Halwart Schrader mit Verdienstorden geehrt

„Zentraler Protagonist der Oldtimerei in Deutschland“

| Autor: Steffen Dominsky

Halwart Schrader (li.) gilt als einer der Bewahrer von Automobilgeschichte.
Halwart Schrader (li.) gilt als einer der Bewahrer von Automobilgeschichte. (Bild: Eckart Bartels)

Der Wiederaufbau nach dem Krieg prägte auch den Alltag von Halwart Schrader. Kaum hatte der mit 18 den Führerschein in der Tasche, bekam er mit, dass alte Fahrzeuge in der Gunst der nach Neuem strebenden Gesellschaft keine Wertschätzung erfuhren. Frühzeitig entwickelte sich in der prosperierenden Bundesrepublik die bekannte Wegwerfgesellschaft. Dem drohenden Verlust manch rollenden Kulturguts versuchte Schrader sich mit verständlichen Botschaften entgegenzustellen. Der Braunschweiger wollte bewahren und das Bewusstsein für nachhaltige Technikentwicklung dokumentieren. Das gelang im auch – sehr nachhaltig sogar. Deshalb erhielt der Fahrzeughistoriker, Journalist und Buchautor jetzt in Anerkennung seines Lebenswerks die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Schrader ging 1957 zu einem Hamburger Verlag, berichtete zunächst gelegentlich über Motorhistorie und nutzte auch den Kommunikationsweg als Korrespondent mehrerer in- und ausländischer Automobilzeitschriften. Sein früh gesammeltes Wissen veröffentlichte er bald in Fachbüchern. Mitte/Ende der Sechziger animierte er erste Gruppen von Sammlern von „Fahrzeug-Veteranen“, später „Oldtimer“ genannt, dazu, sich zu engagieren und so rechtzeitig die verbliebenen Fragmente zu erhalten. So manche Werkstatt- oder Schraubergemeinschaft profitierte von Schraders motivierenden Texten und Abbildungen. Und in der Gesellschaft stieg das Bewusstsein für Technikgeschichte.

Auch mit 85 kein bisschen leise

1974 wurde Schrader Herausgeber und Chefredakteur der ersten deutschsprachigen automobilhistorischen Fachzeitschrift, mit der er gegen die Vernichtung von Kenntnissen im Handwerk, in der Dokumentation und letztlich für den Erhalt technischen Kulturguts wirken konnte. Er wurde einer der auflagenstärksten Fachbuchautoren, den man im In- wie Ausland für seine Veröffentlichungen auszeichnete. Durch seine anerkannten Recherchen und vielbeachteten Dokumentationen trug Schrader ganz wesentlich dazu bei, dass die Öffentlichkeit das Interesse für das technische Kulturgut Automobil entdeckte und zugleich damit für nachfolgende Generationen Wissen und Erfahrung erhalten werden konnte.

Viele Jahrzehnte hat Schrader als Autor, Übersetzer und Publizist gewirkt. Noch heute begleitet der 85-Jährige in ehrenamtlicher Funktion fahrzeughistorische Arbeitskreise, Organisationen und Verbände. Im „Forum für Fahrzeuggeschichte“ ist er als Mitbegründer seit 2001 aktiv beteiligt. Halwart Schrader gilt als „zentraler Protagonist der Oldtimerei in Deutschland“ („Auto Bild klassik“ Nr. 10/2018). Am 9. März 2020 wurde ihm durch den Landrat des Landkreises Uelzen, Heiko Blume, im Namen des Bundespräsidenten die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik verliehen. Halwart Schrader lebt nach verschiedenen Stationen in Berlin, Hamburg, München und Honfleur mit seiner Frau Mila in einem historischen Schulhaus in Hösseringen, einem Ortsteil der Gemeinde Suderburg.

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