Herbstakademie 2018: Gefragter Impulsgeber für Führungskräfte

Richtungsweisende Vorträge nicht nur für den Branchennachwuchs

| Autor: Wolfgang Michel

Mit dem Workshop „In Gesichtern lesen und Manipulationen erkennen“ startete die Herbstakademie Sylt in ihren dritten und damit letzten Tag. Sabrina Rizzo bestärkte die Sonntagsgäste darin, „verschüttete Fähigkeiten auszugraben, um damit die Anzahl böser kommunikativer Überraschungen zu reduzieren“. Dass Kommunikation komplex sei, wisse zwar jeder. „Trotzdem sind wir häufig sorglos, wenn es um dieses Thema geht. Damit geraten wir in die Gefahr, getäuscht zu werden“, so Rizzo. Sie präsentierte zwei Beispiele, die seit vielen Jahren stellvertretend für eine massive Publikumstäuschung stünden: So beteuerte Ex-US-Präsident Bill Clinton, niemals Sex mit seiner Praktikantin Monica Lewinsky gehabt zu haben. Und der frühere schleswig-holsteinische Ministerpräsident Uwe Barschel gab am 18. September 1987 sein Ehrenwort, nichts mit dem größten politischen Skandal des nördlichsten Bundeslands zu tun zu haben. Jedoch schloss er beim Aussprechen seines Ehrenworts beide Augen. Er behauptete, nichts mit der Affäre zu tun zu haben, die seitdem untrennbar mit seinem Namen verbunden ist. Ob Clinton oder Barschel – schon lange steht fest, dass beide Männer gelogen haben.

Herbstakademie 2018: Trommeln für den Erfolg

Sabrina Rizzo erzählte, dass Profiler wie sie die Lüge noch während der öffentlichen Stellungnahmen in Bruchteilen von Sekunden an sogenannten Mikro-Expressionen in den Gesichtern der Betroffen erkennen. In ihrem Workshop sprach sie darüber, wie man Emotionen, Lügen und Manipulationen erkenne und mit welchen Fragetechniken man die Wahrheit erfahre. Auf was es bei Mimik und Gestik zu achten gilt, zeigte Rizzo anhand von verschiedenen Videomitschnitten.

Am dritten Tag hatte die Herbstakademie noch einen Workshop mit Sabrina Rizzo im Programm. Das Thema lautete: „In Gesichtern lesen und Manipulationen erkennen.“
Am dritten Tag hatte die Herbstakademie noch einen Workshop mit Sabrina Rizzo im Programm. Das Thema lautete: „In Gesichtern lesen und Manipulationen erkennen.“ (Bild: Zietz / »kfz-betrieb«)

Von Barack Obama über Angela Merkel bis zum Bachelor oder Teilnehmer des Dschungelcamps – sie belegte eindrucksvoll, wie man Wahrheit und Lüge anhand von Mimik und Körpersprache erkennt. Die Sozialpädagogin und Mediendesignerin lernte nicht nur zu unterrichten, sondern bekam durch die Beschäftigung mit Werbung erste Eindrücke von den Möglichkeiten der Manipulation. Beide Bereiche führt sie seit mehr als einem Jahrzehnt zusammen. Rizzo bildet unter anderem das Sicherheitspersonal an Flughäfen in Deutschland aus und arbeitet als Profilerin für die Polizei. „Wir müssen die Körpersprache eines Menschen lesen können, damit wir erkennen, wann wir manipuliert werden“, erklärte sie. Da die Mimik beispielsweise für Trauer, Angst, Verachtung und Freude bei allen Menschen auf der Welt gleich sei, funktioniere das Lesen von Körpersprache und Gestik bei allen Menschen nach denselben Regeln. Selbst wenn Pokerspieler ihre Körpersprache perfekt beherrschten, hätten sie doch immer eine Sonnenbrille auf. Warum? Damit man die Augen nicht sehe. Die Augen ließen sich von keinem Menschen auf der Welt kontrollieren. Ohne Sonnenbrille würden die Gegenspieler durch die sich verändernden Pupillen erfahren, ob die Karten gerade gut oder weniger gut sind. Übertragen in die berufliche Welt bedeute dies, dass Führungskräfte in manchen Momenten einen arroganten Blick in den Augen hätten. Ein Verkäufer wiederum, der seinen Job sehr gerne mache, würde nie so schauen.

Im Übrigen seien Babys und Kleinkinder die besten Mimikleser. Da Babys noch nicht sprechen können, müssten sie zwangsläufig mit Mimik reagieren. In der Folge würden Babys und Kleinkinder immer die Mimik ihres erwachsenen Gegenübers spiegeln.

Rizzo stellte dem Publikum auch die Frage, welche Emotion von Erwachsenen bei Erwachsenen am schwersten erkannt werde. Die Antwort: nicht etwa die Angst oder die Verachtung. Die am schwierigsten zu erkennende Mimik sei die Trauer. Unabhängig von den verschiedenen Gesichtsausdrücken verließen sich die Menschen aber am meisten auf Worte. „Wenn die Körpersprache mit den Worten übereinstimmt, sind wir uns einig.

Wenn an der Aussage etwas nicht stimmt, dann passt auch die Körpersprache nicht dazu“, so Rizzo. Und weil dem so sei, bestehe die Chance, Sprache und Gestik als Gesamtbild zu bewerten. So würden beispielsweise Verbrecher entlarvt. Sprache, Gestik, Körperhaltung, Augen – niemand sei in der Lage, all diese Kanäle zur selben Zeit zu kontrollieren.

In diesem Zusammenhang verriet die Referentin einige Tricks für Bewerbergespräche. Rizzo nannte zwei Beispiele: Ein Unternehmen will sechs Personen einstellen, die künftig mit einer Schusswaffe ausgestattet sind. Um zu erfahren, welchen Bewerbern es im Prinzip nur um die Waffe geht, helfe es, dem Bewerber im Gespräch die Schusswaffe erst einmal verbal wegzunehmen. Der Bewerber müsse ein Jahr lang ohne Schusswaffe arbeiten. An den Reaktionen der Bewerber könne man sofort erkennen, wem es nur auf das Tragen einer Waffe ankomme. Dieses Bild übertrug Rezzo in ihrem Workshop auf die Bewerbungen auf eine sehr wichtige Position in einem Autohaus. Im Gespräch mit potenziellen Führungskräften sollte man dem Bewerber klar machen, dass man ihn sehr gerne gewinnen möchte. „Da man aber derzeit umstrukturiere, bitten Sie ihn, die nächsten sechs Monate erst noch eine andere Führungsposition im Unternehmen zu übernehmen“, skizzierte Rizzo die kleine Falle. An den Reaktionen könne man sofort erkennen, welchen Bewerbern es wirklich ernsthaft um die ausgeschriebene wichtige Führungsaufgabe gehe. Sabrina Rizzo beeindruckte die Gäste mit ihren Analysen, sie fesselte ihre Zuhörerinnen und Zuhörer drei Stunden lang.

Mit ihrem Workshop ging eine Herbstakademie zu Ende, die sich über alle drei Tage hinweg auf einem sehr hohen inhaltlichen Niveau befand. Die zwölfte Herbstakademie des Kfz-Gewerbes hat die Messlatte für die Veranstaltung noch einmal weiter nach oben verschoben.

Die 13. Herbstakademie findet 2020 statt

Mimik und Körpersprache zeigten es deutlich: Drei Tage lang herrschte sehr gute Stimmung bei allen Gästen, die Laune aller war ausgezeichnet. So kann es in zwei Jahren weitergehen. Die nächste Herbstakademie der Junioren auf Sylt findet vom 6. bis 8. November 2020 statt. »kfz-betrieb« ist dann wieder mit an Bord – und Sie?

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