ausbildung mit der Pyrotechnik konfrontiert. Syha betont aber, dass auch künftig die Gesellenprüfung nicht die Zertifikate und entsprechende Sachkundenachweise ersetzen könne, weil die neue Ausbildungsordnung diese Themen nicht als prüfungsrelevant vorschreibe.

Dass es wichtig ist, die Hochvolttechnik bereits in die Ausbildung zu integrieren, unterstrichen auch Vertreter der Automobilhersteller auf dem Kongress. So zeigte Beispielsweise Dirk Breuer von Toyota in seinem Vortrag auf, wie sich die Modellpallette des japanischen Herstellers in den vergangenen Jahren entwickelt hat und wie sie sich weiter entwickeln wird. Erich Schott von der Audi AG forderte sogar, dass die Ausbildung künftig die Sachkundeschulungen zum Thema Hochvolt bereits beinhalten müsse.

Die Gesellenprüfung bleibt nach wie vor als gestreckte Prüfung erhalten. Teil 1 der Gesellenprüfung dauert nun jedoch fünf statt bisher sieben Stunden. Dieser Prüfungsteil hat aber weiterhin einen Anteil von 35 Prozent am Gesamtergebnis. Teil 2 der Gesellenprüfung ist zeitlich unverändert geblieben, es werden hier jedoch nur noch drei statt bisher vier Arbeitsaufgaben gestellt.

Detaillierte Informationen zu den neuen Inhalten der Kfz-Mechatroniker-Ausbildung liefert am 20. September das Forum von Vogel Business Media „Auto und Ausbildung“. Mehr zu diesem Thema erfahren Sie außerdem in Ausgabe 24/2013 von »kfz-betrieb«.

Die Psyche der Azubis

Andere Kernthemen des Kongresses waren das Azubi-Marketing sowie der Umgang mit jungen Menschen, um diese richtig zu fördern und nach der Ausbildung im Betrieb zu halten. Wertvolle Hinweise lieferte hierzu Kinder- und Jugendpsychiater Dr. Michael Winterhoff. Er setzt sich bereits seit Jahren mit den Gründen für die mangelnde Ausbildungsreife von Jugendlichen auseinander.

Als Ursachen dafür hat er psychische Reifedefizite bei den Jugendlichen ausgemacht. Es ist nach seiner Aussage aber noch nicht zu spät, mit den jungen Menschen an ihren Defiziten zu arbeiten, um die Psyche nachreifen zu lassen. Dafür sei eine stabile, wertschätzende Beziehung zum Ausbilder wichtig, in der er seinen Azubi führt und anleitet. Anstatt sich über das Fehlverhalten von Lehrlingen aufzuregen, empfiehlt Winterhoff, ihnen mehr Orientierung und Struktur zu geben – ohne dabei jedoch das Fehlverhalten durchgehen zu lassen.

Dr. Volker Born, Leiter Berufsbildung im Zentralverband des Deutschen Handwerks, lobte das Deutsche Kfz-Gewerbe für seine Aktivität rund um die Nachwuchswerbung, denn insbesondere andere Handwerksberufe hätten inzwischen in Deutschland ein Attraktivitätsproblem. Um den Schulabgängern auch künftig im Handwerk eine Perspektive bieten zu können, forderte er eine Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung: „Meister müssen die Möglichkeit haben, ein Studium zu beginnen.“

Acht verschiedene Fachforen

Wie ein zeitgemäßes Marketing zur Nachwuchswerbung aussehen kann, mit welchen Medien Ausbilder aus ihren Bewerbern die zum Betrieb passenden herausfiltern können und wie man gut ausgebildete Mitarbeiter an den Betrieb binden kann, konnten sich die Kongressteilnehmer in insgesamt acht Fachforen zum Teil selbst erarbeiten. Damit hatte der Kongress wieder auch einen sehr hohen praktischen Nutzen für die Teilnehmer.

Einen festlichen Höhepunkt des Kongresses stellte einmal mehr die Auszeichnung der besten Ausbildungsbetriebe im Kfz-Gewerbe dar. ZDK-Präsident Robert Rademacher, Geschäftsführerin Birgit Behrens, der Chefredakteur der Ausbildungsmagazine »autoFACHMANN« und »autoKAUFMANN« Werner Degen sowie Vertreter der Sponsoren überreichten die Pokale, Urkunden und Preisgelder für den Bundesbildungspreis des deutschen Kfz-Gewerbes 2013.

Im Jahr 2015 findet übrigens die zehnte Auflage des Bundes-Berufsbildungskongresses statt. Für dieses Jubiläum arbeitet die Abteilung Berufsbildung im ZDK an einer Überraschung und hat deshalb bisher weder den Termin noch den Ort dafür bekannt gegeben.

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