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Halbe Million E-Antriebe pro Jahr: Neue BMW-Batteriefabrik in Dingolfing startet

Autor / Redakteur: dpa / Christoph Seyerlein

Mit einer am Donnerstag eröffneten Batterie- und E-Motorenfabrik in Dingolfing will BMW bei der Elektromobilität Tempo machen. Schon bald soll jedes dritte in Europa verkaufte Auto des Konzerns elektrifiziert sein.

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BMW baut die Elektro-Produktion in Dingolfing aus.
BMW baut die Elektro-Produktion in Dingolfing aus.
(Bild: BMW)

BMW beschleunigt den Hochlauf der E-Mobilität. Konzern-Chef Oliver Zipse sagte am Donnerstag bei der Eröffnung der neuen Batterie- und E-Motorenfabrik im niederbayerischen Dingolfing: „Schon 2022 werden wir allein in Dingolfing E-Antriebe für über eine halbe Million elektrifizierte Fahrzeuge pro Jahr fertigen können.“ Die Zahl der Mitarbeiter sei seit Januar von 600 auf 1.000 gestiegen und werde mittelfristig auf 2.000 erhöht.

Von Januar bis Ende Mai habe BMW „mehr elektrifizierte ausgeliefert als im Vorjahr, trotz des langen Marktstillstandes durch Corona“, sagte Zipse. Schon nächstes Jahr solle jeder vierte in Europa verkaufte BMW ein Hybrid- oder E-Auto sein, 2022 jeder dritte. BMW müsse keine Strafzahlungen fürchten: „Wir werden die CO2-Grenzwerte dieses und nächstes Jahr deutlich unterschreiten.“

Zusammen mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) startete Zipse die Produktion der fünften Generation von E-Antrieben von BMW. Sie hat stärkere Batterien, kommt ohne Seltene Erden aus und fasst Elektromotor, Leistungselektronik und Getriebe in einem Gehäuse zusammen. Erstmals eingesetzt wird sie im vollelektrischen BMW-SUV iX3, der ab September in China vom Band läuft.

BMW lässt seine Batteriezellen von Zulieferern herstellen, baut seine Batterien damit aber selbst – im größten europäischen Werk Dingolfing, im US-Werk Spartanburg und im chinesischen Werk Shenyang. In Dingolfing soll nächstes Jahr der vollelektrische, hochautonom fahrende Luxus-SUV iNext vom Band laufen; ein vollelektrischer 7er BMW soll folgen. Der Dingolfinger Betriebsratschef Stefan Schmid sagte bei einer Werksführung: „Der Mitarbeiter hat jetzt besser bezahlte Job als vorher. Insgesamt ist das eine Erfolgsgeschichte.“ CSU-Chef Söder sagte, zukunftsträchtige Jobs seien sehr wichtig – „aber nicht etwas künstlich am Leben halten! Der Autobau soll nicht ein Subventionsbetrieb des Staates werden.“

BMWs Elektrostrategie ist intern umstritten

Zipse betonte: „Wir fahren die Elektromobilität weiter hoch und setzen Maßstäbe bei der Transformation unserer Industrie.“ Bis 2022 investiert der Konzern eine halbe Milliarde Euro in Dingolfing. Auf acht Produktionslinien sollen Batterien und E-Motoren gebaut werden, vier weitere Linien sind bereits geplant.

Allerdings ist die Elektro-Strategie der Konzernspitze intern nicht unumstritten. Betriebsratschef Manfred Schoch erklärte neulich im Spiegel, er wünsche sich eine eigene Elektro-Plattform.

Aktuell setzt BMW auf flexible Fahrzeugarchitekturen, die sowohl den Einbau von Verbrennungs- als auch Elektromotoren zulassen. Teilweise werden bei BMW Verbrenner und E-Autos auf den gleichen Montagelinien gefertigt.

„Nur mit einer eigenen E-Architektur können wir die Vorteile eines Elektrofahrzeugs voll ausschöpfen“, sagte der Betriebsratschef. Der Strategiewechsel wäre für BMW „dringend erforderlich, um von Wettbewerbern aus Kalifornien oder China nicht überholt zu werden“. Der Hersteller selbst erklärte gegenüber dem Magazin allerdings, man sehe sich derzeit „optimal aufgestellt“.

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