Hersteller müssen Herausforderungen gestalten

Autor / Redakteur: Andreas Grimm / Andreas Grimm, Andreas Grimm

Vor dem Start des Neuheiten-Feuerwerks in Genf warnt eine Analyse der Unternehmensberatung Arther D. Little vor problematischen Entwicklungen. Auch der Handel steht vor Veränderungen.

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Die Autoproduktion und der Absatz sehen sich derzeit zahlreichen Problemen gegenüber.
Die Autoproduktion und der Absatz sehen sich derzeit zahlreichen Problemen gegenüber.
(Foto: Archiv)

Während des Genfer Salons stehen vor allem neue Produkte, neue Modelle, Modellvarianten und Konzepte für die Zukunft im Vordergrund. Blitzendes Chrom und polierte Lacke überstrahlen die Probleme, denen sich die Autobranche stellen muss. Denn speziell in Europa steckt der Automobilabsatz in der Krise – und steht die Automobilindustrie drastischen Herausforderungen gegenüber. „Die Hersteller müssen gegenlenken“, bringt es die Unternehmensberatung Arthur D. Little auf den Punkt. Zum Start des Automobilsalons haben die Berater fünf entscheidende Zukunftsthemen der Branche identifiziert.

Eine der wichtigsten Fragen sind die Kosten, die dem Autor Carsten Kahner zufolge, Partner im Geschäftsbereich „Automotive and Mobility“ von Arthur D. Little, nicht allein mehr auf den Anschaffungspreis reduziert werden dürfen. Vielmehr entscheiden die Kunden inzwischen nach den gesamten Mobilitätskosten. Diese Entwicklung betrifft nicht allein die Privatkunden, auch die Preissensibilität der gewerbliche und Flottenkunden steigt.

Den Herstellern rät die Studie, transparente Preismodelle für die verschiedenen neuen Kundentypen zu entwickeln und sich nicht allein auf den Listenpreis zu konzentrieren. Zudem müssten sie alle Kosten während der Haltedauer für Kunden erfassen und für sie die passenden Angebote an Fahrzeugen, Haltermodellen und Dienstleistungen entwickeln.

Mobilitätsangebote statt Autobesitz

Verstärkt wird der Trend, die gesamten Autokosten zu erfassen, durch die emotionale Abwendung vom Automobil. Das bisherige Statussymbol Auto wird seinen Nutzern immer mehr zum Klotz am Bein. Entsprechend wird in Zukunft die Zahl der Kunden wachsen, die integrierte Mobilitätskonzepte wählen statt selbst ein Fahrzeug zu besitzen. Zudem steckt das Auto immer tiefer im Wettbewerb zu anderen Konsumgütern.

Als reines Glied in der Mobilitätskette, wird das Automobil auf seinen funktionalen Wert reduziert, gleichzeitig nehmen die Kunden die bestehenden Mobilitätsangebote als nicht ausreichend wahr. Die Studie rät den Herstellern daher, „integrierte Geschäftsmodelle für intermodale Mobilität“ aufzubauen. Zu denken sei unter anderem an die Entwicklung verkehrsträgerunabhängiger Mobilitätsdienstleistungen.

Alternative Antriebe müssen SUV-Boom abfedern

Während einerseits von der Industrie neue Vermarktungskonzepte gefordert sind, gerät sie mit ihren Produkten selbst in eine kritische Situation: Während einerseits der Absatz der Elektrofahrzeuge weit hinter den Prognosen zurückbleibt, belastet der Siegeszug der oft stark motorisierten SUV die CO2-Bilanzen der Herstellerflotten. Laut Arthur D. Little wird der SUV-Anteil am Absatz bis 2020 auf 35 bis 45 Prozent steigen. Schließlich stehen in Genf nicht umsonst Modelle wie der Peugeot 2008, der Renault Captur und hat Opel beispielsweise auf den Mokka gesetzt.

Um ihre Flottenziele zu erreichen, zu denen sich die Hersteller verpflichtet haben, müssten sie ihren länderspezifischen Modellmix anpassen, und den Antrieb im SUV-Segment konsequent auf Hybride umstellen. Das wiederum ist jedoch mit steigenden Kosten verbunden. Als dritter Lösungsansatz bliebe ein höherer Anteil von Fahrzeugen, die mit alternativen Kraftstoffen angetrieben werden.

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