Prognose 2022 Handelsgeschäft normalisiert sich erst im zweiten Halbjahr

Von Nick Luhmann

Angespannte Liefersituation von Neuwagen aufgrund mangelnder Halbleiter, steigende gewerbliche Neuzulassungen, hohe Gebrauchtwagenpreise und Normalisierung bei Wartungs- und Reparaturaufträgen: das erwartet der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) vom neuen Jahr.

Firma zum Thema

Die Chipkrise schlug voll auf das Geschäft des Handels durch: In der Vergangenheit waren die Showrooms vieler Vertragspartner schon mit deutlich mehr Fahrzeugen bestückt.
Die Chipkrise schlug voll auf das Geschäft des Handels durch: In der Vergangenheit waren die Showrooms vieler Vertragspartner schon mit deutlich mehr Fahrzeugen bestückt.
(Bild: Schreiner/»kfz-betrieb«)

Engpass bei Neufahrzeugen, starke Nachfrage bei Gebrauchten: Diese Situation wird sich laut dem Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) zumindest in der ersten Jahreshälfte 2022 fortsetzen. In seiner Prognose geht der Verband davon aus, dass sich der Bestellstau bei Neufahrzeugen ab Mitte des kommenden Jahres langsam aufzulösen beginnt. Diese Einschätzung wird auch im Herbstgutachten der führenden Wirtschaftsinstitute geteilt.

„Somit erwarten wir um die 2,9 Millionen neu zugelassene Pkw in 2022 und damit rund 340.000 Einheiten mehr als in diesem Jahr zu erwarten sind“, sagt ZDK-Präsident Jürgen Karpinski. Laut der ZDK-Analyse werde sich auch der Gebrauchtwagenmarkt schrittweise normalisieren. „Wir prognostizieren daher für 2022 rund 6,8 Millionen Pkw-Besitzumschreibungen nach rund 6,7 Millionen in 2021“, so der ZDK-Präsident. Für das Reparatur- und Servicegeschäft sei mit einer weiteren Erholung zu rechnen: „Wir gehen davon aus, dass sich die durchschnittliche Auslastungsquote der Werkstätten im kommenden Jahr um zwei Prozentpunkte auf 82 Prozent erhöht.“

Halbleiterkrise konterkariert Aufschwung zunächst

Anzeichen für eine wirtschaftliche Erholung sind der seit Mitte 2021 zu verzeichnende Beschäftigungsaufbau, der sich laut dem Herbstgutachten der führenden Wirtschaftsinstitute in den nächsten zwei Jahren fortsetzen soll. Damit einher geht ein Anstieg der Zahl der Erwerbstätigen und des privaten Konsums.

Die privaten Pkw-Neuzulassungen werden laut dem ZDK zumindest im ersten Halbjahr 2022 von der angespannten Liefersituation aufgrund der Halbleiterkrise konterkariert. Daher wird sich die Zahl der privaten Pkw-Zulassungen gemäß der Verbandsprognose mit rund einer Million Einheiten wieder dem Wert des ersten Krisenjahres 2020 (1,08 Mio. Pkw) annähern, den diesjährigen Tiefstand von zu erwartenden rund 885.000 Einheiten jedoch übertreffen.

Bei den gewerblichen Neuzulassungen sieht der ZDK positive Tendenzen insbesondere im Flottensegment. Das liege zum einen an der von den Wirtschaftsweisen prognostizierten steigenden Investitionsbereitschaft der Unternehmen. Zum anderen sei im zweiten Halbjahr mit einer steigenden Fahrzeugverfügbarkeit zu rechnen. Auch die anderen Segmente werden im Vergleich zu diesem Jahr leichten Zuwachs haben. Daher rechnet der ZDK damit, dass die Gesamtzahl der in diesem Jahr zu erwartenden rund 1,675 Mio. gewerblichen Neuzulassungen im kommenden Jahr auf insgesamt rund 1,9 Mio. Pkw ansteigen wird.

Preise für Gebrauchte bleiben zunächst hoch

Hier geht der ZDK davon aus, dass sich aufgrund der ab Mitte 2022 zu erwartenden Auflösung des Bestellstaus an Neufahrzeugen der Gebrauchtwagenmarkt langsam wieder normalisieren wird. Somit prognostiziert der ZDK rund 6,8 Mio. Pkw-Besitzumschreibungen in 2022 nach rund 6,7 Mio. Einheiten in diesem Jahr. Die Gebrauchtwagenpreise werden zunächst auf dem höheren Niveau bleiben, bis das Angebot wieder die Nachfrage übersteigt.

Werkstattauslastung soll wieder steigen

Nach der ab Mitte 2021 zu verzeichnenden Normalisierung bei Wartungs- und Reparaturaufträgen geht der ZDK davon aus, dass sich die durchschnittliche Auslastungsquote der Werkstätten, die in diesem Jahr bei 80 Prozent landen dürfte, im kommenden Jahr auf 82 Prozent steigern wird.

(ID:47906887)