Faaren

„Händlermarken sind lokal stärker als Fahrzeugmarken“

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Mancher Branchenbeobachter erwartet, dass nur große Handelsgruppen überleben werden. Wen haben Sie als Partner im Blick? Auch kleine Händler?

Konstantin Stenzel: Die Einstellung des Händlers ist für uns entscheidend. Wir suchen langfristige Kooperationen. Wir brauchen nicht alle Händler, sondern die richtigen. Groß oder klein ist da nicht so wichtig. Wer mit drei Langstehern versuchen will, ob das Thema Abo funktioniert, ist nicht der passende Partner für uns. Wir haben große, aber auch sehr kleine Händler mit denen es super läuft.

Was unterscheidet Faaren von anderen Abo-Anbietern?

Konstantin Stenzel: Wir sind kein klassischer Abo-Anbieter. Manch andere wie Cluno kaufen die Autos bei Herstellern zu. Wir haben keinen eigenen Fahrzeugbestand, bei uns geht es um den E-Commerce. Im Prinzip ist es so: Alles, was man in der Customer Journey nicht sieht, machen wir.

„Alle brauchen eine Infrastruktur“

Das Abo-Business wächst aktuell, auch große Namen drängen mehr und mehr hinein (z.B. VW, Audi). Wie wollen Sie sich als Start-up dagegen behaupten?

Daniel Garnitz: Versicherungen wollen in den Markt rein, Hersteller, Händler, Banken, so ziemlich alle. Und alle brauchen eine Infrastruktur dafür. Und da haben wir den klaren USP, indem wir die Software dafür anbieten.

Konstantin Stenzel: Die meisten Abo-Anbieter schreiben ihren Partnern sehr viel vor. Preise, Laufzeiten und Co., alles wird vorgegeben. Wir geben die Tools dem Händler mit und er kann damit sein Abo gestalten, so wie es ihm am besten passt. Jeder Händler ist unterschiedlich und deshalb braucht jeder individuelle Möglichkeiten. Bei uns hat der Partner immer die Kontrolle über seinen Fuhrpark.

Aufgrund des zunehmenden Wettbewerbs ist im Abo-Geschäft eine Konsolidierungswelle zu erwarten. Wird Faaren diese überstehen und wenn ja, warum?

Daniel Garnitz: Wir haben aktuell niemanden, um zu konsolidieren. Cluno oder Finn Auto sind sehr ähnlich. Wir reichern unser Angebot an, um etwas von diesem Kuchen abzubekommen. Aber da wir mit unserer Software die Autohändler selbst zum Abo-Anbieter machen, haben wir da keine Sorgen. Nochmal: Viele Player wollen in den Markt, vor allem Händler oder Leasinganbieter. Die werden Thema entscheidend prägen. Und wir bauen die Plattform für sie.

„Natürlich wird es schwieriger als in Deutschland“

Sie wagen sich jetzt erstmals auch aus Deutschland hinaus. Warum ist die Schweiz Ihr erster internationaler Markt?

Daniel Garnitz: Das hat sich durch die Kooperation mit der Axa-Versicherung ergeben. So früh stand die Expansion eigentlich nicht auf der Roadmap. Natürlich wird es schwieriger als in Deutschland, mit einer anderen Sprache und einer anderen Währung. Aber die Erfahrungen werden uns auf dem weiteren Weg helfen.

Sie haben es gerade erwähnt, Faaren kooperiert dabei mit der Axa-Versicherung. Wie passt das denn zusammen?

Daniel Garnitz: Ohne die Möglichkeit zur Kooperation mit Axa hätten wir das nicht gemacht. Versicherung war für uns auch neu. Aber die Axa schafft uns einen guten Zugang zum Schweizer Markt. Sie möchte Erfahrungen in diesem neuen und wachsenden Markt sammeln. Leute, die ein Auto-Abo abschließen, wollen sich nicht mehr um eine Versicherung kümmern müssen, denn die ist da ja einfach mit dabei. Die Kfz-Versicherung ist für Anbieter aber oft der Einstieg zum Endkunden. Durch das Abo drohen Versicherer also einen Zugang zu verlieren. Um das zu verhindern, will Axa da auch dabei sein.

Der Kontakt in die Schweiz kam über Kickstart, eine der großen europäischen Innovationsplattformen zustande. Wie sehr profitieren Sie von deren Knowhow?

Daniel Garnitz: Kickstart bringt Schweizer und internationale Corporates mit Start-ups zusammen. Wir haben es beim jährlichen Auswahlprozess in die Endauswahl geschafft und daraus wuchs dann der Deal mit Axa. Von Kickstart selbst beziehen wir weiter viel Knowhow. Wir stehen im ständigen Austausch mit unserem Advisor, der über eine langjährige Geschäftserfahrung verfügt. Das ist übrigens auch jemand, der mit der Autobranche nichts zu tun hat. Aber exakt so jemanden, mit einem völlig anderen Blickwinkel, wollten wir haben.

Die Schweiz ist der Pilot, um unsere Software für die Internationalisierung fit zu machen.

Konstantin Stenzel

Die Schweiz ist vermutlich nicht Ihr letztes Ziel.

Konstantin Stenzel: Es wird nicht bei der Schweiz bleiben. Wir führen gerade Gespräche mit Playern aus weiteren Ländern. Das sind Händler, Versicherungen, Hersteller, und, und, und. Die Schweiz ist der Pilot, um unsere Software für die Internationalisierung fit zu machen.

Wann geht es mit der weiteren Internationalisierung los?

Konstantin Stenzel: Sehr zeitnah. Lasst euch überraschen.

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Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Fachredakteur Next Mobility / Entwicklungsredakteur