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GVO und Konjunktur: Experten diskutieren 2013

Redakteur: Christoph Baeuchle

Die Wirtschaft kühlt ab und die Schirm-GVO tritt im Sommer in Kraft. Was daraus für Herausforderungen für das Kfz-Gewerbe resultieren, diskutierten die Teilnehmer beim ZDK-Wirtschaftstreff in Köln.

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Wirtschaftsprofessor Michael Grömling erwartet in den kommenden Monaten eine schwache konjunkturelle Phase.
Wirtschaftsprofessor Michael Grömling erwartet in den kommenden Monaten eine schwache konjunkturelle Phase.
(Foto: Baeuchle)

Die Krise ist in Deutschland angekommen. Das sagt nicht nur das subjektive Gefühl, sondern zeigen auch die objektiven Fakten. „Wir laufen in eine schwache Phase“, sagte Michael Grömling vom Institut der deutschen Wirtschaft beim Wirtschaftstreff 2012, den der ZDK-Ausschuss Wirtschaft in Köln veranstaltet hat.

Ausschlaggebend dafür sind nicht zuletzt die Auftragseingänge, die seit einigen Monaten rückläufig sind. „Der gewerbliche Bereich ist am Rande einer Stagnation“, erläutert der Wirtschaftsprofessor. Bei der Industrieproduktion sei bereits die Luft weg, die Investitionstätigkeiten der Unternehmen seien seit vergangenem Jahr rückläufig. Bleibt als Hoffnungsanker der private Konsum. „Die gute Situation am Arbeitsmarkt ist für den privaten Verbrauch eine Bank“, betont Grömling. In den vergangenen Monaten habe der Arbeitsmarkt auf erfreulich hohem Niveau stagniert. In der Entwicklung sieht Grömling zwar keine Wachstumsperspektive, aber „es bleibt die Hoffnung, dass sich der private Konsum stabilisiert.“

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Erschwerend kommt für das Kfz-Gewerbe allerdings der neue wettbewerbsrechtliche Rahmen hinzu. Ab Juni 2013 gilt im Neuwagenvertrieb die branchenübergreifende Schirm-GVO. „Die neuen wettbewerbsrechtlichen Rahmenbedingungen zwingen die Automobilhersteller nicht zu einer Änderung der Verträge“, betont ZDK-Geschäftsführerin Antje Woltermann. Aber sie würden es ihnen ermöglichen. Dies nutzen zahlreiche Hersteller und führen Änderungen ein. Wie diese sich auswirken, hängt vom Einzelfall ab. „Es gibt Marken, die haben richtig in die Trickkiste gegriffen“, so Woltermann ohne Namen zu nennen.

Zudem haben Hersteller und Importeure die Gelegenheit genutzt und zusätzliche Änderungen vorgenommen, die nichts mit der GVO zu tun haben. In der Regel wurden die Standards erhöht und die Margen gesenkt. „Es braut sich zwar kein Unwetter zusammen, aber das Klima zwischen Hersteller und Handel verändert sich“, erläutert Woltermann die Auswirkungen.

Aus Sicht der ZDK-Geschäftsführerin ist es notwendig, aufgrund der Entwicklungen ein neues Vertriebskonzept zu erarbeiten. „Wir müssen uns Gedanken machen, wie ein Vertriebskonzept aussehen kann, das dem Handel ein rentables Arbeiten ermöglicht.“ Dabei könnte Carsharing eine Rolle spielen, wenn auch eine Nebenrolle. Stefan Reindl vom Institut für Automobilwirtschaft (HfWU Nürtingen-Geislingen) sieht nur geringe Auswirkungen auf den Neuwagenverkauf. „Dies spielt sich im homöopathischen Bereich ab.“ Langfristig rechne er mit einem Nutzerpotenzial von bis zu drei Millionen Fahrer. Dabei nutzen es die meisten zusätzlich zum eigenen Auto: „Lediglich 800.000 bis 900.000 Nutzer werden auf ein eigenes Auto verzichten.“

Diese Gruppe bestehe überwiegend aus jüngeren Menschen mit überdurchschnittlicher Bildung. „Diese werden älter und dann möglicherweise Kunden“, so Reindl. Entsprechend könne sich ein Engagement im Carsharing längerfristig auszahlen. Chancen dafür gibt es genug. So haben Autohäuser zum Beispiel Fahrzeugpools, die in der Regel am Wochenende nicht genutzt werden. Dies ist jedoch die Hochsaison für Carsharing-Anbieter. Eine Zusammenarbeit könne also sinnvoll sein, folgerte Reindl.

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