Handel tut sich schwer mit Verzicht auf Eigenzulassungen

Autor: Andreas Grimm

Die WLTP-Verwerfungen im Neuwagenhandel waren im September in allen Absatzkanälen spürbar. Während das Firmenkundengeschäft kräftig in die Knie ging, blieb der Rückgang der Eigenzulassungen im Handel überschaubar.

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(Bild: Achter / »kfz-betrieb«)

Der erwartete Rückgang der Neuzulassungen im September auf rund 200.000 Einheiten, laut der Marktforschung Dataforce das schlechteste September-Ergebnis seit 1985, hat sich durch sämtliche Marktsegmente gezogen. Besonders kräftig fiel der Rückgang allerdings im Flottenmarkt aus, während der Handel seine Eigenzulassungen nur verhalten zurückfuhr.

Dass für den Absturz der Erstzulassungszahlen die WLTP-Einführung ursächlich war, ist bekannt. Etwas verstärkt haben könnte die Entwicklung zudem noch eine um einen Tag verminderte Zahl an Arbeitstagen im Vergleich zum September 2017.

Besonders beeinflusst hat die WLTP-Einführung laut der Dataforce-Analyse den Handel mit Firmen- und Geschäftskunden. Dieser war im vergangenen Monat um 38,5 Prozent eingebrochen. Besorgniserregend ist diese Entwicklung aus Sicht der Analysten nicht, da gerade die Gewerbekunden sich frühzeitig mit neuen Autos eingedeckt haben dürften.

„In einem dienstlich genutzten Pkw ist es schwieriger, auf bestimmte Ausstattungen wie etwa eine Freisprecheinrichtung zu verzichten und durch langfristige Lieferbeziehungen wird seltener auf andere Marken ausgewichen“, heißt es von Dataforce. Insgesamt wurden über diesen Vertriebskanal noch knapp 44.000 Fahrzeuge abgesetzt, ein Minus von 38,5 Prozent.

Auch auf dem Privatmarkt bewegte sich im September ungewöhnlich wenig. Knapp 68.000 Erstzulassungen markierten den niedrigsten Wert für dieses Segment seit der Jahrtausendwende. Der Rückgang um 33,7 Prozent ist sogar noch schlechter als die gesamte Marktentwicklung (-30,5 %). Neben der fehlenden Fahrzeugverfügbarkeit spiele in dieses Ergebnis die Schwemme an günstigen Tageszulassungen hinein, vermutet Dataforce. Diese war durch Handel und Hersteller im Juli und August ausgelöst worden, die Neuwagen ohne WLTP-Zertifizierung noch vor dem 1. September zulassen mussten.

Die Hersteller fuhren auch ihre Eigenzulassungen im September um 33,3 Prozent stark zurück. Dagegen blieben die Händler wesentlich zulassungsfreudiger. Sie ließen nur 15,2 Prozent weniger Neuwagen auf ihren Namen zu. Mehr oder weniger im Monatstrend waren die Autovermieter. Auf sie entfielen 22.700 Erstzulassungen, ein Rückgang um 28,6 Prozent.

Transportermarkt geht ebenfalls in die Knie

Obwohl für leichte Nutzfahrzeuge der neue Abgastest erst in einem Jahr vorgeschrieben ist, erlitt der Transportermarkt ebenfalls deutliche Verluste. Die kombinierten Neuzulassungen von leichten Nutzfahrzeugen und Pkw-Utilities sanken im September um 14,1 Prozent. Der Gewerbekundenmarkt entwickelte sich dabei mit einem Minus von 11,0 Prozent noch relativ stabil. Auch die Händler wirkten stabilisierend. Ihre Eigenzulassungen gingen nur um 6,2 Prozent zurück.

Besonders stark rückläufig waren die Eigenzulassungen der Hersteller, die um fast zwei Drittel auf nur noch 780 Einheiten abstürzten (-61,7 %). Für den Privatkunden-Kanal verbucht die Statistik ein Minus von 21 Prozent, während die Autovermieter sogar etwas mehr Transporter abnahmen (+1,3 %).

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Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«