Hamburg: Schlechtere Luft trotz Fahrverboten

Autor: Christoph Seyerlein

Die jüngsten Messwerte in den für ältere Diesel gesperrten Straßen in Hamburg lassen arge Zweifel an der Wirksamkeit der Fahrverbote aufkommen. CDU- und Linke-Politiker fordern ein Ende der Beschränkungen, die zuständige Umweltbehörde will davon nichts wissen.

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In Hamburg steht die Sinnhaftigkeit der Dieselfahrverbote in Frage.
In Hamburg steht die Sinnhaftigkeit der Dieselfahrverbote in Frage.
(Bild: Sreenshot „Spiegel“-Video)

Seit dem 31. Mai dürfen ältere Diesel in Hamburg auf 1,6 Kilometern der Stresemannstraße und 600 Metern der Max-Brauer-Allee nicht mehr fahren. Grund ist die hohe Stickstoffdioxid-Belastung. Aktuelle Messwerte lassen nun allerdings arge Zweifel an der Wirksamkeit der Dieselfahrverbote aufkommen. An beiden Messstationen in 1,50 Meter Höhe war der NO2-Mittelwert für den Oktober sogar höher als noch vor einem Jahr.

In beiden Straßen lag jener Wert im Oktober bei 48 Mikrogramm pro Kubikmeter. Im Oktober 2017 hatte der Mittelwert noch jeweils bei lediglich 39 Mikrogramm gelegen. Der gültige Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm. Zusätzlich Fragen wirft der Fakt auf, dass andere Messstationen an nicht zufahrtsbeschränkten Straßen in der Hansestadt keine derartigen Verschlechterungen aufzeichneten. So geschehen beispielsweise in der Habichtstraße und der Kieler Straße.

Die Ursache für die jüngsten Ergebnisse ist nicht eindeutig belegbar. Als die Fahrverbote noch ganz frisch waren, hatte es zunächst tatsächlich Anzeichen für eine Verbesserung der Luftqualität gegeben. So lag der NO2-Mittelwert in der Stresemannstraße im Juni beispielsweise bei 37 Mikrogramm pro Kubikmeter – im Juni 2017 waren es noch 47 gewesen. Möglicherweise könnte das damit zusammenhängen, dass die Polizei zu Beginn der Maßnahme noch intensivere Kontrollen durchführte. Laut der „Hamburger Morgenpost“ gaben mehrere Anwohner an, immer wieder Fahrzeuge auf den gesperrten Straßen zu sehen, die mit Sicherheit nicht die Euro-6-Norm erfüllen. Laut der Hamburger Polizei werden die Verbotszonen „in unregelmäßigen Abständen“ kontrolliert.

Die zuständige Umweltbehörde macht dagegen die spezielle Wetterlage für die hohen Werte mitverantwortlich. Experten hätten von einem „Inversionswetter“ gesprochen, das wenig Luftaustausch zwischen den Luftschichten zulässt, teilte Behördensprecher Björn Marzahn mit.

Ende der „Sinnlosfahrverbote“ gefordert

In der Politik macht sich wegen der jüngsten Messdaten vermehrt Unmut breit. Die Rufe, die Fahrverbote aufzuheben, werden lauter. Stephan Gamm, umweltpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, bezeichnete sie in der „Welt“ als „Sinnlosfahrverbote“. Auch von den Linken gab es Kritik. Der Abgeordnete Norbert Hackbusch sagte: „Diese Maßnahme des Senats erweist sich als Beruhigungsmittel und PR-Gag.“

Die Umweltbehörde will von einem Ende der Fahrverbote allerdings nichts hören. Sprecher Marzahn sagte: „Für eine belastbare Aussage brauchen wir das Jahresmittel – und das liegt erst in einem halben Jahr vor. Es gibt keine Pläne, die Fahrbeschränkungen aufzuheben.“

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Entwicklungsredakteur