Handy als Autoschlüssel: Smart gestartet

Autor / Redakteur: sp-x / Yvonne Simon

Das Handy ersetzt heute Navigationsgerät, Fernseher oder Musikanlage. Bald könnte eine weitere Funktion dazukommen: Autofahrer könnten bald ihre Fahrzeuge per Smartphone starten. Dazu sind allerdings noch einige Fragen zu klären.

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Bosch will das Handy als alternativen Autoschlüssel etablieren.
Bosch will das Handy als alternativen Autoschlüssel etablieren.
(Bild: Bosch)

Das Auto auf- und abschließen per Handy? Heute mit der richtigen App längst nichts Besonderes mehr. Doch bald wird das Smartphone den klassischen Fahrzeugschlüssel immer häufiger auch beim Motorstart ersetzen. Das hat nicht zuletzt beim Carsharing und für Berufskraftfahrer große Vorteile. Doch bis es soweit ist, sind noch ein paar Fragen zu klären.

Wer ein Smartphone besitzt und den Connectivity-Dienst eines Autoherstellers oder Drittanbieters abonniert hat, kann schon heute die Autotüren aus der Ferne per App aufschließen und versperren. Bei Angeboten wie Mercedes Me, BMW Connected Drive und Co. ist diese Möglichkeit aber in erster Linie Spielerei. Oder im besten Fall eine Möglichkeit für vergessliche Fahrer, aus der Ferne zu prüfen, ob sie ihr Fahrzeug auch wirklich richtig versperrt haben. Es gibt aber auch schon recht handfeste und praktische Anwendungsfelder für virtuelle Autoschlüssel. So erproben zurzeit einige Autohersteller die Paketlieferung in den Kofferraum – der Bote erhält dafür einen Einmalcode auf sein Handy, der das Gepäckabteil für die Zustellung öffnet. Der Motorstart ist natürlich nicht möglich.

Als vollwertiger Autoschlüssel fungiert das Handy heute aber lediglich in Ausnahmefällen. Etwa bei Mercedes, wo Käufer seit kurzem die Option „Digitaler Fahrzeugschlüssel“ ordern können. Für 120 Euro lässt sich das Smartphone mit bis zu vier Autos vernetzen, zum Öffnen muss das Telefon dann an den Türgriff gehalten werden. Der Motorstartknopf wird freigegeben, sobald das Gerät im Innenraum detektiert ist.

Nötig ist dafür ein Smartphone mit dem heute fast obligatorischen Nahfeld-Kommunikations-Standard NFC sowie einer speziellen Secure-SIM-Karte, die eine verschlüsselte Signalübertragung ermöglicht. Mercedes selbst preist die Technik als „Schritt in die Zukunft“ an und prüft offenbar, ob dort ein Geschäftsmodell drinsteckt. Denn nach drei kostenlosen Jahren wird eine regelmäßige Grundgebühr fällig.

Dass die Kundschaft beherzt zugreift, scheint zunächst einmal unwahrscheinlich. Besteht der alltagspraktische Vorteil gegenüber den längst gängigen automatischen Smart-Key-Schließsystemen doch vor allem darin, dass neben dem Handy nicht auch noch der Autoschlüssel die Sakkotaschen ausbeult.

Fahrberechtigung kann virtuell verwaltet werden

Der eigentliche Grund für die potenzielle Überlegenheit des digitalen Schlüssels wird im Mercedes-Modell nicht voll ausgespielt: Ist zum Öffnen und Starten kein greifbarer Gegenstand mehr nötig, entfällt beim Fahrer- oder Fahrzeugwechsel die Notwendigkeit zur Schlüsselübergabe. Statt über den faktischen Besitz des Schlüssels wird die Fahrberechtigung virtuell weitergegeben und getauscht – und notfalls auch entzogen. Potenziell sind unendlich viele virtuelle Teil- oder Vollzeitschlüssel möglich. Mercedes beschränkt die Zahl pro Auto zunächst auf drei. Gerade einmal genug für Ehemann, Ehefrau und ein erwachsenes Kind.

Die Flexibilität digitaler Autoschlüssel ist vor allem für Carsharing-Anbieter, Autovermieter und Betreiber von Firmenflotten interessant. Und auch Speditionen zählen zu den Zielkunden: Bosch etwa hat kürzlich auf der IAA Nutzfahrzeuge eine Lkw-Variante seiner für 2020 im Pkw angekündigte Technik präsentiert. Auch der Zulieferer setzt auf NFC-Sender, die dank des geringen Energieverbrauchs auch bei leerem Handyakku noch funktionieren sollen.

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