Händlerumfrage: Sommerloch schon im April!

Autor / Redakteur: Wolfgang Michel / Wolfgang Michel

Von einer Kaufzurückhaltung vor allem privater Neuwagenkunden berichten Händler wie Sabine Fremerey in einer Umfrage von »kfz-betrieb«. Die Stituation betrifft einen Großteil der Händler.

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Sabine Fremerey ist Geschäftsführerin von Auto Müller in Hüttenberg.
Sabine Fremerey ist Geschäftsführerin von Auto Müller in Hüttenberg.
(Foto: Archiv)

Nico Petelka bilanziert die vergangenen Monate im Neuwagengeschäft wie viele andere Händler auch: „Zum Glück hatten wir noch einen guten Vorlauf aus dem Vorjahr, denn die Nachfrage der privaten und gewerblichen Kunden ist in diesem Jahr sehr stark zurückgegangen.“ Der Gewinner des Vertriebs Award 2012 freut sich jedoch noch über gute Erträge. Verwundert ist der Geschäftsführer des Saalfelder Citroën-Autohauses Zentral besonders über die Kaufzurückhaltung der Gewerbekunden. Trotz guter Auftragslage haben sie keinen Bedarf. Deutlich weniger Nachfrage verzeichnete zudem die Gebrauchtwagenabteilung. Vor allem die Internetanfragen sind sehr stark zurückgegangen. Das Servicegeschäft hingegen brummt sowohl im Pkw- als auch im Nfz-Bereich.

Sein ostdeutscher Händlerkollege Helmut Peter verbuchte ebenfalls eine stagnierende Neuwagennachfrage der Privatkunden. Zwar gebe es große Unterschiede von Marke zu Marke, so der Mehrmarkenhändler aus Nordhausen. Jedoch sei der Mai in Sachen Autoverkauf und Auftragseingang kein Wonnemonat gewesen. Lediglich das Gewerbekunden- sowie das Landes- und Bundesbehördengeschäft seien konstant verlaufen.

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Freuen wiederum kann sich Peter über „ein weiterhin gutes Gebrauchtwagengeschäft auf sehr hohem Niveau, wobei die Nachfrage nach jungen Gebrauchten im In- und Ausland sehr stark ansteigt.“

Das Nutzfahrzeuggeschäft verläuft bei den Fahrzeugen bis 7,5 Tonnen analog dem Vorjahr, im Bereich der Brummis über 7,5 Tonnen verzeichnete die Unternehmensgruppe aber einen leichten Rückgang.

Sehr zufrieden mit dem Nutzfahrzeuggeschäft ist Sabine Fremerey. „Der Auftragseingang liegt deutlich über dem des Vorjahres, ebenso das Servicegeschäft“, sagt die Geschäftsführerin von Auto Müller in Hüttenberg. Bei den Pkw verlief das Geschäft zweigeteilt: Bis Mitte April stimmten sowohl Absatz und Ertrag, das Unternehmen verkaufte über Vorjahresniveau. Jedoch ist die aktuelle Neuwagen-Auftragseingangssituation im Vergleich zu den ersten Monaten des Jahres deutlich zurückgegangen. „Man spürt eine generelle Kaufzurückhaltung bei den Privatkunden, aber auch einen leichten Rückgang bei gewerblichen Kunden“, so Fremerey. Die Rabatte gehen dagegen nicht zurück. „Wir stellen einen deutlichen Trend zu höheren Nachlässen bzw. zu Gebrauchtwagenüberzahlungen im Markt fest.“

Apropos Gebrauchtwagengeschäft: Dieses ist bis „Ende Mai sehr gut gelaufen. Sowohl die Stückzahl als auch die Erträge waren gut.“ Seit Anfang Juni verzeichnet das Autohaus jedoch auch hier eine rückläufige Nachfrage. Die dadurch erhöhten Bestände drücken wiederum auf die Preise und reduzieren dadurch die Erträge. Da hilft es, wenn zumindest das Servicegeschäft sehr zufriedenstellend verläuft.

Auf die Frage, wie sie das zweite Halbjahr bezüglich Vertrieb und Service einschätzt, antwortet die Geschäftsführerin: „Deutlich schwerer und schlechter als das erste Halbjahr. Der Vertrieb wird davon meines Erachtens aber wesentlich stärker betroffen sein als der Service. Daher plane ich bereits Worstcase-Szenarien, weil eine wackelnde Eurozone und ihre Risiken unkalkulierbar sind und ich mit meinem Unternehmen im Fall der Fälle gut aufgestellt sein muss.“

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