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Hessische Kfz-Betriebe wollen digitale Chancen nutzen

| Redakteur: Christoph Baeuchle

Der Diesel dominiert seit Monaten die Diskussion im Kfz-Gewerbe. Zu Unrecht. Schließlich muss sich die Branche auf die Zukunft vorbereiten. Das zeigte die Mitgliederversammlung des Kfz-Gewerbes Hessen. Doch ganz durfte der Diesel auch dort nicht fehlen.

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Präsident Jürgen Karpinski sprach bei der Mitgliederversammlung des Kfz-Gewerbes Hessen.
Präsident Jürgen Karpinski sprach bei der Mitgliederversammlung des Kfz-Gewerbes Hessen.
(Bild: Zietz)

Die Digitalisierung ist ein wesentlicher Treiber des Branchenumbruchs. In der Diskussion steht nicht nur das autonome Fahren, sondern auch die dazu notwendige 5-G-Netztechnologie. „Wir brauchen ein flächendeckendes 5-G-Funknetz“, stellte Präsident Jürgen Karpinski auf der Mitgliederversammlung des Kfz-Gewerbes Hessen, klar. Er forderte die Politik auf, endlich zu handeln.

Beschleunigt wird die digitale Entwicklung der Branche durch die verbindliche Einführung des elektronischen Notrufs E-Call seit Mai 2018. Er legt die Grundlage, Kunden direkt Dienstleistungen anbieten zu können. Doch dazu ist ein entsprechender Zugang zu den Fahrzeugdaten notwendig. „Die Verarbeitung von fahrzeuggenerierten Daten im Kraftfahrzeug und die Etablierung einer Kunden- und Datenschnittstelle muss allen Autohäusern und Kfz-Betrieben ermöglicht werden, etwa auf Basis eines einheitlichen Telematik-Systems“, sagte Karpinski.

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Ein wichtiges Zwischenziel hat der Verband dabei erreicht: die neue europäische Typgenehmigungs-Verordnung (EU) 2018/858. Sie legt fest, dass Hersteller für alle Kraftfahrzeuge, unabhängig von der Emissionsklasse, sämtliche Informationen für Diagnose, Instandhaltung, Neuprogrammierung oder Neuinitialisierung über das Internet bereitstellen müssen. Das erleichtert die Arbeit erheblich, vor allem wenn der vom Verband angebotene Euro-DFT, ein leistungsfähiges Diagnose- und Programmierungswerkzeug für Euro 5- und Euro 6-Kraftfahrzeuge, zum Einsatz kommt.

Doch die Technologie ist nur ein Aspekt, wenn Betriebe die digitalen Potenziale nutzen wollen. Sie müssen vor allem ihr gesamtes Team mitnehmen. Denn neue Prozesse erfordern neues Denken und Handeln. Dabei hilft beispielsweise die Akademie des Deutschen Kfz-Gewerbes TAK.

„Noch in diesem Jahr tritt eine neue Meisterprüfungsordnung in Kraft“, kündigte Karpinski an. Dazu gebe es in Hessen seit diesem Jahr die Meisterprämie von 1.000 Euro für jeden erfolgreichen Absolventen. Zudem ist seit Anfang August 2017 eine modernisierte Ausbildungsverordnung für Automobilkaufleute in Kraft. Bundesweit bildet das Kraftfahrzeuggewerbe zurzeit rund 92.000 junge Menschen in technischen und kaufmännischen Berufen aus. Mit steigender Tendenz.

Ein Bewusstsein für Digitales zu schaffen, dieser Aufgabe stellte sich Roman Benischke, geschäftsführender Gesellschafter von Mediatools.tv. Er animierte die betriebe, Kunden zu „Helden“ zu machen und sie in Filmen die Vorteile der Produkte erklären zu lassen.

Was bringen den Händlern die Onlinebörsen? Cargurus, Heycar und Mobile.de folgten der Einladung des Landesverbandes und präsentierten nicht nur ihre Angebote, sondern stellten sich auch der Diskussion. Autoscout 24 war der Einladung nicht gefolgt. Henner Stollberg (Cargurus) und Ullrich Heidester (Heycar) gaben einen Ausblick auf die Pläne der Branchenneulinge. Dagegen musste sich Frederick Altrock (Mobile.de) die eine oder andere kritische Frage zur Preispolitik der Onlinebörse gefallen lassen.

Ende des Abmahn-Unwesens in Sicht

Den Überblick rund ums Thema Diesel und Fahrverbote zu behalten, scheint mittlerweile schwierig zu sein. „Das Durcheinander könnte nicht größer sein“, kritisierte Präsident Karpinski. Natürlich sei eine Öffnung für die Nachrüstung begrüßenswert. Doch: „Statt eines Flickenteppichs brauchen wir eine bundeseinheitliche Regelung.“

„Ausnahmslos jeder Halter eines Dieselfahrzeugs, der eine Hardwarenachrüstung durchführen lassen will, muss dies machen dürfen“, stellte Karpinski klar. „Die für die Nachrüstung notwendigen genehmigungsrechtlichen Voraussetzungen müssen nun schnellstmöglich auf den Weg gebracht werden.“ Zudem sind grundlegende Fragen der Finanzierung noch offen.

Ein Hauptakteur im Dieselchaos sei die Deutsche Umwelthilfe. Karpinski kritisierte die Organisation und deren Verhalten. Dazu gehöre auch das Abmahn-Unwesen. Ein Gesetzesentwurf „zur Stärkung des fairen Wettbewerbs“ von Bundesjustizministerin Katarina Barley sei bereits dem Bundestag zugeleitet worden. Karpinski meint: „Da dürften die meisten Autohäuser und Werkstätten aufatmen.“

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