Hamann Reifenlager gerettet – Kosten für die Autohändler bleiben

Autor: Jan Rosenow

Der insolvente Dienstleister wurde mittlerweile von einem Wettbewerber übernommen. Trotzdem sollen die Kunden immer noch 20 Euro für die Auslagerung bezahlen – pro Satz.

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Insolvenzverwalterin Jennie Best: Ohne die Zusatzgebühr „hätte ich den Betrieb komplett schließen müssen“.
Insolvenzverwalterin Jennie Best: Ohne die Zusatzgebühr „hätte ich den Betrieb komplett schließen müssen“.
(Bild: Reimer Rechtsanwälte)

Seit der Insolvenz des Tornescher Unternehmens Hamann Reifenlager kämpfen mehrere Autohäuser in Norddeutschland darum, ihre dort eingelagerten Kundenräder zurückzubekommen (»kfz-betrieb« berichtete). Die Insolvenzverwalterin verlangte von den Hamann-Kunden eine zusätzliche Handlinggebühr von anfangs 25 Euro pro Radsatz für die Auslagerung. Damit drohen den Autohäusern mitten in der durch die Corona-Krise angespannten Wirtschaftslage Zusatzkosten in fünfstelliger Höhe.

Dabei wird es wohl auch bleiben, selbst wenn die Insolvenzverwalterin Jennie Best von der Hamburger Kanzlei Reimer Rechtsanwälte den Betrag mittlerweile auf 20 Euro gesenkt hat. Daran ändert auch die inzwischen gelungene Rettung von Hamann nichts: Das Unternehmen ist rund sechs Wochen nach Insolvenzantrag im Rahmen einer übertragenden Sanierung an den Hamburger Wettbewerber DTM Reifenservice verkauft worden. Damit konnte die Insolvenzverwalterin nicht nur sämtliche zwölf Arbeitsplätze des Unternehmens erhalten, sondern es sei auch sichergestellt, dass die Tausende im Kundenauftrag beim Reifenlager Hamann verwahrten Radsätze überhaupt an die Autohäuser ausgeliefert werden können.

Betriebsschließung abgewendet

Die Gebühr von 20 Euro pro Radsatz dient laut Jennie Best dazu, die zur Auslagerung eingeschalteten Sub-Dienstleister zu bezahlen. „Alternativ hätte ich den Betrieb komplett schließen müssen. Ohne Mitarbeiter und Zeitarbeitskräfte hätte sich die Herausgabe der rund 80.000 Räder logistisch nicht bewältigen lassen. Es wäre zu Verzögerungen von vielen Monaten gekommen“, erklärt Jennie Best.

Für Autohändler Frank Rosenbaum aus Wedel, einen der Betroffenen der Hamann-Pleite, ist das neue Angebot der Insolvenzverwalterin immer noch deutlich zu hoch. „Wir haben eine Zahlung von zehn Euro angeboten und würden dafür auch die Räder direkt an der Laderampe abholen. Das wurde aber direkt abgelehnt“, berichtet Rosenbaum gegenüber »kfz-betrieb«. „Vermutlich wird uns dieses Problem nun noch über den Sommer begleiten.“

Hamann Reifenlager verwahrt und reinigt im Auftrag von Autohäusern in Hamburg und Schleswig-Holstein rund 80.000 Räder. Am 3. März 2020 musste das Unternehmen Insolvenzantrag stellen. Ursache waren unbezahlte Rechnungen in Höhe von rund 100.000 Euro durch die zuvorige Insolvenz des größten Hamann-Kunden, Auto Wichert.

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Über den Autor

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Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group